Schöne Leich, Grenzerer, Halleluja

Lokales
Kümmersbruck
16.11.2014
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Das "himmlische Navy" hat versagt, und so landen sie versehentlich in dem gottvergessenen Kaff "Brennsuppengrün", irgendwo bei Hof, da halt wo die B 15 beginnt, und schließlich durch ganz Bayern bis Rosenheim führt. Hubert Treml (49) und Franz Schuier (52) waren am Freitag in Kümmersbruck zu Gast.

Die skurrile, andere Geschichte vom Brandner "Kaschper", vom Boandlkramer und vom Bauern Josef Bissl, ein gut gefüllter Saal in der Mehrzweckhalle - was schon gut klingt -, wurde mit den Vollblutentertainern ein außergewöhnlicher Oberpfälzer Abend. Erzählt haben die Musikpoeten in heiteren und spitzfindigen Mundart-Songs was sich hinter dem zweideutigen Titel "Lebn is a Glücksach" verbirgt. Das Publikum lacht, singt und klatscht mit, Treml und Schuier, der Weidener und der Regensburger, haben nicht lange gebraucht.

Der Brandner "Kaschper" und der Boandlkramer - sie wollen so oft es geht auf die Erde zurück, diesmal ins Tegernseer Tal - und landen genau in der Hofeinfahrt beim Bauern Josef Bissl, der grad an seinem Bulldog rummurkst, denn Bissl will, jetzt im fortgeschrittenen Alter, noch bevor ihn der Boandlkramer holt, ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen: Er will die Walburga aus Brennsuppengrün, die es einst nach Rosenheim verschlagen hat, besuchen. Nicht ahnend, dass der unsichtbare Boandlkramer mit dabei ist auf der Fahrt, auf dem legendären "Kramer KL 130 Bulldog". Fünf Tage hat Bissl noch Zeit.

Daraus entwickeln Treml und Schuier ein Feuerwerk an brillanter Sanges- und Dichtkunst. Entlang der B 15 fahren sie, laut Treml "so etwas wie Route 66 in Amerika, jedenfalls ein Mythos", erzählen schräge Geschichten von Menschen und Orten. Das andere ist die Musik, die die Story bereichert. Vom Bulldog "Mein bester Freind") über die "Neistadler Straßn" in Weiden, bis hin zu "A schöne Leich" oder "Grenzerer" und "Halleluja", das sind alles Titel, die der Oberpfälzer Seele entspringen. Heiß es nun "Stodeltoartirl" oder Stodeltirldoa, wie der Tirschenreuther sagt? Darüber habe er sich wochenlang das Hirn zermartert, ließ Treml wissen, während sich das Publikum auf die Schenkel klopft, und den Begriff "Scheunentortürchen" seziert. Hinter dem wartet 's Annamirl auf den Hutzenbauerngirgl. "Woarsd du scho mal dou" in der tiefsten Oberpfalz, begann der Sprachkurs entlang der B 15, auf der der Bissl Sepp, der Brandner Kaschper und der Boandlkramer, mit dem Kramer KL 130 Richtung Rosenheim unterwegs sind. Oua (Ohr), Hoa (Haar), Joar (Jahr), Kou (Kuh) oder Mou (Mond) - der Obepfälzer hat eine außergewöhnliche Sprache, stellen alle im Auditorium fest. Schließlich wachsen auch die Zuschauer, "langsam zam bei 20 km/h", die merken dass sie mit ihrem Dialekt "höher an der Pop-Rock Musik dran sind als gedacht: face steht für Fuiss, Rainbow für Bou!Derweilen pressiert's dem Boandlkramer, viereinhalb ereignisreiche Tage auf der B 15 sind vorbei. Es eilt. Letztlich schafft er es nicht: Den Bissl Sepp holt er nicht mehr.

"Grundsätzlich soll das Publikum einen freudigen Abends vollbringen bei uns" - das "Lebn is a Glücksach", diesen doppelsinnigen Titel hätten sie gewählt, um die fiktive Geschichte um den Bissl Sepp aufzuzeigen: Das Leben ist wirklich auch Glücksache! Die Gefühlslage bei den Zuschauern ging von lustig bis nachdenklich, die ganze Bandbreite (Oberpfälzer) Sprachlebens wurde bedient. "Seid's begeistert?", fragte Treml schon eingangs nach vierjähriger Abstinenz in Kümmersbruck, "dass wir wieder da sind?" . Das Publikum war's - auch danach!
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