Ohne Bäume wachsen Algen

Trotz des Drahtgitterschutzes hat sich der Biber auch an diesem Baum massiv vergriffen.
Lokales
Kümmersbruck
14.05.2015
2
0

Ein dicker brauner Teppich stört die Idylle am Fluss: Was da auf der Vils treibt, das sind Blaualgen. Sie produzieren Gift, können Kleinstlebewesen, Fische und auch Menschen schädigen. Sie wachsen immer stärker. Schuld sind Nährstoffe und steigende Temperaturen im Wasser. Einen Hauptverdächtigen gibt es auch schon: den Biber.

Seit 800 Jahren wird an der Vils die Wasserkraft genutzt. Helmut Kraus betreibt sein Kraftwerk am alten Hammerschloss in Haselmühl bereits in dritter Generation. Er hat eine Fisch-Umgehung mit Auf- und Abstiegsmöglichkeit geschaffen und kennt die Blaualgen-Problematik vor seiner Haustür.

Doch ein Phänomen beobachtet Kraus mit wachsender Sorge: "Seit Jahren nimmt das Algenwachstum in der Vils zu." Im Labor habe sich klar herausgestellt, dass es sich bei dem massiven schwimmenden Teppich um Blaualgen handle.

Richtiggehende Düngung

Woher kommt der rasante Anstieg dieses Wachstums in letzter Zeit? Von landwirtschaftlichen Flächen werden verstärkt Nährstoffe ins Wasser geschwemmt, was zu einer Überbelastung und "Düngung" der Algen führt. Aber auch die Wassertemperatur der Vils steige an manchen Stellen, das habe das Wasserwirtschaftsamt bei einer Untersuchung festgestellt, erzählt Kraus der AZ.

Keine natürlichen Feinde

Wie ist das möglich? Ganz einfach: Der Schatten am Ufer fehlt immer mehr. Der Biber, an der Vils sehr stark vertreten, hat zahlreiche Bäume gefällt und die Vilsauen so nachhaltig verändert. "Der Biber ist extrem geschützt und vermehrt sich auch extrem", stellt Helmut Kraus fest. Er hat prinzipiell nichts gegen den Nager, doch die Vermehrung der Tiere sei schon sehr stark. Natürliche Feinde gebe es nicht, und jeder Biber brauche ein eigenes Revier samt Nahrungsangebot. Die Beschattung am Fluss fehlt, die Sonne brennt, das Wasser wird wärmer und die gedüngten Algen wachsen ungemein. Viele Quadratmeter des gefährlichen Teppichs haben sich angestaut vor dem Wehr des Kraftwerks.

Was kann Helmut Kraus tun? "Irgendwann werde ich die Schieber ziehen und den ganzen Haufen weitergeben ans nächste Kraftwerk flussabwärts", meint er. Deren Besitzer habe er schon informiert, "aber die haben alle, je nach Beschattung am Fluss, mehr oder weniger das gleiche Problem mit den Blaualgen!"

Sauerstoff nimmt ab

Durch die Verrottung der Algen nimmt auch der Sauerstoffgehalt im Wasser ab, was, neben dem Gift, die Fische zusätzlich gefährdet. "Ich frage mich nur, warum die Fischereivereine nicht stärker aktiv werden wegen dieses Problems." Schließlich gehe es um die intakte Natur im Fluss.

Hauptsächlich Erlen und Weiden sind es wohl, die vom Biber angenagt und gefällt werden und keinen wichtigen Schatten mehr für den Fluss spenden können. Mit Gittern versucht Kraus auch in seinem Garten die Bäume zu schützen, aber der Biber hat sogar, vollkommen gegen die Erkenntnisse der Forschung, harzhaltige Lärchen angefressen.

Wie geht es weiter? Helmut Kraus weiß es auch nicht. Aber getan werden muss etwas, denn sonst droht ernste Gefahr für das ganze Ökosystem der Vils. (Angemerkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.