Am Startblock der Geschichte

Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch (im gestreiften T-Shirt) präsentierte Vertretern der Gemeinde, der Grundstücksbesitzer und der Kreisheimatpflege erste Ergebnisse der archäologischen Arbeit - darunter zwei große, rechteckige Gruben: Überreste zweier Schmiede-Essen.
Vermischtes
Kümmersbruck
27.08.2015
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Dass hier Interessantes im Boden stecken könnte, hatte die Gemeinde bei der Planung des neuen Baugebiets am Bachweg schon geahnt. "Dass es etwas ganz Besonderes ist", merkte Bürgermeister Roland Strehl allerdings erst, als Grabungen in dem Gelände überregional für Schlagzeilen sorgten.

Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch sprach gestern von einem Volltreffer: "Wir stehen hier quasi am Startblock der Wirtschaftsgeschichte des Montanwesens der Region", betonte er bei einem Ortstermin, bei dem der Archäologe Bürgermeister Roland Strehl, Kreisheimatpfleger Dieter Dörner und einigen seiner Kollegen Einblicke in seine Untersuchungen gab.

Neue Erkenntnis-Quellen


Das große Interesse daran quittierte er mit einem Kompliment: "Ich merke immer, das Bedürfnis, über die eigene Geschickte etwas zu erfahren, ist bei den Oberpfälzern ganz enorm." Eine Besonderheit der Kümmersbrucker Funde ist es laut Hensch, dass sie vom Land stammen, wo solche Zeugnisse der Vergangenheit - in diesem Fall aus der Karolingerzeit - eher selten seien. "Hier geht es um eine Zeit, über die wir kaum etwas wissen - vor allem im ländlichen Bereich." Damit erschließe die Archäologie hier neue Quellen: Schriftlich sei dazu nämlich praktisch nichts überliefert.

Keramikstücke, zwei Schlüssel, Pfeilspitzen, Schlackebrocken, Fragmente eines Waagbalkens und von Düsenziegeln, in denen einst Blasebälge steckten, sowie Überreste von Pfostenhäusern und zweier Schmiede-Essen zur Weiterverarbeitung von Eisen. Was Hensch und seine Kollegen bislang zutage gefördert haben, zeigt den Fachleuten ganz klar: Hier waren im achten Jahrhundert Experten in Sachen Eisenverarbeitung am Werk, die mit besonderem Wissen und großen handwerklichen Fähigkeiten im Auftrag der damaligen Herrschaftsträger ganz spezielle Produkte hergestellt haben. Aufgrund der Größe der freigelegten Essen vermutet der Fachmann unter anderem Waffenproduktion, zum Beispiel von Schwertklingen und Lanzenspitzen.

Auf Spuren der Karolinger


Dass das Grabungsteam hier auf den Spuren der Karolinger wandelt, sei anhand der freigelegten Keramikstücke eindeutig zu datieren, sagte Hensch. Gezeigt habe sich auch, dass das Gelände damals "extrem dicht bebaut" gewesen sei - mit kleineren, aber auch großen Pfostenhäusern, "die über eine längere Zeit hier gestanden haben müssen".

Bemerkenswert seien die beiden Schlüssel, die das Team entdeckt hat: Zur damaligen Zeit solch filigrane Stücke herzustellen, oder Pfeileisen, die dann auch tatsächlich gut fliegen, zeuge von großer Kunstfertigkeit. Ein weiterer Beleg dafür sind die Stücke von Siderit, auf die die Forscher gestoßen sind: Dieses Erz sei schwer zu verarbeiten - dazu seien nur "kundige Leute" in der Lage gewesen.
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