Luise Schön feiert einen besonderen Geburtstag
Mit 100 Jahren lässt sie alle staunen

Jubilarin Luise Schön mit ihren prominentesten Gratulanten (von links) Bürgermeister Roland Strehl, Landrat Richard Reisinger sowie (im Hintergrund) die Lengenfelder Musikanten und Pfarrer Bernd Schindler. Bild: e
Vermischtes
Kümmersbruck
22.09.2016
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"Da kam die Müllabfuhr noch mit dem Pferdefuhrwerk, es gab Wäscherinnen, Handwerks- und Bäckerburschen, gestrenge Lehrer. Unser Spielplatz war die Straße: Es gab fast keine Autos." Das erzählte die Zeitzeugin, die am Dienstag ihren 100. Geburtstag feierte. Und zwar in einer gesundheitlichen und mentalen Verfassung, die staunen lässt.

Nicht nur die mit den Lengenfelder Musikanten antretenden Gratulanten Landrat Richard Reisinger , Bürgermeister Roland Strehl , der evangelische Pfarrer Bernd Schindler , auch die Leiterin des AWO-Seniorenheims, Andrea Motzel , konnten sich über so viel Fitness im gesegneten Alter nur wundern. Die Familie der Jubilarin, angereist aus Thailand, Hamburg und Berlin, ist darüber nicht erstaunt: Sie kennt Luise Schön als unternehmungslustige Frau.

"Ich habe mich immer beschäftigt, das ganze Leben lang, nie einen Müßiggang gehabt", verriet sie. Wenn sie dann zurückblickt, auf zwei Kriege, auf ganz harte Zeiten, dann zieht sie dieses Fazit: "Der liebe Gott hat es gut gemeint mit mir, und eigentlich bin ich dankbar." Das muss man erst mal schaffen. Luise Schön hat es geschafft - in einem Leben, "in dem es immer auf und ab ging". Ihr größter Glücksfall sei ihr jetzt 72-jähriger Sohn Wolfgang gewesen. Und die Tatsache, dass sie ihn als drei Wochen altes Kind auf der Flucht von Pommern nach Nürnberg durchgebracht habe.

Das größte Pech in ihrem Leben war der Tod ihres sechs Jahre älteren Mannes Heinz 1946 - er starb nach der Kriegsgefangenenschaft, als gebrochener Mann. "Oft mussten wir unsere Habe hergeben, wurde sie uns weggenommen" erinnert sich seine Witwe.

In Nürnberg ist Luise Schön, als Luise Linhardt am Heideloffplatz, hinter dem Bahnhof und direkt im Zentrum, aufgewachsen. Schon bald zog es sie hinaus. Sie lernte den damals gefragten Beruf einer Pflegerin und Kindergärtnerin. Vor dem Zweiten Weltkrieg kam sie 1939 nach Usedom, nach Stettin, heiratete dort 1942 Heinz Schön . Doch eine lange Ehe war ihr nicht vergönnt.

Ihre beiden Brüder Fritz und Ernst sind seit 1944 vermisst: Diese hat sie nie wieder gesehen. "76 Stunden haben wir 1945 auf der Flucht aus Pommern von Berlin nach Nürnberg gebraucht", um dann bei ihren Eltern im zerbombten Nürnberg unterzukommen. Danach hat sich ihr Leben normalisiert. Sohn Wolfgang ist schon vor rund 40 Jahren beruflich nach Kümmersbruck gezogen. Er hat hier gebaut, die Mutter blieb in ihrer Eigentumswohnung in Langwasser, bis sie 2014 ins Kümmersbrucker AWO-Seniorenzentrum an der Zeilenstraße einzog.
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