Experten tagen in Kümmersbruck
Ziel: Artenreiche, saubere Vils

An den runden Tischen im Sitzungssaal des Kümmersbrucker Rathauses machten sich Experten Gedanken, wie man in der Region die neue EU-Wasserrahmenrichtlinie umsetzen soll. Bilder: e (2)
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Kümmersbruck
26.08.2016
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Dr. Hans Weiß (links) und Peter Fröhlich vertraten das Wasserwirtschaftsamt Weiden in Kümmersbruck.

Dieser Runde Tisch war wirklich einer: Im Kümmersbrucker Rathaus nahmen an ihm Vertreter von Einrichtungen Platz, die mit dem Wasserschutz zu tun haben. Sie beratschlagten die Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie.

Kümmrsbruck. (e) Vertretern waren die Kreisverwaltungs- und die Naturschutzbehörde, Fachberater für Fischerei, Staatliches Bauamt, Vils-Gemeinden und Naturschutzverbände, weitere Verbände (Jagd, Vilsallianz, Bauernverband) und Vereine. Sie trafen sich im er Rathaus zu einem vom Wasserwirtschaftsamt Weiden (WWA) einberufenen Runden Tisch. Es galt, ein geplantes Langzeit-Gewässerschutzkonzept zu diskutieren - für die Vils, von der Lauterach- bis zur Rosenbach-Mündung bei Altmannshof.

Im Kern ging es darum, die von der EU erlassene Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), in Deutschland im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verankert, umzusetzen. Ziel ist es, die Gewässer in einen guten Zustand zu bringen. Dies Vorschrift gilt laut Chemieoberrat Dr. Hans Weiß und Baurat Peter Fröhlich vom WWA Weiden für das Grundwasser, die Seen und Fließgewässer. Betrachtet werden dabei alle Flüsse und Bäche bis zu einem Einzugsgebiet von etwa zehn Kilometer. Kleinste Bäche oder Gräben fallen also nicht direkt darunter. Die geplanten Maßnahmen sollen in drei sechsjährigen Zyklen von 2010 bis 2027 umgesetzt werden: "Wünschen wir also uns und unseren Kindern für das Zieljahr 2027 eine saubere, intakte und artenreiche Vils als Lebensader unserer Landschaft", war das Credo von Peter Fröhlich.

Begleitet werden die Projekte durch wiederkehrende Kontrollmessungen und Kartierungsarbeiten an gewässertypischen Stellen. Da man aber die Donau beispielsweise nicht mit der Lauterach vergleichen kann, gibt es eine Einteilung in sogenannte Wasserkörper. Um die staatlichen Mittel gezielt einzusetzen, werden im Wasserbau alle Maßnahmen, die für die ökologische Verbesserung notwendig sind, in einem Konzept zusammengefasst und diskutiert.

Der einberufene Runde Tisch in Kümmersbruck hat diese Debatte jetzt eröffnet. Die Endfassung wird schließlich durch die Regierung der Oberpfalz geprüft.

Zustand unbefriedigend, Fisch-Fauna "gut"Die rund 86 Kilometer lange Vils wurde für das Konzept in vier Abschnitte eingeteilt.

In Kümmersbruck ging es speziell um den Bereich von der Mündung der Lauterach in Schmidmühlen bis zu der des Rosenbachs in Altmannshof (33,1 km), der in der Zuständigkeit des Freistaates liegt. Laut Gutachten ist der ökologische Zustand derzeit unbefriedigend, die Fisch-Fauna aber dennoch mit gut bewertet.

Die wichtigsten Faktoren, die den Gewässer-Zustand beeinflussen, nannte Peter Fröhlich vom Wasserwirtschaftsamt Weiden: Punktquellen wie Abwassereinleitungen, allgemeine Nährstoffbelastung, weitestgehend durch Landwirtschaft verursacht und Gewässerstruktur.

In dem in Kümmersbruck diskutierten Konzept wurden bauliche Maßnahmen in dem Vilsabschnitt dargestellt. Dazu gehören im Detail UferUmgestaltungen unterhalb von Theuern, strukturverbessernde Maßnahmen (Totholz-Einbau, Störsteine, Sporne) bei Vilswörth und Neumühle sowie die Anbindung beziehungsweise Schaffung von Nebengewässern bei Wolfsbach oder Schmidmühlen.

Dazu kommen Gehölzpflege und Neupflanzung am ganzen Unterlauf, die Anlage von Kiesbänken, die Aktivierung von Quellen und - zum Teil durch die Wasserkraftanlagenbetreiber - die Schaffung von Durchgängigkeit an den Wehren. Grunderwerb auf freiwilliger Basis oder Grundstückstausch, um Uferstreifen zu erhalten (besonders oberhalb von Amberg, in der begradigten Strecke), Vernetzung mit Nebengewässern und Altwässern seien fast noch wichtiger, betonte Fröhlich.

Der ökologische Ausbau durch Wiederherstellung des alten Mäanders bei Rieden, eine Durchgängigkeit an den letzten beiden unüberwindbaren Wehranlagen in Vilswörth und Leidersdorf, die abschnittsweise Umgestaltung der begradigten Ufer zwischen Haselmühl und Lengenfeld oder oberhalb von Neumühle sowie die Ergänzung der Ufer-Bepflanzung stehen auch auf der Agenda.

Für die betroffenen Wasserkraftbetreiber (zehn Anlagen zwischen dem Drahthammer Amberg und Harschhof) will das WWA ein gesondertes Gespräch anbieten. Für die Anrainer der Oberen Vils ist ein Runder Tisch in Hahnbach geplant.

In Kümmersbruck konnten auch die Vereinsvertreter ihre Anregungen vorbringen. Dabei ging es unter anderem um die Fischaufstiege, um den chemischen Zustand der Vils, die Berücksichtigung von Einstiegen für Kanusportler und um Möglichkeiten für den Tourismus. (e)
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