Kritik an Anfrage aus dem Kümmersbrucker Rathaus an Geschäfte
Rabatt „keinesfalls anrüchig“

Wir haben da keinen Fehler gemacht.
Politik
Kümmersbruck
10.05.2016
1075
0

Bürgermeister Roland Strehl hat auf Anregung des Personalrats im Kümmersbrucker Rathaus bei Geschäften angefragt, ob die Beschäftigten der Gemeinde Prozente bekommen könnten, wenn sie dort einkaufen. Ein anonymes Schreiben stellt das in ein schlechtes Licht.

Der Brief, der vor einigen Wochen schon ans Landratsamt ging und jetzt auch an die AZ, deutet an, so etwas käme einer Erpressung gleich, und fragt, ob Geschäfte, die Nein sagen, bei Anliegen oder Anträgen diskriminiert würden.

Strehl und die fünf Mitglieder des Personalrats schütteln im Gespräch mit der AZ den Kopf über eine solche Reaktion. "Natürlich wird keiner benachteiligt", sagt Strehl. Es sei jedem freigestellt, da mitzumachen oder auch nicht.

Vielerorts üblich


Man habe das ja gerade als Aktion zugunsten der örtlichen Händler gestartet, ergänzt Personalratsvorsitzender Norbert Brenner. Als das Gremium im Februar die Bitte an den Bürgermeister herangetragen habe, die Geschäfte anzuschreiben, habe man gewusst, dass in vielen Läden Vergünstigungen für Mitarbeiter von Firmen und Verwaltungen üblich seien. Die Amberger Stadtverwaltung, das Landratsamt, das Klinikum St. Marien, Siemens oder die ArGe zählen Strehl und die Personalräte hier etwa auf. Ähnlich liege der Fall bei Mitgliedern im Siedlerbund, die bei OBI Rabatte bekämen.

Den Werbeeffekt, den die teilnehmenden Geschäfte sich offensichtlich davon versprechen, den habe man ebenfalls gesehen, sagt Norbert Brenner: "Für uns ist das auch ein Mittel, um im Zeitalter des Internets das Geld in der Region zu halten." In der Amberger Innenstadt zum Beispiel könne man gut feststellen, wie sehr der boomende Online-Handel (mit zum Teil hohen Rabatten) die stationären Läden auszehre oder gar zur Aufgabe zwinge.

23 reagieren positiv


Strehl schrieb am 2. März rund 50 Geschäfte in der Region an. Etliche, von denen man wusste, dass sie bereits entsprechende Vereinbarungen mit Kommunen oder Betrieben haben; dazu weitere in Kümmersbruck. 26 meldeten sich laut Strehl zurück, 23 davon boten Vergünstigungen oder Rabatte an. Aus ihren Reaktionen schloss er: "Das ist nichts Ungewöhnliches im Geschäftsgebaren."

Strehl will aber nicht verhehlen, dass ein Geschäftsinhaber Kritik übte. Dem habe er den Hintergrund der Aktion erläutert. Also: Dass man für die 90 Gemeindeangestellten ähnliche Konditionen habe erreichen wollen, wie sie für größere Verwaltungen oder Firmen seit langem existieren; dass es niemals die Absicht gewesen sei, jemanden zu erpressen oder unter Druck zu setzen; dass über die Liste der teilnehmenden Firmen auch ein Werbeeffekt entstehe. Diese Zusammenstellung liegt den Beschäftigten seit Mitte April vor und kann bei Einkäufen zurate gezogen werden. Wer beim Bäcker Semmeln will, werde sicher nicht seinen Mitarbeiterausweis der Gemeinde zücken, sagt Norbert Brenner, aber beim Kauf eines Fernsehers könne man da durchaus etwas sparen.

Wenn Roland Strehl die positiven Rückmeldungen betrachtet, ist er sich sicher: "Wir haben da keinen Fehler gemacht." Jedenfalls nicht inhaltlich. Formal würde er aber bei einer solchen Anfrage heute nicht mehr als Bürgermeister in Aktion treten, sondern alles über den Personalrat laufen lassen. Das Ganze sei jedoch "keinesfalls anrüchig oder gar rechtswidrig".

Die Kritik in dem anonymen Brief werde man dennoch zum Anlass nehmen, bei vergleichbaren Verwaltungen nachzufragen, wie das bei ihnen gehandhabt werde. Auf keinen Fall wolle man Unfrieden in der Gemeinde stiften, sagt Norbert Brenner. "Sollte das weitere Kreise ziehen, dann nehmen wir das zurück. Es ging ja auch vom Personalrat aus."
Wir haben da keinen Fehler gemacht.Bürgermeister Roland Strehl


Wie es woanders läuftBeim Landratsamt funktioniert der Rabatt für Mitarbeiter laut Sprecherin Christine Hollederer so, dass Geschäfte dem Personalrat Rabattaktionen mitteilen, die dann per Intranet bekanntgegeben werden. Dauerhaft Prozente gebe es derzeit nur bei einem Laden, zumeist handle es sich um befristete Angebote "im Bereich der ganz normalen Rabatte". Aber auch die seien "eher selten".

Nach Ansicht von Johann Schmalzl von der IHK in Amberg versprechen sich Geschäfte, die dauerhafte Nachlässe gewähren, davon eine stärkere Kundenbindung, durch die man letztlich die Kaufkraft vor Ort halte. Nach den Erfahrungen der IHK gehe die Initiative für solche Rabattaktionen in der Regel von den Geschäften aus. Wo eine Verwaltung zuerst tätig werde, geschehe das für gewöhnlich über den Personalrat.

Man kann laut Schmalzl grundsätzlich hinterfragen, ob ein Arbeitsplatz in einer Verwaltung mit der Möglichkeit eines Rabatts verbunden sein sollte, da über eine veränderte Preiskalkulation die gesamte Kundschaft die Kosten dafür trage.

Auf der anderen Seite hätten Vergünstigungen für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Deutschland durchaus Tradition. "Es sollte aber unbedingt der Eindruck vermieden werden, dass jemand, der Rabatt gewährt, dann eine Sonderbehandlung erwarten darf." (ll)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.