Wer hat's erfunden?

Links das Rathaus, rechts das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt, dazwischen rund 10 000 Quadratmeter Grund, auf denen altersgerechtes Wohnen entstehen soll. Die Stadtplanerin Martina Dietrich sagt, besser geht es kaum, und der Gemeinderat beißt sich erst einmal parteipolitisch fest. Bild: Hartl
Lokales
Kümmersbruck
22.07.2015
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Sie wollen neue Wege beschreiten und reißen alte Gräben auf. Bis zur Verwirklichung des Projekts altersgerechtes Wohnen wird der Kümmersbrucker Gemeinderat erst einmal zur Barrierefreiheit in der Diskussion finden müssen.

(zm) Die Referentin schien angesichts des angeschlagenen Tons förmlich überrumpelt, obwohl die frühere Amberger Baureferentin und heutige Inhaberin des Planungsbüros Stadt und Raum, Martina Dietrich, sicherlich einiges gewohnt ist. Die SPD-Fraktion sah sich provoziert und schnell war sogar die Rede davon, sich hier nicht über den Tisch ziehen lassen zu wollen.

Dietrich hatte auf Einladung von Bürgermeister Roland Strehl (CSU) - auf den diese Vorwürfe gemünzt waren - stadtplanerische Überlegungen angestellt, wie altersgerechtes Wohnen in der Gemeinde gestaltet und umgesetzt werden kann. Ihre Analyse, die sie in einer Sondersitzung des Gemeinderates am Dienstag präsentierte, beschreibt eigentlich gute Voraussetzungen: Der Bedarf besteht, die Kommune ist Eigentümer eines passenden Grundstücks, und mit dem Verfahren eines wettbewerblichen Investoren-Dialogs stehe ein geeignetes Instrumentarium zur Verfügung, so ein Projekt im Sinne des Gemeinderates umzusetzen.

Nicht als Kommune

Strehl hatte vorausgeschickt, Wohnen im Alter durchaus als eine vordringliche Aufgabe der Kommunalpolitik zu sehen. Persönlich sei er jedoch der Auffassung, dass "es nicht Aufgabe der Gemeinde ist, selbst als Investor aktiv zu werden". Zumal Kümmersbruck nicht die nötigen finanziellen Spielräume habe ("Da ist nichts in der Schublade"). Deshalb sei es sein "Traum", einen Investor zu finden und mit ihm gemeinsam so ein Projekt zu entwickeln.

Ausverkauf verhindern

Das bezweifelt die SPD-Fraktion grundsätzlich. Private wollten vordringlich Geld verdienen, sprach Fraktionsvorsitzender Manfred Moser noch von einem "anderen Ansatz als Privatinvestoren". Josef Flierl möchte unter keinen Umständen "die Filet-Grundstücke", um die die SPD zehn Jahre gerungen habe, aus der Hand geben. Er favorisiert ein Träger- und Betreibermodell, bei dem die Kommune mit 51 Prozent der Anteile das Sagen haben muss. Hätte die CSU, so einer seiner Vorwürfe, nicht die Hallenbad-Sanierung um ein Becken aufgestockt, dann stünde eine Million Euro zur Verfügung, um sich in dieses Projekt einzubringen. Flierl schwebt beispielsweise als ein möglicher Partner das Kommunalunternehmen Stadtbau Amberg vor. Alles Getöse eines verlorenen Wahlkampfes, konterte die CSU über ihren Fraktionsvorsitzenden Markus Graf. Es gehe keineswegs um den Ausverkauf von Gemeindevermögen an einen potenziellen Heuschrecken-Investor. Vordringlich sei, dem Projekt deutlichere inhaltliche Konturen zu geben. Die Entscheidung, ob und welcher Investor dann mit ins Boot geholt werde, stehe erst für später an.
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