Leisnitzer Kirmes in Kümmersbruck
„Schlesierlied“ verstummt

Erika Püschel, mit 90 Jahren die Alterspräsidentin des Treffens.
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Kümmersbruck
12.10.2016
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Die Leisnitzer sind eine informelle Runde von Menschen mit Bezügen in diese oberschlesische Region. In Kümmersbruck feiern sie seit 29 Jahren ihre Kirmes. Es war die vorletzte.

Kümmrsbruck. (e) "Oberschlesien ist mein liebes Heimatland, wo vom Annaberg man schaut ins weite Land, wo die Menschen bleiben treu in schwerster Zeit" - so oft wird das Lied der Schlesier in nicht mehr zu hören sein. Das war der Wermutstropfen bei der 29. Leisnitzer Kirmes, die im Untergeschoss des Kindergartens Arche Noah gefeiert wurde. Es war die vorletzte. Rudolf Frenzel hatte das bei seiner Begrüßung ganz deutlich gesagt: "Noch sind 80 bis 90 Kirmesbesucher da. Aber es werden immer weniger. Viele Ältere sind verstorben, die Jungen kennen Leisnitz nur mehr vom Reden und für die nächste Generation ist schon alles nur Geschichte."

Das Alter zehrt


Zudem fänden sich immer weniger Mitstreiter, dieses an die Heimat erinnernde jährliche Treffen vorzubereiten. Da nutzt es auch nichts, dass "die Leisnitzer seit Jahrzehnten die Gemeinde Kümmersbruck bereichern", wie 3. Bürgermeister Hubert Blödt betonte. Das 30. Treffen 2017, so die Überlegungen, wird das letzte sein. Allein in Kümmersbruck sind heuer sechs Menschen verstorben, deren Wurzeln noch in Leisnitz lagen: Walter Breitkopf, Erwin Vogt, Bruno Kontny, Josef Schwarzer, Alfons Krumschmidt und Georg Krumschmidt. Seit der Kirmes im vergangenen Jahr sind insgesamt 17 Mitstreiter verstorben, wusste Frenzel.

Noch aber trafen sie sich und ihre Familien, um die gemeinsamen Erinnerungen an die Heimat hochzuhalten und Oberschlesien hochleben zu lassen. Die Kümmersbrucker Leisnitzer hatten im Sommer ihren Heimatort (heute Lisiecice im ehemaligen Landkreis Leobschütz) besucht. Derzeit leben dort noch 900 Menschen, berichtete Günther Fuchs (79), der mit seiner Frau Anni zu dem Treffen eigens aus Polen angereist war. Wegen seiner guten Polnischkenntnisse ist er stets die erste Anlaufstelle, wenn es um Verbindungen in die ehemalige Heimat geht. Die Kirmes in Kümmersbruck nicht entgehen ließ sich auch die Leisnitzerin Renate Borner, die in Dresden lebt.

Die Alterspräsidentschaft in der Runde übernahm Erika Püschel mit 90 Jahren. Trotz der nicht rosigen Zukunft ließen sich die Feiernden die Laune nicht verderben. Dafür sorgte auch der Musiker Erwin Hiltl, zu dessen Repertoire das "Schlesierlied" auf jeden Fall noch gehört.
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