Senioren-Wohnen ist Thema im Gemeinderat
Wunsch: Zu Hause alt werden

Claus Sperr. Bild: e
Politik
Kümmersbruck
07.05.2016
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Wie wollen Sie im Alter wohnen? Allen Kümmersbruckern über 50 Jahren - das sind rund 4300 Bürger - hatte die Gemeinde Anfang des Jahres Fragen wie diese gestellt. Das Ergebnis, Bedarfsanalyse genannt, war jetzt Thema im Gemeinderat

Viele haben geantwortet


Viele Kümmersbrucker haben sich Gedanken gemacht, wie sie in Zukunft leben wollen. Stadtplaner Diplom-Geograph Claus Sperr vom Planwerk berichtete dem Gemeinderat von einem durchschlagenden Erfolg bei der Beteiligung: 36 Prozent der Fragebögen seien beantwortet zurückgesandt worden - "das ist für solche Umfragen ein hoher Wert".

Ein erster Mosaikstein


"Noch lange beschäftigen wird uns das Thema", war sich Bürgermeister Roland Strehl bewusst. Die Anforderungen an ein altersgerechtes Wohnumfeld, die Strukturanalyse Bevölkerung und Wohnungsmarkt, die Bevölkerungsprognose und der Bedarf an Seniorenwohnungen in Kümmersbruck waren die Kernpunkte der Befragung.

Strehl bezeichnete diese Aktion "als ersten Mosaikstein zum Seniorenwohnen in Kümmersbruck". Wie Sperr in Wort und Bild vortrug, stagniert in Kümmersbruck die Einwohnerzahl. Dennoch hätten sich die Zahl der Wohnungen um 60 Prozent und die der Wohnfläche stärker entwickelt. Die Auswertung ergab, dass es in Kümmersbruck relativ viele kleine Haushalte, aber große Wohnungen gibt. 20 Prozent seien Seniorenhaushalte, die viel Platz zur Verfügung haben.

Zahl der Senioren steigt


Die Bevölkerungsprognose zeigt für die nächsten 20 Jahre eine rückläufige Tendenz - mit einem Minus von 5,5 Prozent im Landkreis zwischen 2014 und 2034. Der natürlichen Bevölkerungsbewegung, weg aus Amberg-Sulzbach (minus 10,6 Prozent), stehe ein positives Wanderungssaldo (plus 5,1 Prozent) gegenüber. Für Kümmersbruck geht Sperr bis 2030 von einer Abnahme der Einwohnerzahl von rund 9800 auf etwa 9400 aus. Bei den Senioren dagegen sei von einer Steigerung auszugehen: 2030 werden 31 Prozent (rund 2900) der Kümmersbrucker 65 Jahre oder älter sein.

Nach Auswertung des Fragebogen-Rücklaufs lässt sich sagen, dass drei Viertel der Kümmersbrucker über 50 Jahren in Ein- oder Zwei-Personenhaushalten leben. 72 Prozent stehen mehr als 100 Quadratmeter zur Verfügung, 82 Prozent der über 49-Jährigen leben in Wohnungen, die ihnen auch gehören.

Noch kein Thema


Weitere Erkenntnis: Mindestens 80 Prozent der "Ü 50"-Wohnungen (1151) sind nicht barrierefrei. 288 sind seniorengerecht, 323 der Befragten würden umbauen, wenn es nötig wäre. Noch gar nicht darüber nachgedacht wurde in 311 Haushalten.

Erkenntnisse aus der Senioren-BefragungVon den Kümmersbruckern, die ihren Fragebogen zum Wohnen im Alter ausgefüllt und zurückgeschickt haben, haben sich 28 Prozent noch keine Gedanken über dieses Thema gemacht, 30 Prozent zumindest schon etwas. 42 Prozent haben sich bereits damit beschäftigt.

Die Hälfte der Generation 50 plus kann sich einen Umzug in den nächsten Jahren durchaus vorstellen - wenn die aktuell genutzte Immobilie zu groß und nicht barrierefrei ist. Interesse an verschiedenen Formen seniorengerechten Wohnens ist vorhanden, so die Erkenntnis von Stadtplaner Claus Sperr.

Was die gewünschte Wohnform betrifft, da möchten 834 die aktuelle am liebsten beibehalten, 475 ziehen betreutes oder Service-Wohnen vor. In eine andere, seniorengerechte Wohnung würden 407 Betroffene einziehen.

Ein gemischtes Wohnprojekt, ein Mehrgenerationenhaus zum Beispiel, sehen 360 als Möglichkeit. Pflegeheim (68 Personen) oder Wohnstift/Seniorenresidenz (108) stehen dagegen hinten an.

95 Prozent der Befragten haben eine hohe Bindung an Kümmersbruck, sie wollen auch im Alter hier bleiben. Großes Interesse bestehe am Generationenwohnen, bilanziert Claus Sperr: Je ausgereifter das Projekt sei und spruchreif werde, umso deutlicher werde sich auch dieses Interesse konkretisieren, ist er sich sicher.

Kurz- bis mittelfristig schätzt er den Bedarf an seniorengerechten Wohnungen auf 100 Stück. Auch neue Varianten wie gemeinschaftliches Wohnen sollten unterstützt oder initiiert werden, empfahl der Experte.

Zum Projekt Seniorenwohnen speziell befragt, sagen 695 Personen, das wäre bei einem sinnvollen Projekt von Interesse. 425 halten es für eine gute Idee, die für sie aber nicht in Betracht komme. 185 würden Wohneigentum erwerben, um es selbst zu nutzen, 190 hätten Interesse an einer Mietwohnung. (e)
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Heikki Heer aus Alteglofsheim | 08.05.2016 | 22:23  
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