Vielfältige Angebote für Pflegebedürftige
Beratung ist das A und O

Vermischtes
Kümmersbruck
27.10.2016
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Ein Mensch ist plötzlich pflegebedürftig - was tun? Da ist guter Rat teuer. Doch es gibt Hilfe, wie Ingrid Blödt beteuert. Die ambulanten Dienste bieten vielfältige Unterstützung, von der Beratung bis hin zu konkreten Maßnahmen. Aber nicht nur sie.

Ingrid Blödt kennt sich aus in der Pflege, seit 45 Jahren ist sie in diesem Bereich tätig. Als 16-Jährige begann sie eine Ausbildung als Krankenschwester, bildete sich später zur OP-Schwester weiter. Jetzt ist sie Pflegedienstleitung des ambulanten Dienstes Antonius der Arbeiterwohlfahrt (AWO), vor fünf Jahren absolvierte sie noch eine Ausbildung für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. "Es hat sich ganz viel verändert in der Pflege", sagt sie. Aber nicht nur dort. Sondern auch in den geänderten Familienstrukturen. Mehrere Generationen, die unter einem Dach leben, sind eher die Ausnahme.

Hilfe schon in Klinik


"Jeder Mensch hat den Wunsch, so lange wie möglich daheim in seinen eigenen vier Wänden zu leben", sagt Ingrid Blödt. Sie kennt aber auch die Probleme, die auftauchen, wenn akut ein Pflegefall auftritt. Deshalb ist Beratung in ihren Augen immens wichtig. "Erst vor zwei Stunden war wieder jemand da", erklärt Ingrid Blödt. Das drängendste Problem, wenn ein Pflegefall eintritt, kann sie ganz klar benennen: "Erst einmal muss die Versorgung sichergestellt sein." Ist beispielsweise jemand nach einem Schlaganfall pflegebedürftig, dann werden laut Ingrid Blödt noch in der Klinik erste Maßnahmen ergriffen. "Dort gibt es Pflegeüberleitungen, die beraten und Maßnahmen einleiten." Spezielle Flyer informieren die Betroffenen über die vielfältigen Möglichkeiten. Manchmal würden noch während des Krankenhausaufenthalts für den Pflegebedürftigen Schnelleinstufungen organisiert und bereits erste Hilfsmittel bestellt: Das könne ein Pflegebett sein, aber auch ein Roll- oder Toilettenstuhl. Gleiches gelte für Reha-Einrichtungen.

Pflegeberater als Pflicht


Ingrid Blödt führt weiter aus, dass es Pflegeberater bei den Krankenkassen gibt. Im Moment zwar nur bei der AOK und der Knappschaft in Amberg, doch ab Januar, wenn das Pflegestärkungsgesetz kommt, müsse jede Krankenkasse einen Pflegeberater haben. Er erörtere dann mit den Versicherten, wie es nach einem Pflegefall weitergeht. "Die Pflegeberater kommen auch ins Haus", weiß Blödt aus Erfahrung. Die Pflegedienstleitung des ambulanten Dienstes Antonius verweist noch auf die Fachstelle für pflegende Angehörige, "an die sich ebenfalls jeder wenden kann".

Aber auch ambulante Dienste seien über Notfalltelefon rund um die Uhr erreichbar. Ingrid Blödt schildert einen Fall, der sich erst am Wochenende zugetragen hat. Ein Mann meldete sich auf dem Bereitschaftshandy. Er sei im Krankenhaus und müsse dort bleiben. Seine Frau, die er pflegt, sei zu Hause. "Das war am Samstagabend um halb acht", erklärt Blödt. "Wir haben uns dann um die Frau gekümmert." Froh ist die Pflegedienstleiterin, dass auch viele Hausärzte schon sehr sensibilisiert seien, wenn es um Pflegebedürftigkeit gehe. "Sie erklären ihren Patienten, an wen sie sich wenden können und wo sie Hilfe bekommen."

Ingrid Blödt findet, dass man gerade in Amberg und Umgebung von den Beratungsleistungen her sehr gut aufgestellt sei. Deshalb hält sie einen Pflegestützpunkt, der immer wieder gefordert wird, für nicht sinnvoll. "Der kostet nur viel Geld, das man für die Pflegebedürftigen sinnvoller einsetzen könnte", sagt sie und betont, dass dies ihre persönliche Meinung sei. "Außerdem zieht man Personal aus dem Pflegemarkt, das dort dringend gebraucht wird."

Ingrid Blödt hat die Erfahrung gemacht, dass manche pflegende Angehörige die vielfältigen Angebote oftmals nicht annehmen. Dies sei aber wichtig, denn "sonst verausgaben sie sich". Oft sei es der Partner, der gepflegt wird. Auch der Patient selbst wolle nicht wahrhaben, dass er pflegebedürftig ist, würde die Thematik häufig ganz weit von sich wegschieben. "Gerade bei Inkontinenz ist das so", weiß sie.

Großes Schamgefühl


Die Generation der Menschen, die jetzt aufgrund ihres Alters pflegebedürftig sind, habe ein sehr großes Schamgefühl. "Zuzugeben, dass sie Hilfe brauchen, fällt ihnen oftmals schwer." Ingrid Blödt hat es nach eigenen Angaben nie bereut, den Pflegeberuf ergriffen zu haben. "Ich habe es immer sehr gerne gemacht", sagt sie mit Blick auf ihre inzwischen 45-jährige Tätigkeit.

Jeder Mensch hat den Wunsch, so lange wie möglich daheim in seinen eigenen vier Wänden zu leben.Ingrid Blödt, Pflegedienstleiterin des ambulanten Dienstes Antonius


Von Tagespflege bis WundmanagementDie Angebote für Pflegebedürftige sind nach Angaben von Ingrid Blödt, Pflegedienstleitung des Ambulanten Dienstes Antonius der AWO, sehr vielfältig. Das reiche von Verhinderungs- über Kurzzeit- bis hin zu Tagespflege.

"Wir beraten aber auch hinsichtlich Essen auf Rädern." Falls erforderlich, würden die Ratsuchenden auch über die Angebote des Hospizvereins aufgeklärt. Ebenso seien Wundmanagement oder Kontakt zu Ernährungsteams ein Thema. "Für Pflegende gibt es auch spezielle Kurse", weiß Ingrid Blödt. Diese würden die Caritas und die Diakonie organisieren. "Dieses Beratungsangebot leisten alle Sozialstationen", sagt Ingrid Blödt. Häufig gebe es auch eine Anleitungspflege. Dort lernen die pflegenden Angehörigen die Grundpflege, die Prophylaxe, aber auch, wie sie rückenschonend arbeiten. (san)
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