Zwei Unis forschen in Kümmersbruck
Männer über 50 sind gefragt

Männer beim Zumba - ein seltener Anblick. Ein Forschungsprojekt der Unis Bayreuth und Regensburg soll in Kümmersbruck dafür sorgen, dass es hier künftig mehr bewegte Männer jenseits der 50 gibt. Dazu wurden jetzt Fragebögen an die Zielgruppe verschickt. Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa/lnw
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Kümmersbruck
20.08.2016
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Wie bringt man Männer dazu, sich mehr zu bewegen? Diese Frage versucht Kümmersbruck in einem Forschungsprojekt mit den Universitäten Regensburg und Bayreuth zu klären. Angesprochen sind alle männlichen Gemeindebürger über 50. Sie haben inzwischen Post bekommen.

"Bitte nutzen Sie die Chance, sich aktiv an der (sportlichen) Weiterentwicklung Ihrer Gemeinde zu beteiligen", appelliert Bürgermeister Roland Strehl in einem Anschreiben, das einen vierseitigen Fragebogen begleitet. Experten der beteiligten Unis wollen damit erkunden, wer schon in welcher Form und wie oft aktiv ist. Noch wichtiger aber ist es, herauszufinden, wer sich in Alltag und Freizeit wenig bewegt - und warum.

Gesundheit zieht nicht


Dr. Helmut Strobl von der Uni Bayreuth, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, hofft, dass möglichst viele Fragebögen ausgefüllt und zurückgeschickt werden. Wohl wissend, dass sich an solchen Umfragen normalerweise eher die beteiligen, die ohnehin schon aktiv sind. Aber gerade die anderen, die das nicht so oft oder gern tun, sind in diesem Fall besonders interessant.

Ein Ziel des Projekts soll es nämlich sein, genau für diesen Personenkreis, also für bislang eher wenig bewegte Männer jenseits der 50, in Kümmersbruck ein passendes Angebot an Aktivitäten zu schaffen. Gerade diese Zielgruppe könne man dabei "nicht über das klassische Gesundheitsverständnis" motivieren, weiß Strobl. Er versucht es trotzdem, mit einer wissenschaftlich bestätigten Erkenntnis: "Das beste Mittel, bis ins hohe Alter körperlich sowie geistig mobil und fit zu bleiben, ist regelmäßige Bewegung."

Dem Experten ist aber auch bewusst: Diese Motivation "funktioniert bei Männern nicht so gut wie bei Frauen". Letztere hätten gerade mit zunehmendem Alter mehr Körper- und Gesundheitsbewusstsein. Die Herren müsse man dagegen eher über den Leistungs- und Wettkampf-Gedanken ansprechen: "Die wollen zeigen, wozu sie noch in der Lage sind." Hochleistungssportler müsse dabei trotzdem keiner werden: "Die Arbeit in Haus und Garten kann genauso gesundheitsförderlich sein, so lange man sich dabei nicht unfunktionell bewegt und dadurch zum Beispiel seinen Rücken schädigt."

Ergebnisse im September


Mögliche konkrete Ansatzpunkte, wie man die Männer mobilisieren kann, erhoffen sich Strobl und seine Mitstreiter über die Fragebögen. Die sollen bis Ende August beantwortet und zurückgeschickt werden. Die Unis Bayreuth und Regensburg werten die Bögen dann aus.

Strobl rechnet mit ersten Ergebnissen Mitte September: Sie sollen dann dem für das Projekt gegründeten Kümmersbrucker Arbeitskreis vorgestellt werden. Der will sich unter anderem Gedanken darüber machen, wie man die Kümmersbrucker Männer auf bereits bestehende Sport- und Bewegungsprogramme aufmerksam machen kann - und welche neuen Angebote man entwickeln könnte. Eines davon ist schon in Arbeit: die Sportcard (Blickpunkt).

Im Blickpunkt: Kümmersbruck bekommt eine SportcardDas Forschungsprojekt für den bewegten Mann ab 50 in Kümmersbruck, offiziell "Action for Men" genannt, hat gerade erst begonnen - und wartet doch schon mit einem ersten konkreten Ergebnis auf: In der Gemeinde wird es künftig eine Sportcard geben, wie Projektbetreuer Dr. Helmut Strobl von der Uni Bayreuth mitteilt.

Erfreut ist er, dass viele Vereine und auch ein Fitness- und Therapiestudio Bereitschaft signalisiert haben, diese Idee durch entsprechende Angebote zu unterstützen. "Auch der Bürgermeister ist da ganz stark dabei", berichtet Strobl aus den bisherigen Arbeitskreis-Treffen.

Die Inhaber der Sportcard sollen unverbindlich Bewegungsangebote testen können. Auf der Ideenliste stehen Aktivitäten wie ein "Aqua Power Circle" (Ausdauer- und Muskeltraining im Wasser), Fußball-Tennis, Männer-Yoga oder auch Stockschießen.

Aus dem Angebot (angedacht sind derzeit 13 unterschiedliche Aktivitäten) können die Interessenten zehn Einheiten frei wählen - also beispielsweise zweimal Aqua-Kurs, dreimal Fußball und fünfmal Yoga.

Ziel ist es, verschiedene Angebote ausprobieren zu können, ohne dafür gleich einen kompletten Kurs belegen oder einem Verein beitreten zu müssen. Im Idealfall findet man so genau die Aktivität, die zu einem passt - und bleibt dann auch längerfristig am Ball.

Die Sportcard soll es für 40 Euro geben. Sie gilt ein Jahr und berechtigt zur Teilnahme an zehn Kurseinheiten. "Ab Mitte Oktober" werde es so weit sein, schätzt Dr. Strobl. (eik)


Der SchweinehundWer beim Thema Bewegung vom berühmten inneren Schweinhund ausgebremst wird, für den hat Dr. Helmut Strobl zwei Tipps parat: Als Berufstätiger nicht erst nach Hause kommen, um dann Sport zu machen - sondern das gleich, mit vorab gepackter Ausstattung, auf dem Heimweg erledigen: Wer sich nach der Arbeit erstmal auf der Couch niedergelassen hat, kommt danach schlecht wieder hoch. Und die Aktivität am besten gleich als festen Termin im Kalender notieren - wie eine Besprechung oder einen Arzttermin: "Dienstag, 18 Uhr, Laufen". (eik)
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