Florian Herrneder fährt mit dem Einrad von München nach Venedig
Auf (einer) Achse

Radeln, das Gleichgewicht halten und einen Bildausschnitt finden, der sowohl den Selfie-Macher als auch die Dolomiten ins beste Licht rückt: Da kann man schon mal ins Hecheln kommen. (Foto: Florian Herrneder)
Vermischtes
Kümmersbruck
16.09.2016
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Auch zum Termin bei der AZ erschien Florian Herrneder auf dem Einrad. Durch die Stadt fährt es sich aber wesentlich lockerer als mit einem 15 Kilo schweren Rucksack die Alpen hinauf.

"Mit dem Einrad nach Venedig - das schaffst du nicht." Eine größere Motivation hätte Wolfgang Herrneder seinem Sohn Florian gar nicht geben können. Denn für den war genau in diesem Moment klar: "Das mache ich."

/Venedig. Zielstrebig war der junge Mann schon immer gewesen: 2011 Abitur am Max-Reger-Gymnasium, danach Bachelor-Studium in Maschinenbau an der Amberger OTH, jetzt der Master in Ingolstadt; der Abschluss ist schon in Sichtweite. Doch dann traf Florian Herrneder der Gedankenblitz: "Du bist langweilig, schaust nur auf Studium und Beruf, willst alles schnell durchziehen. Du lebst gar nicht für dich selbst."

Also sollte in den letzten Semesterferien (in denen der Haselmühler sonst immer gearbeitet hatte) die große Herausforderung her. Einradfahren kann er seit seiner Kindheit. Könnte man damit von München nach Venedig kommen? Motto: vom Marienplatz zum Markusplatz. Eine 570 Kilometer lange Strecke, die Vater Herrneder bereits an Pfingsten mit dem Fahrrad absolviert hatte. Dessen Skepsis wandelte sich schnell in begeisterte Unterstützung. Er empfahl dem Filius eine einfache Route, die viel Radwege verbindet.

Respekt vor den Alpen


Dass er die Tour körperlich bestehen könnte, war für den sportlichen Studenten keine Frage. Doch man weiß ja nicht, was da in den Alpen auf einen zukommt. "Aber ich bin ein sturer Mensch und war deshalb überzeugt, dass ich durchkomme."

Am 18. August geht's los. Am Abend dieses Tages tut Florian Herrneder alles weh, weil der Rucksack nicht richtig eingestellt ist. "Da bin ich kurz mal in ein Loch gefallen." Doch er hievt sich wieder raus und merkt mit der Zeit: "Es gibt immer wieder mal Stellen, wo du denkst: Was bist du für ein Idiot und tust dir das an?" Etwa am Brenner, auf einer engen, steilen und stark befahrenen Straße, wo er bald schieben muss. "Das nervt." Oder an den 3000ern in den Dolomiten, wo ihn beim Aufstieg die Sonne brät. "Aber wenn du oben stehst, denkst du nur noch: Wow, wie toll ist das hier. Dann geht es dir gut."

Insgesamt hat Florian Herrneder "brutales Glück": mit dem Wetter ("ich musste nicht einmal im Regen fahren"). Mit der Hilfe, die er bei einem irreparablen Radschaden ("ich dachte schon, das war's jetzt") bekommt: Ein Berliner fährt ihn mit dem Auto so lange hin und her, bis er ein neues Kugellager hat. Und mit den Menschen, die er trifft. Etwa den Campingplatzbesitzer, der von seiner Idee so begeistert ist, dass er ihm die Übernachtung schenkt. Oder das Ehepaar aus England, beide 65 Jahre alt, die neun Monate des Jahres mit dem Rad durch die Welt touren: "Die waren so tiefenentspannt und hatten eine Lebensruhe, wie ich sie noch nie gesehen habe."

Und was lernt man als 24-Jähriger auf so einer Reise? "Dass Sachen, die total schwierig klingen, ganz einfach sein können, wenn man sie nur anpackt." Florian Herrneder wurde zudem klar, mit wie wenig man auskommen kann - "mein Ein-Mann-Zelt war ja eigentlich bloß ein Kokon, nur zum Schlafen. Aber das geht, mehr braucht man nicht."

In der Hälfte der Zeit


Mit dieser Einstellung legt der Einrad-Mann pro Tag zwischen 30 und 45 Kilometer zurück, je nachdem, wo der nächste Zeltplatz ist. So schafft er, bei einem Tag Regenpause, die Strecke in gut zwei Wochen (zwischen dem 18. August und dem 2. September) statt der geplanten vier. Er macht noch eine Woche Camping-Urlaub bei Venedig und fährt dann mit Verwandten wieder heim, die zufällig auch dort sind.

Seine Lust auf Einrad-Trips ist ungebrochen, jetzt reizt ihn aber eher eine Zwei-Tage-Tour mit ordentlich Höhenmetern: "Zum Beispiel auf die Zugspitze. Ich glaube nicht, dass das meine letzte Reise war."

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Weitere Informationen und Bilder auf dem Instagram-Account von Florian Herrneder:

https://www.instagram.com/tralp16/

Du merkst vor allem, was du alles nicht brauchst.Florian Herrneder
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