Zwei Bergsteiger aus der Oberpfalz abgestürzt [Aktualisierung]
Bergdrama am Monte-Rosa-Massiv

Monte Rosa - Westseite (CC BY-SA 3.0) (Foto: Tobias Bender)
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Kümmersbruck
11.08.2016
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Einen Tag vor seinem Tod postete er seine Begeisterung über die aktuelle Gebirgstour per Facebook in alle Welt. Ein 31-jähriger Kümmersbrucker (Kreis Amberg-Sulzbach) bezahlte für die Berg-Leidenschaft mit dem Leben. Zusammen mit seiner Begleiterin (57) stürzte er im Monte-Rosa-Gebiet in der Schweiz in die Tiefe. Beide waren vermutlich sofort tot.

Kümmersbruck/Friedenfels/Zermatt. (luk/roa/dpa) Das Unglück ereignete sich am Mittwochmorgen am Breithorn direkt an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, wie die Bergrettung auf Anfrage mitteilte. Am Vortag waren der 31-Jährige und die 57 Jahre alte Frau aus Friedenfels (Kreis Tirschenreuth) mit der Bahn zu der Schutzhütte an der Bergstation gefahren und am Morgen zur Überschreitung des gut 4100 Meter hohen Breithorngrates aufgebrochen. Die beiden seien am Seil gegangen, als das Unglück geschah. "Auf dem Grat hat einer von beiden - wir wissen nicht, wer - das Gleichgewicht verloren und den anderen mitgerissen", berichtete Bergretter Massimiliano Giovannini. Das Wetter sei gut gewesen. Beide hätten eine gute Ausrüstung gehabt. Die Tour gilt nicht als schwierig, es gebe aber einige anspruchsvollere Stellen.

Ein Schweizer Bergführer habe gegen 10 Uhr die leblosen Körper entdeckt und die Helfer alarmiert, die nur noch den Tod feststellen konnten. Die Leichen der Oberpfälzer wurden in eine Leichenhalle in Champoluc, einem Dorf in der Gemeinde Ayas im Aosta-Tal, gebracht, berichtet die italienische Zeitung "La Stampa" auf ihrer Internetseite. Die beiden verunglückten Oberpfälzer waren Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, Sektion Karlsbad. Der 31-Jährige, der ursprünglich aus Thumsenreuth stammte, galt ebenfalls wie seine Begleiterin, eine ehemalige Erbendorferin (jeweils Kreis Tirschenreuth), als erfahrener Alpinist. Der Übungs- und Jugendleiter des Vereins besaß unter anderem Trainerscheine für Hochtouren, Sportklettern und Bergsteigen.

"Für den Sport gelebt"


In der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne hatte der 31-Jährige als Fahrlehrer bei der Bundeswehr gearbeitet. Er hinterlässt eine Frau, mit der er ein gemeinsames Mädchen (1) hat, sowie einen Sohn aus erster Ehe. Der Blick in unendliche Weiten aus Hunderten Meter Höhe faszinierten den jungen Familienvater: Immer wieder schickte er Bilder von seinen zahlreichen Klettertouren über zum Teil schneebedeckte Felsmassive über die sozialen Netzwerke. Am Sonntag hätte er nach der sechs Tage dauernden Tour wieder zu Hause sein wollen. "Er hat für seinen Sport gelebt", sagte seine Frau am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. "Wir haben ihn immer unterstützt, er ist ein toller Mensch gewesen", so die Kümmersbruckerin, die mitreiste, so oft es ging. Diesmal nicht. "Es ist so furchtbar, dass er auf so tragische Weise sterben musste."

Die 57-jährige Begleiterin sei eine Bekannte ihres Mannes gewesen. Beide hatten bereits zusammen einmal eine Tour absolviert. Sie hinterlässt ebenfalls einen Sohn und war als leidenschaftliche Bergsteigerin und Skifahrerin bekannt. In ihrer ehemaligen Heimatstadt hatte sich die Unternehmerin, die in Tirschenreuth seit rund zehn Jahren eine Hausverwaltungsfirma leitete, in der Skisparte des TSV sowie beim Spielmannszug der Feuerwehr engagiert.

Auf dem Grat hat einer von beiden - wir wissen nicht wer - das Gleichgewicht verloren und den anderen mitgerissen.Bergretter Massimiliano Giovannini


Monte-Rosa-GruppeDie Monte-Rosa-Bergkette ist das Bergmassiv mit der höchsten durchschnittlichen Höhe in den Alpen. Das Massiv liegt in den Walliser Alpen auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, wobei rund Zweidrittel in Italien liegen. Der höchste Berg ist die Dufourspitze, mit 4634 Meter der zweithöchste Gipfel der Alpen. Der Berg liegt in der Schweiz. Nur das weiter westliche gelegene Mont-Blanc-Massiv im Dreiländereck Frankreich, Schweiz, Italien ist noch höher.

Um die Dafourspitze herum erheben sich im Monte-Rosa-Massiv dreißig Gipfel mit Höhen von mehr als viertausend Meter. Darunter das 4165 Meter hohe Breithorn. Es liegt auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, etwa auf halben Weg zwischen Matterhorn und Monte Rosa sowie östlich des Theodulpasses. Weitere Gipfel des Massivs sind die Zwillinge Pollux mit 4092 Metern und Castor mit 4228 Metern sowie Lyskamm mit 4527 Metern. Der berühmte schneebedeckten Grat ist der höchste Gipfel im italienischen Aostatal. Der Colle del Lys mit seinen 4153 Metern gilt als der spektakulärste Bergpass in den Alpen.

Die Gletscher des Monte-Rosa-Massivs gehören zu den größten in den Alpen, wie etwa der Gomer mit mehr als zwölf Kilometer Länge, schreibt der Tourismusverband Aosta-Tal auf seiner Homepage. Auf der südlichen und östlichen Seite gibt es mehrere kleinere Gletscher. Insgesamt erstrecken sich die Gletscher des Monte-Rosa-Massivs über mehr als 220 Quadratkilometer. (nt/az)


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