Die Wiege der Maxhütte

Akribische Arbeit der Archäologen in Kümmersbruck. Auf zwei Baugrundstücken am Bachweg wurden die Experten fündig, entdeckten die bislang in der Erde verborgen gebliebenen Überreste aus der Zeit des frühen Mittelalters. Rennöfen und Schmiedeplätze sowie Fragmente eines Sax-Schwerts (ein einschneidiges Hiebschwert) beweisen, dass dort einst Eisen verarbeitet worden war.
Vermischtes
Kümmersbruck
02.10.2015
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Archäologen sprechen ungern von Sensationen. Sagt zumindest Dr. Mathias Hensch. Und der muss es wissen. Schließlich ist er selbst einer. Und er tut es trotzdem. Aus gutem Grund. Denn die Funde von Kümmersbruck lassen viele Rückschlüsse zu.

Zwei Bauparzellen am Bachweg, jeweils 1000 Quadratmeter groß. Auf einem sind vereinzelt Steine zu sehen und Zettelchen, die zur Markierung in den Boden gepinnt sind. Alles ziemlich unscheinbar - zumindest aus Laiensicht. Doch das, was die Erde bislang verborgen hat, ist durchaus eine Sensation. Darin sind sich Hensch und Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Referatsleiterin beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, einig: Die Funde sind bedeutend. Und sie beweisen, dass in der Region Eisenverhüttung und -verarbeitung betrieben wurde. Bislang vermutete man es nur, am Bachweg fanden sich jetzt die Belege dafür.

Schlüssel und drei Skelette


Voller Begeisterung erzählen die beiden Experten von den Grabungen und den Funden: Schlackebrocken und Keramikscherben, aber auch Rennöfen, filigrane Schlüssel, ja sogar drei Skelette. Codreanu-Windauer führt aus, dass vor rund dreieinhalb Jahren aus denkmalschutzrechtlicher Sicht eine Bebauung des Areals abgelehnt worden sei - eben weil man dort archäologisch Interessantes vermutete. Eine Sondage war dann ein Kompromiss. Relativ schnell ergab diese Maßnahme Hinweise darauf, dass tatsächlich etwas in der Erde war. "Man weiß nur, dass was kommt, aber nicht, was kommt", sagt Codreanu-Windauer.

Aufgefundene Schlackenreste wurden mit der C14-Methode untersucht. Das Ergebnis lieferte den Beweis: An den Bachwiesen finden sich Spuren von Eisengewinnung und -verarbeitung im frühen Mittelalter. Für die Experten sind dies wichtige Hinweise, gilt doch die Region als Ruhrgebiet der damaligen Zeit. Frühere Quellen reichten nur bis ins 13. Jahrhundert zurück, die jetzt ausgegrabenen Funde belegen das 8. Jahrhundert. Der hiesige Raum sei gerade ab der Karolingerzeit eine "politisch unheimlich wichtige Region gewesen". Codreanu-Windauer schlussfolgert daraus, dass es eine bedeutende wirtschaftliche Grundlage geben müsse, auf der diese Macht basierte. "Das konnte hier in dieser Region nicht die Landwirtschaft gewesen sein", macht sie deutlich. Vielmehr wurde schon immer vermutet, dass es Eisen gewesen sein müsse.

Bogen in heutige Zeit


"Hier hat also das begonnen, was vor wenigen Jahren zu Ende ging", sagt die bekannte Mittelalter-Archäologin und spielt damit auf das Ende der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg an. "Das hier hat auch mit der Identifikation der Region zu tun", erläutert sie und spricht von einer "überregionalen Bedeutung", die diese Funde haben. "Bei der Montanindustrie tappt man hinsichtlich ihrer Frühgeschichte absolut im Dunkeln", ergänzt Dr. Mathias Hensch. Die ersten schriftlichen Dokumente, zum Beispiel die Hammereinung, kommen erst viel später, nämlich im 14. Jahrhundert.

Bereits im vergangenen Jahr gruben die Experten in Kümmersbruck, damals beim Rewe-Markt - und wurden fündig: mehrere Rennöfen, die sich auf das 7. Jahrhundert (Merowingerzeit) datieren ließen und bewiesen, dass Eisen verhüttet wurde. "Wer dies tat, der verarbeitete es auch weiter zu Produkten", so Hensch. Den Beweis, dass dies geschah, haben die Archäologen jetzt. Auf den Bauparzellen am Bachweg wurde in einem großen Ausmaß Eisen verarbeitet. Die Zahl der Schmiedeplätze, die sich einst hier befanden, schätzt Hensch auf 20. Eine solch spezialisierte Handwerker-Siedlung sei im deutschsprachigen Raum eher singulär. "Wir kennen das sonst nur zum Beispiel aus Lothringen." Gearbeitet wurde im Auftrag des Königs oder des Grafen.

Eine dichte Bebauung


Es fällt schwer, sich als Laie vorzustellen, wie es vor Jahrhunderten dort aussah. Man muss einiges an Fantasie aufbringen, um Henschs Schilderungen erahnen zu können: eine dichte Bebauung mit Holzgebäuden, ebenso eine hohe Dichte an Öfen und Schmiedeplätzen.
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