Nun doch "realistisch"

Lokales
Kümmersbruck
16.04.2015
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"Endlich wird in der Sache Westumfahrung auch von offizieller Seite mit realistischen Zahlen gearbeitet": So kommentiert Freya Zobel, die Sprecherin der "IG Ortsdurchfahrt entlasten - Natur erhalten", die jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Roland Strehl zu diesem Mammutprojekt.

Für die IG war es "die" Nachricht des Tages. Deshalb hatte sie ihre Mitstreiter kurzfristig zu einer Sitzung eingeladen. Durch den bei der letzten Kommunalwahl vollzogenen Politikwechsel in der Gemeinde sieht die Gemeinschaft nun eher die Chance, mit ihren Bedenken gegen die Westumfahrung im Rathaus Gehör zu finden. Wie Zobel sagte, habe Bürgermeister Strehl seit seiner Wahl vor einem Jahr darauf gedrungen, "belastbare und realistische Fakten und Kostenschätzungen auf den Tisch zu bekommen". Vor allem die Kosten dieses Jahrhundertbauwerks, die Strehls Vorgänger Richard Gaßner jahrelang mit 24 Millionen Euro angegeben habe, seien nicht mehr realistisch.

Zobel verwies darauf, dass Strehl von einem gemeindlichen Anteil (20 Prozent) an den Kosten von mindestens fünf bis sechs Millionen Euro ausgehe. Da die gesamte Summe über Darlehen finanziert werden müsse, wäre damit der Spielraum für andere Investitionen äußerst eng. Ein Sitzungsteilnehmer erinnerte daran, dass die IG schon seit Jahren eine realistische Kostenschätzung fordere, da ihr im Vergleich mit ähnlichen Bauprojekten die angenommene Summe als viel zu gering erscheine.

Zobel entnimmt den jüngsten Äußerungen Strehls, dass in der jetzigen Mehrheitspartei im Kümmersbrucker Gemeinderat, der CSU, schon seit einiger Zeit ein Umdenk-Prozess begonnen habe, was die Entlastung der Ortsdurchfahrt durch die Umgehung betreffe. Strehl habe deutlich gemacht, dass dadurch in dem am stärksten belasteten Abschnitt der Vilstalstraße, zwischen Kirchensteig und Zeilenstraße, der Verkehr nur um 33 Prozent abnehme. "Das ist nach Informationen der IG an der Grenze eines akustisch wahrnehmbaren Unterschieds", betonte Zobel. Das Straßenbauamt komme nach der neuesten Planung gar nur auf eine Entlastung von 29 Prozent in der Ortsmitte. Die IG versuche seit Jahren, dies den Anwohnern der Vilstalstraße zu erklären. Erfreut nahm Zobel deshalb zur Kenntnis, "dass nun auch der Bürgermeister keine falschen Erwartungen bezüglich der Verkehrsentlastung wecken möchte".

Helmut Kraus ergänzte, dass Verkehrs-Experte Professor Harald Kur-zak bereits im Planfeststellungsbeschluss von 2007 prognostiziert habe, dass "die verkehrliche Wirksamkeit der Ortsumgehung" deutlich zurückgehe, wenn der Verkehr nur, wie jetzt vorgesehen, über die Bayernwerk-/Werner-von-Siemens-Straße geführt werde. Es sei deshalb verständlich, dass Strehl für diese geänderten Rahmenbedingungen gerne das Votum der Bürger haben möchte. Auch die IG ist der Meinung, dass der Beschluss des Gemeinderats von 1999 zum Bau der Westumfahrung durch ein Ratsbegehren mit Bürgerentscheid nochmals überdacht und den veränderten Fakten angepasst werden muss.
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