Fortbildung für Lehrer
Psychiater warnt vor falschen Erwartungen

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Kümmersbruck
22.11.2016
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Es klingt etwas unglaubwürdig: Ein Kinder- und Jugendpsychiater sagt, unsere Kinder seien fantastisch und können richtig was. Das passt so gar nicht in unser Bild der heutigen Jugend. Diese Vorstellung brachte Michael Schulte-Markwort am Samstag bei seinem Vortrag auf dem Lehrerfortbildungs-Seminar in Kümmersbruck (Kreis Amberg-Sulzbach) ins Wanken.

Schon immer unerträglich


Die Jugend war schon immer unerträglich. Bereits zu Aristoteles Zeiten vor rund 2400 Jahren. "Wir würden aber alle nicht mehr leben, wenn die Voraussagen stimmten", betonte Schulte-Markwort. Der leitende Arzt im Bereich Kinder- und Jugendpsychosomatik will wachrütteln. Nicht wir würden unter den Kindern und Jugendlichen leiden, es sei umgekehrt: Sie leiden durch unsere Gesellschaft, in der alle unbewusst einen Beitrag leisten zu Erschöpfung und Depression, letztlich zu Burn-out.

Mit leisen Worten, ohne erhobenen Zeigefinger, führt Schulte-Markwort die Zuhörer in die Welt der Kinder und Jugendlichen. Der Psychiater sieht verschiedene Ursachen für dieses Burn-out. In unserer Konsumwelt seien viele Kinder und Jugendliche "vergeblich auf der Suche nach Sinn und Wert", nur noch das "Mehr" zähle. Auch in der Familie kranke es oftmals durch falsche Erwartungen.

Kinder sollten überall die besten sein. Entsprechend sorgten Eltern mit hohem Einsatz für maximale Chancen. Und sogar die Schule, in der motiviert und neugierig gelernt werden sollte, werde vielfach zum Risiko. Es gebe, so der Psychiater, immer noch zu viele Lehrer, die nur die Fehler der Kinder sehen, sich kaum um echte soziale Beziehungen kümmern. Das führe insgesamt zu großen Versagensängsten. "Kinder werden von der Wahrnehmung begleitet, nicht mehr zu genügen", so der Hamburger Psychiater. 20 Prozent der Kinder- und Jugendlichen seien psychisch auffällig - eine Zahl, die sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert habe. Und es wäre ein Leichtes, an gewissen Stellschrauben zu drehen, sagt der Professor. Da seien nicht nur Politik oder Schule gefragt, sondern jeder Einzelne.

Vorbild sein


Mit Blick auf die Risikofaktoren für Burn-out meint Schulte-Markwort: "Wenn Sie etwas tun wollen, dann sorgen Sie für weniger Familienkonflikte." Liebe, Fürsorge, Vorbild sein, zum Beispiel in Sachen Smartphone-Nutzung, Respekt, Lob und Anerkennung, all das schaffe eine schützende Beziehung. "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser", müsse die Devise sein. Damit wir alle wahrnähmen, was unsere Kinder seien: einfach toll.
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