Bundeswehr investiert und modernisiert gewaltig am Standort Kümmersbruck
Kaserne klotzt mit 100 Millionen Euro

Links im Bildhintergrund ist eines der alten Kompaniegebäude, von denen vier abgerissen und durch moderne Unterkunftsneubauten ersetzt werden. Eines, das vorn auf der Sandfläche stand, ist schon abgebrochen. Bilder: ath (2)
Wirtschaft
Kümmersbruck
17.11.2016
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Klaus-Peter Laackman, Landrat Richard Reisinger, Bürgermeister Roland Strehl, Kommandeur Alexander Kolb (von rechts), Karsten Philipp und Bauoberrat Christian Kopf (von links) sahen sich die vielen Bauplätze vor Ort an.

"Wir freuen uns über jede Behördenverlagerung mit drei Leuten und Ihr macht hier im Verborgenen den richtig großen Wurf." Landrat Richard Reisinger rückte gestern ein Megaprojekt ins Licht der Öffentlichkeit, das bisher nach seiner Ansicht zu wenig Beachtung fand: die Modernisierung der Schweppermannkaserne für 100 Millionen Euro.

Auch wenn es an die 15 Jahre dauert, bis diese Gesamtsumme verbaut ist, wollten Reisinger und Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl den Blick auf erste Maßnahmen richten, die teils schon laufen und hinter den Kasernenmauern tatsächlich fast unbemerkt bleiben. Dazu gehört neben der Erneuerung der Kanalisation die Sanierung von Sanitäranlagen in alten Kompaniegebäuden - ein solches wurde bereits abgerissen, um für eine neue Unterkunft Platz zu schaffen.

Das ist überhaupt ein großes Thema in der Schweppermannkaserne: Künftig sollen Wohn- und Funktionsbereiche getrennt werden, wie Oberstleutnant Alexander Kolb, der Kommandeur des hier angesiedelten Logistikbataillons 472, und Kasernenkommandant Klaus-Peter Laackman informierten. Anstelle der bisherigen Kompanietrakte soll es künftig vier neue Unterkunftsbauten geben, die Einzelzimmer mit Nasszelle für jeden Soldaten bieten.

Oberstleutnant Karsten Philipp, Leiter des Baureferats K2 im Münchner Kompetenzzentrum unter dem Dach des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, sprach von "Hotel-Standard", den die modernen Unterkünfte haben werden. Rund 6,5 Millionen Euro lässt sich der Bund jedes dieser vier Gebäude mit jeweils 110 Zimmern kosten (das letzte wird etwas kleiner und günstiger sein). Die Errichtung des ersten Trakts an der bereits abgeräumten Stelle des Vorgängerbaus soll im Herbst 2017 starten.

San-Zentrum und viel mehr


Gleich um die Ecke an der Zufahrt zu den technischen Bereichen laufen bereits Umbau und Sanierung eines alten Gebäudes für die logistische Steuerstelle, die voraussichtlich im Mai von der Leopoldkaserne hierher umziehen wird (zusammen mit dem evangelischen Standortpfarrer und der Abteilung Finanzen des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums).

Ebenfalls 2017 soll nach gegenwärtiger Planung ein neues Lehrsaalgebäude mit rund 700 Quadratmetern Nutzfläche und Schießsimulator gegenüber dem Offiziersheim angepackt werden (Kosten etwa 2,9 Millionen Euro). Fast drei Mal so teuer wird laut Philipp der komplette Neubau des später vom BWK hierher verlegten Sanitäts-Versorgungs- sowie eines Facharztzentrums, die künftig eine von drei zentralen Anlaufstellen in ganz Bayern bilden werden.

Zu Phase 1 und 2 des sogenannten liegenschaftsbezogenen Ausbaukonzepts mit seinem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro gehören ferner eine zentrale Waffenkammer und eine Lagerhalle für zwei Nachschubkompanien. All das soll in den kommenden fünf bis sechs Jahren entstehen, wobei dann erst gut die Hälfte der dreistelligen Investitionssumme erreicht ist. Über weitere Maßnahmen wie eine ebenfalls gewünschte moderne Sporthalle, eine zentrale Versorgungseinrichtung, neue bzw. erweiterte Instandsetzungs- und Kfz-Hallen (Phasen 3-6) lassen sich laut Philipp und Infrastrukturoffizier Sebastian Lange derzeit keine seriösen Aussagen mit Daten und Kosten treffen, weil das noch Zukunftsmusik sei.

Alles bei laufendem Betrieb


"Es gibt kaum ein Gebäude, das wir nicht anfassen", schilderte Hauptmann Lange die generalstabsmäßige Modernisierung der Schweppermannkaserne, die ihren 60er-Jahre-Look definitiv verlieren wird. Dabei geht es auch darum, dass sich die Bundeswehr als moderner Arbeitgeber präsentiert, verdeutlichte Kolb, der abschließend betonte, dass alle Bauvorhaben bei laufendem Betrieb über die Bühne gehen müssen.

Standort mit ZukunftSelbst frisch geplante oder vollzogene Investitionen hindern den Bund manchmal nicht daran, Militärstandorte zu schließen oder zu verkleinern. Mit dem langfristig terminierten Ausbaukonzept für insgesamt 100 Millionen Euro in der Schweppermannkaserne sind Landrat Richard Reisinger und Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl jedoch "beruhigt", dass Gärmersdorf dieses Schicksal wohl erspart bleibt. Strehl wünschte sich, dass bei den vielen Bauvorhaben auch einheimische Firmen berücksichtigt werden, um die hiesige Konjunktur zu stärken. Wie Bauoberrat Christian Kopf vom Staatlichen Bauamt sagte, würden alle Maßnahmen gewerkeweise ausgeschrieben, und es werde keinen Generalunternehmer geben.
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