Wie Marion Penzkofer mit ihrer Therapiebegleithündin Maja Menschen in schwierigen Situationen hilft
Mein Therapeut mit der sensiblen Schnauze

(Foto: Norbert Eimer)
Vermischtes
Kümmersbruck
14.09.2016
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(Norbert Eimer)

Samson war ein guter Hund. Der Golden Retriever hatte so eine unaufdringliche Art, konnte sich in die Menschen hineinversetzen, spürte deren Ängste und gesundheitlichen Probleme – und konnte ihnen als Pädagogik- und Therapiebegleithund helfen. Vor wenigen Wochen ist Samson an Leukämie gestorben, es ging ganz schnell. Zwischen Diagnose und Tod lagen nur einige Tage. „Ihm konnte leider keiner mehr helfen“, erzählt Marion Penzkofer traurig und blickt auf Maja, die langjährige Partnerin von Samson und ebenfalls Therapiebegleithund. Jetzt begleitet Maja vorerst alleine Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen und Beschwerden auf deren Wegen. Schenkt Demenzkranken neue Lebensfreude, schafft Nähe zu Wachkoma-Patienten, baut Vertrauen zu traumatisierten Kindern auf und nimmt Ängste. „Wir können natürlich keine Wunder vollbringen“, sagt Marion Penzkofer – und doch wird im Laufe des Gesprächs klar: Kleine Wunder sehr wohl, und auf die kommt es im Leben an.

Die Oma von Marion Penzkofer erkrankte an Parkinson, 40 Jahre lebte die Großmutter mit dieser Krankheit. Im Laufe der Zeit wurden die körperlichen Einschränkungen immer größer, das Halten eines Stiftes war irgendwann unmöglich, starkes Zittern in den Händen machte ein Schreiben praktisch unmöglich. Dann kam Camillo, der Hund war mit seiner sensiblen Art schnell der Liebling der Familie – mehr noch: Rasch wurde klar, dass dieser Vierbeiner einen positiven Einfluss auf die kranke Oma hatte. Wenn der Hund um sie war, wenn die an Parkinson leidende Frau sein Fell streichelte, wurde sie ruhiger, entspannter, das Zittern ließ nach, sie konnte sogar wieder schreiben. „Camillo war damals der Grund, warum ich angefangen habe, mit Hunden in der Therapie zu arbeiten. Er hat uns gezeigt, was Hunde alles bewirken können.“

Die Arbeit mit Therapiebegleithunden ist so vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten. Oft ist Marion Penzkofer mit Maja in Altenheimen zu Gast. Für viele Bewohner bedeutet der tierische Besuch weitaus mehr als eine willkommene Abwechslung im Alltag, denn sowohl Vier- als auch Zweibeiner fordern und fördern die älteren Menschen. „Gerade Demenzkranke profitieren davon, wenn sie sich Kommandos merken müssen, oder bestimmte Stellen, an denen Leckerlies für Maja versteckt sind. Dazu braucht es Motorik und Konzentration, die spielerisch und effektiv trainiert werden.“ Ein Hund schafft Nähe, bringt Erinnerungen zurück. „Immer wieder zaubert Maja ein Leuchten in die Augen der Bewohner, weil diese früher selbst einen Hund hatten oder schöne Erlebnisse mit ihm verbinden.“ Traurig und schön zugleich sei es, wenn Demenzkranke den Namen des Hundes nach zwei Minuten schon wieder vergessen haben, aber frühe Kindheitserinnerungen plötzlich wieder lebendig aufblitzen.

Wenn Marion Penzkofer spricht, wird ihre ganze Begeisterung spürbar. „Ein Hund wartet erst einmal ab, der Hund bewertet sein Gegenüber nicht, ihm ist es egal, wie jemand aussieht, wie seine körperlichen oder geistigen Fähigkeiten sind – der Hund zeigt ihm Zuneigung und schenkt ihm physischen Kontakt.“ Und genau darum geht es in der tiergestützten Therapie: „Der gezielte Einsatz eines Tieres soll positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen haben. Dies kann für körperliche, wie seelische Erkrankungen zutreffen. Das Tier, hier im Speziellen der Hund, versteht sich als Mittler zwischen Mensch und Therapeut.“ Welche Rasse ein Hund habe, spiele dabei keine Rolle, vielmehr gehe es um Erfahrung. „Es ist natürlich schwierig im Vorfeld zu wissen, wie ein Hund sich entwickelt und ob das Tier als Therapiebegleithund in Frage kommt, vieles hat mit persönlicher Einschätzung zu tun – aber grundsätzlich eignen sich Hunde sehr gut als therapeutische Begleiter.“

Immer wieder erzählt Marion Penzkofer von erfolgreichen Geschichten und Mut machenden Erlebnissen. So etwa von dem Jungen, der durch den Tod seines Bruders traumatisiert war. Hündin Maja holte ihn aus seiner Lethargie, der Bub konnte sich gänzlich auf das Tier einlassen, es streicheln – ja, Maja seinen Kummer erzählen und so langsam zurück ins Leben finden. Denn Maja hört zu, unterbricht nie. Und da sind Geschichten von Wachkoma-Patienten, die Majas Anwesenheit und sanfte Berührungen spüren, und mit kleinen Gesten zu verstehen geben: Ich bin hier, ich bin wach, ich nehme mein Umfeld, ich nehme diesen Hund wahr. Und da ist die Geschichte von dem Schüler mit ADHS, der sich dank Majas beruhigender Art wieder länger konzentrieren, still sitzen und seine Hausaufgaben erledigen konnte – die staunenden Eltern daneben: „Wir erkennen unseren Sohn kaum wieder.“

Therapiebegleithund – prinzipiell darf jeder Besitzer seinen Vierbeiner so nennen, weil diese Bezeichnung nicht geschützt ist. Allerdings gibt es spezielle Ausbildungen, die sich stark von denen unterscheiden, die in klassischen Hundeschulen absolviert werden. „Wir haben uns beim MITTT (Münsteraner Institut für tierische Fortbildung und tiergestütze Therapie) zum Therapieegleithunde-Team ausbilden lassen. Dieses richtet sich an alle Therapeuten, Pädagogen, Pflegekräfte, Ärzte und Medizinische Fachkräfte, die sich für eine professionelle und praxisnahe Ausbildung im Bereich Therapiebegleithund interessieren und mitmachen bei der Qualitätssicherung ihrer fachlichen Tätigkeit.“ Diese Ausbildung können nur Fachkräfte mit entsprechenden Voraussetzungen absolvieren. Es bedarf einer pädagogischen, therapeutischen oder medizinischen Ausbildung, erklärt die Erzieherin. Auch wird nach zwei Jahren erneut geprüft, ob das Tier weiterhin alle Voraussetzungen als Therapiebegleithund erfüllt.

Und während Marion Penzkofer erzählt, ist jemand neben ihr ganz aufgeregt: Cleo – eine zehn Wochen junge Australian Shepard Hündin. Sie soll künftig Samsons Platz einnehmen und ihn ersetzen. Wenn so etwas überhaupt geht. Denn kleine Wunder vollbringen, das erledigt sich nicht einfach nebenbei. Dass es jedoch funktioniert, zeigt Marion Penzkofer mit ihrer tierischen Arbeit.

Info
Nähere Informationen finden sich unter www.therapie-begleithun.de
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