Roland Strehl (CSU) über die Eingewöhnung in sein Amt als Kümmersbrucker Bürgermeister und die ...
Wie wenn in einer Familie das erste Kind geboren wird

Von wegen mit dem Dackel durch die Wälder spazieren!
Lokales
Kümmersbruck
15.05.2015
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Vor einem Jahr hat es Roland Strehl (51) im zweiten Anlauf geschafft, das 42 Jahre währende Abo der Kümmersbrucker SPD auf das Bürgermeisteramt in der Gemeinde zu beenden. Der Umzug vom Forstamt ins Rathaus war für Strehl ein mit vielen erfreulichen Erlebnissen verbundener Lernprozess, an seinem dicken Fell bei öffentlichen Attacken muss er aber noch arbeiten, verrät er im AZ-Interview.

Herr Strehl, was hat sich denn mit dem Bürgermeisteramt in Ihrem Leben verändert?

Strehl: Es war für mich nicht wirklich überraschend: Dieses Amt beansprucht einen mit Haut und Haar. Es ist dabei weniger die zeitliche Belastung (da kann man sich schon Freiräume schaffen), sondern die mentale Herausforderung, die die Fülle der Aufgaben mit sich bringt. Man kann es vielleicht am besten mit der Situation vergleichen, wenn in einer Familie das erste Kind geboren wird: Deine Gedanken kreisen 24 Stunden am Tag um dieses Kind, und auch dein Lebensrhythmus ist plötzlich ein ganz anderer.

Was sagt die Familie dazu?

Strehl: Wenn es mal wieder knüppeldick kommt, fragen meine beiden erwachsenen Töchter schon manchmal: "Warum tust du dir das eigentlich an?" Aber sie wissen auch, dass ich dieses Amt gerne und mit einem gewissen Stolz ausübe, und akzeptieren die Veränderungen im Familienleben. Auch meiner Frau war von Anfang an klar, worauf man sich einlässt, wenn man für eine so große Gemeinde wie Kümmersbruck als Bürgermeister kandidiert. Da sie selbst gerne unter Menschen ist, begleitet sie mich, soweit möglich, auch auf Veranstaltungen, vor allem im geselligen Bereich.

Von wem oder wodurch haben Sie in diesem Jahr am meisten gelernt?

Strehl: Eindeutig von den Mitarbeitern meiner Verwaltung! Die Themen, die man plötzlich zu bearbeiten hat, sind so vielfältig und auch rechtlich komplex, dass ein neuer Bürgermeister, auch wenn er wie ich aus einer kommunalen Verwaltung kommt, auf eine kompetente und loyale Mannschaft im Rathaus und im Bauhof angewiesen ist. Ich glaube, dass ich in den ersten Wochen der Amtszeit täglich mindestens zehn Mal meinen Verwaltungsleiter Wolfgang Roggenhofer belästigt habe, um Infos einzuholen.

Welche Ihrer neuen Pflichten fallen Ihnen denn schwer?

Strehl: Am schwersten fällt es mir, angesichts des Dauerwahlkampfmodus, in dem sich offensichtlich der politische Mitbewerber befindet, gelassen und freundlich zu bleiben. Ich merke, dass mir diese permanenten öffentlichen Attacken viel Kraft kosten und ich dafür das dicke Fell (noch) nicht habe.

Worüber haben Sie sich im ersten Amtsjahr besonders gefreut?

Strehl: Am erfreulichsten sind natürlich die Begegnungen mit den Menschen in der Gemeinde. Besonders intensiv erlebe ich das bei den Geburtstagsbesuchen: Da sind neben dem Jubilar noch eine Handvoll Gäste da, mit denen man auch mal etwas tiefer ins Gespräch kommen kann. Die bestätigen mir danach oft, dass sie mich jetzt erst richtig kennengelernt hätten.

Sie waren vorher Leiter des Forstamtes der Stadt Amberg und da vermutlich öfter mal in der freien Natur. Vermissen Sie das jetzt?

Strehl: Die Arbeit des Försters wird ja oft verklärt: von wegen mit dem Dackel durch die Wälder spazieren! Die Wahrheit ist: Als Leiter des Forstamtes war ich für die nachhaltige Bewirtschaftung des größten Vermögenswertes, den die Stadt ihr Eigentum nennen darf, verantwortlich. Dieses eigenverantwortliche Arbeiten hat mich auf das Amt des Bürgermeisters gut vorbereitet. Und die Natur genieße ich jetzt umso intensiver beim Laufen oder im Urlaub.
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