Eine syrische Flüchtlings-Geschichte von Flucht und Integration
Daheim und sicher im fremden Land

Die Familie ist glücklich in Sicherheit. (Foto: Madsen)
Vermischtes
Kümmersbruck
09.11.2016
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(Manuela Madsen) Mohammed Mazen Bakaya und seine Frau Noura Alshab haben - wie so viele andere Syrer auch - die Flucht aus ihrem Heimatland nach Deutschland gewagt und sind seit September 2015 bei uns hier im Lande wohnhaft. Ihre Geschichte ist nur eine wie die vieler anderer Flüchtlinge auch. Dennoch ist sie es wert, erzählt zu werden.

Mazen Bakaya startet seine Ausreise aus Syrien am 26. Mai 2015. Er macht sich zunächst alleine auf den Weg, denn der Krieg in seiner Heimatstadt Aleppo gefährdet ihn als Mann zunehmend - er steht eben nicht auf Seiten der IS. Sein Haus vollständig zerstört und persönlich verfolgt flieht er schließlich aus dieser Stadt.

Am 30. Juli 2015 startet auch seine Frau Noura mit den drei Kindern Wesam (damals 4 Jahre alt), Hala (zu dem Zeitpunkt 3 Jahre alt und der kleinen Rand (gerade einmal 3 Monate). Ihre Verstecke in der Stadt Aleppo und bei Verwandten können ihnen nicht mehr genug Sicherheit geben.

Ihre Reise führt die Familie zunächst einmal nur bis an die türkische Grenze. Jedoch wird bereits die erste Nacht dort mit ständigen Angriffen und Schießereien für sie unerträglich. Die Flucht muss schließlich weitergehen – meist zu Fuß oder mit dem Zug.

Als sie endlich in Deutschland ankommen, ist der Weg der Familie noch immer nicht zu Ende: Vater, Mutter und die Kinder treffen sich erst Anfang September letzten Jahres in München am Hauptbahnhof wieder. Schließlich wird ihnen die erste Notunterkunft in Regensburg zugeteilt.

Eine Bleibe für längere Zeit, die sie aber zusammen beziehen können, findet sich in Kümmersbruck in einer Gemeinschaftsunterkunft. Dort wurde die Familie am 23. September 2015 zum ersten Mal nach vier Monaten wieder sesshaft. Auch Noura´s Bruder schaffte es dort hin – ebenso wie auch der Bruder von Mazen Bakaya. Die Kinder Wesam und Hala besuchen seit dem 1. Oktober 2015 bereits den Kindergarten St. Antonius in Kümmersbruck und fühlen sich dort sichtlich wohl.

Ein langer Behördenweg liegt nun erst einmal vor der Familie Bakaya, den sie schließlich mit Hilfe einiger freiwilliger Helfer in Kümmersbruck meistert. Die ungleichen Einreisedaten des Vaters und der Mutter mit den Kindern erschweren die Sachlage, obwohl sie verheiratet und eine Familie sind.
Im Februar 2016 erfolgt dann die offizielle Anerkennung von Mohammed Mazen Bakaya, einen Monat später aber auch die von Noura Bakaya und der Kinder. Und dies bedeutet die Suche nach einer eigenen Wohnungs. Nach zwei Monaten mit vielen Absagen ist klar: So einfach wird es nicht, mit Kindern als Flüchtlingsfamilie eine Wohnung zu finden. Schließlich soll die Familie in Kümmersbruck nicht wieder entwurzelt werden.

Weiter aufs Land ziehen - ohne Auto und regelmäßige Busverbindungen fast nicht möglich. Außerdem sind die Kinder zwischenzeitlich fest integriert im geliebten Kindergarten, haben bereits einige Freunde und Freundinnen dort – und sind auch in der Nachbarschaft beliebt.

Schließlich startet die Autorin selbst - zusammen mit ihrer Oma, die ein Wohnhaus in Kümmersbruck besitzt - die Renovierung und den Ausbau der dortigen Dachgeschosswohnung. Diese soll ab 1. Mai dann offiziell angemietet werden. Und so klappt das mit der eigenen Wohnung für die Familie Bakaya dann schließlich auch...

Inzwischen lebt die Familie fest hier und wünscht sich nur noch eines – eine Arbeitsstelle für den Vater, der noch auf den Platz in einem Integrationskurs warten muss. Zuerst muss nämlich Deutsch gelernt werden, das hat sich die Familie fest vorgenommen. Und es läuft sehr gut. Die Kinder verstehen zwischenzeitlich fast alles, sprechen deutliches Deutsch, spielen mit den Nachbarskindern. Ihnen merkt man auf den ersten Blick sicher nichts mehr an von all den Strapazen, die der Krieg mit sich brachte.

Für Mazen und seine Frau sind jetzt viele Abende mit Privatunterricht in deutscher Sprache durch ehrenamtliche Helferinnen der neue Alltag. Auch wenn die Angst manchmal noch durchkommt. So zum Beispiel bei der ersten deutlich hörbaren Schießübung auf dem nahen Truppenübungsplatz, die für Unsicherheit sorgte. Vor dem Pfingstdult-Feuerwerk hatten die Helfer sie jedenfalls vorgewarnt.

Ein erstes Praktikum konnte Mazen zwischenzeitlich auch schon bei der Firma Instant Solutions in Amberg machen. Für ihn als Mathematiker und Informatiker sollte eine Anstellung später eigentlich kein Problem sein. Er freut sich jedenfalls darauf. In Deutschland zu bleiben, seiner Familie Sicherheit und den Kindern eine Zukunft zu geben, das war seine große Hoffnung, die ihn bei der Flucht antrieb.

Er sagt im Interview zu diesem Artikel „Wir lieben das deutsche Volk mit Essen und Trinken, Kleidung und Liebe. Haben uns gelehrt alles, was noch schön ist“. Hierfür dankt er allen ganz herzlich.

Ein für die Familie besonders schönes Erlebnis war im Sommer der erste Besuch außerhalb Ambergs – es ging in die Stadt Nürnberg und zum dortigen Zoo. Wir werden die Geschichte der Bakayas weiterhin mit großem Interesse verfolgen.
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