In Kümmersbruck Eisen-Spuren aus der Karolingerzeit
Einmalige Einblicke

Archäologe Dr. Mathias Hensch (rechts) und seine Kollegen sind im neuen Kümmersbrucker Baugebiet Am Bachweg auf spannende Zeugnisse aus der Eisenverarbeitung der Karolingerzeit gestoßen. Bild: Huber
Vermischtes
Kümmersbruck
25.08.2015
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Archäologe Dr. Mathias Hensch deutet in eine Grube, an der einer seiner Kollegen gerade arbeitet: Der Fachmann sichert hier Splitter eines Holzpfostens, der einst Teil eines Gebäudes war. Funde wie diese könne man über eine spezielle Untersuchung, mit der Radiocarbonmethode, zeitlich sehr gut einordnen, sagt Hensch.

Er weiß aber schon jetzt: Das, was er und seine fünf Kollegen gerade im neuen Baugebiet Am Bachweg freilegen, ist eine kleine Sensation. Wenn auch keine völlige Überraschung: Dass hier Interessantes im Boden schlummert, hatte sich schon abgezeichnet, als im vergangenen Jahr auf dem Grundstück des nahe gelegenen neuen Rewe-Marktes Überreste eines Grubenhauses und dreier Rennöfen entdeckt wurden.

Bei den aktuellen Grabungen haben die Experten jetzt weitere Schätze gehoben: Keramikscherben, Spuren alter Handwerkerbauten, eine Pfeilspitze und zwei filigrane Schlüssel - für Dr. Hensch "bislang einmalige Einblicke in die Zeit der Karolinger, also in das späte achte, frühe neunte Jahrhundert".

Das Außergewöhnliche dabei sei, dass es hier um frühe Prozesse der Metallverabeitung explizit im ländlichen Bereich geht, über die man bislang wenig wisse. Vieles spreche angesichts der Funde dafür, dass die Tradition der Eisenverarbeitung in der Region Amberg, die als "Ruhrgebiet des Mittelalters" gilt, tatsächlich noch weiter zurückreiche, als dies durch schriftliche Quellen belegt sei.

Spannend findet Dr. Hensch, dass auf der Fläche in Kümmersbruck einst Erz offenbar nicht nur geschmolzen, sondern auch gleich weiterverarbeitet wurde. Das Archäologen-Team kann hier bislang zwei Öfen und eine Schmiede-Esse nachweisen - und blickt dabei schon mit Spannung auf die nächste Etappe: Direkt neben der aktuellen Grabungsstelle wartet noch ein weiteres Areal auf eine genauere Untersuchung. Die Fachleute sichern Funde, leiten sie zur Konservierung und Archivierung nach Regensburg weiter und dokumentieren das, was sie nicht mitnehmen können.

Das bedeutet laut Hensch, dass das Gelände nach dem Abschluss dieser Arbeiten frei sein wird und ohne Einschränkung bebaut werden kann.
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