Schuldlos Schufa-Opfer

Eine Namensverwechslung hat Andreas Meier in finanzielle Turbulenzen gestürzt. Bild: Hartl
Lokales
Kümmersbruck
08.12.2014
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Man könnte sagen, Andreas Meier wurde Opfer seines Allerweltsnamens. Richtiger wäre: Die Schludrigkeit eines Amberger Gerichtsvollziehers, der Schufa und einer Bank treiben den Kümmersbrucker an den Rand des Ruins.

Der Monteur ist nicht auf Rosen gebettet. Der 35-Jährige hatte letzte Woche seinen Scheidungstermin, das gemeinsam gebaute Haus zahlt er jetzt alleine ab. Es könnte also besser laufen im Leben des Lichtmaschinen-Technikers. Ende Juli schon gab die EC-Karte kein Lebenszeichen mehr von sich. "Ich habe mich gewundert", erinnert sich Andreas Meier. Am nächsten Tag liegen drei Umschläge in seinem Briefkasten: "Die DiBa hatte alle meine Kredite gekündigt, den Dispo fürs Giro-Konto und den Rahmenkredit." Mit anderen Worten: "Ich war von einem auf den anderen Tag mittellos."

Natürlich ruft Meier sofort bei seiner Bank an, laut Firmenwerbung 24 Stunden erreichbar. Das ist zwar richtig, hilft freilich wenig, wenn die freundliche Dame am Telefon keinerlei Kompetenzen hat: "Es stellte sich heraus, dass auch sie online keinen Zugang mehr hatte. Sie gab mir den Tipp, bei der Schufa nachzufragen."

Verwechslung mit Neffen

Noch immer bekommt der Oberpfälzer keinen Cent am Geldautomaten. Und bei der Schufa einfach mal nachfragen, ist nicht so einfach. "Du bekommst dort telefonisch keine Auskunft. Ich musste fünf Tage auf die Online-Auskunft warten." Inzwischen laufen Rechnungen auf, die von der Bank zurückgewiesen werden. Allmählich dämmert es Meier, wie es zu dem ruinösen Versehen gekommen sein könnte: Ein Neffe namens Andreas Meier, geboren 1989, hat Geldsorgen und hatte schon mal vorübergehend beim Onkel seinen Wohnsitz gemeldet. Kann es sein, dass es sich um eine Verwechslung handelt? "Ich rufe ihn also an, und tatsächlich, er sagt mir, der Gerichtsvollzieher habe ihm geraten, einen Offenbarungseid zu leisten."

Zwischenzeitlich kommt die Auskunft der Schufa: Es gibt einen Eintrag, aber man hätte der Bank gemeldet, dass dieser nicht eindeutig zugewiesen werden könne, weil das Geburtsdatum fehle. Der Amberger Gerichtsvollzieher hat die Zahlungsunfähigkeit eines Andreas Meier, Kümmersbruck, an das gemeinsame Vollstreckungsportal der Länder in Hof unvollständig gemeldet. "Die haben das dann an die Bank weitergeleitet", versteht Meier nun die Verkettung der unglücklichen Umstände.

Am 8. August teilt die Schufa mit: "Die Vertragspartner der Schufa, die Informationen erhalten haben, wurden von uns über die Aktualisierung informiert ... wenn das Geburtsdatum fehlt, weisen wir darauf hin, dass die Identität dieser Person nicht eindeutig zu bestimmen war. Es ist dann Aufgabe des Vertragspartners, die Identität seines Kunden anhand der ihm vorliegenden Geschäftsakte zu prüfen." Meier geht zu einer Rechtsanwältin. Sie schreibt den Gerichtsvollzieher an und fordert ihn auf, das Missverständnis richtig zu stellen. Kostenpunkt des Schreibens: 730 Euro. Vier Tage später bestätigt dieser endlich, dass es sich bei der zahlungsunfähigen Person um den Neffen handelt.

Alles also wieder gut? Pustekuchen. "Ich dachte, die Sache sei jetzt geritzt und wollte einen neuen Handyvertrag mit Vodafone abschließen", sagt Meier. Er bekam eine Absage. "Zwei Wochen habe ich rumtelefoniert, ich soll mich an die Firma Bürgel wenden." Es stellt sich heraus: "Die negativen Einträge bei Bürgel-Wirtschaftsinformationen, Bisnode Deutschland Holding, Bank der Vereine, Delta Vista GmbH, Infoscore Consumer Data GmbH und Accumio Finanzservice GmbH bestanden weiter." Auch bei der Schufa wird er zunächst nicht gelöscht: "Ich war noch bis vorletzten Freitag gespeichert." Die Folge: Am Mittwoch hatte er einen Scorewert von 6, also unter aller Kanone, am Freitag einen von 1,2, quasi reine Weste.

Kosten, Nerven, Streit

"Es geht nicht nur darum, dass mich der ganze Spaß über 1000 Euro gekostet hat, sondern auch um den immensen Zeitaufwand", ärgert sich Meier. Mitte November versucht er noch einmal, mit der Bank zu telefonieren. Die freundliche Dame teilt mit, er würde schriftlich benachrichtigt. Im Brief lehnt die Diba dann jede Verantwortung ab: "Wie wir bereits Ihrem Anwalt mitgeteilt haben, war für uns nicht zu erkennen, dass sich die Meldung auf eine andere Person mit gleichem Vor- und Zunamen bezieht." Eine Rückerstattung der unverschuldet aufgelaufenen Gebühren lehnt sie ab: "Grundsätzlich erfolgten die Kündigungen nach den allgemeinen Geschäftsbeziehungen. Einen Fehler unsererseits können wir nicht erkennen. Die Klärung mit der Schufa muss von Ihnen selbst erfolgen." So schiebt einer die Schuld auf den anderen: "Der Gerichtsvollzieher sagt, er sei nicht zur Angabe eines Geburtsdatums verpflichtet. Die Schufa verweist auf ihre Mitteilung, sie habe die Bank gewarnt. Und die Bank fühlt sich nicht verantwortlich, die Angaben zu prüfen."

Einziger Lichtblick: "Wer mir wirklich geholfen hat, war Frau Schellenberger im Büro des Obergerichtsvollziehers." Sie habe in Hof durchgesetzt, den Fall zu löschen und mit der richtigen Person neu zu eröffnen. Was bleibt: Wer Opfer eines Systemfehlers wird, muss auf einen Schutzengel im System hoffen.
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