Renga Weh
Der Produzent

"Renga Weh" beim Musikmachen. Wer sich fragt, was es mit diesem Künstlernamen auf sich hat, sollte sich seinen bürgerlichen Namen mal von hinten ansehen. Bild: hfz
Kultur
Kulmain
24.10.2016
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Michael Wagner mag Techno - und er macht Techno. Gerade hat eine Münchner Plattenfirma zwei Stücke des Kulmainers veröffentlicht. Eine echte Auszeichnung.

Als Produkt-Technologe muss Michael Wagner seine Ausbildung noch abschließen. Als Techno-Produzent strebt er Richtung Meisterbrief: Der 23-Jährige ist Azubi bei der Weiherhammerer BHS, in der Freizeit macht er Musik. Unter seinem Künstlernamen "Renga Weh" hat er vor einer Woche die Stücke "Sight" und "Aura" bei der Münchner Plattenfirma Fukai-Records veröffentlicht. Schon im Frühsommer entschied sich das italienische Label Torex-Records, die "Renga Weh"-Tracks "Walk" und "Realise" zu vertreiben.

Qualität statt Minuten-Arbeit


In die Charts wird es Wagners Musik nicht schaffen, ebenso wenig in gängige Radioprogramme. Dafür ist sie zu speziell. Auch Geld wird er so schnell nicht damit verdienen. Es gibt zwar Produzenten und DJs, die von ihrer Musik gut leben können. "Aber die mussten lange und hart dafür arbeiten." Ein Erfolg sind die Veröffentlichungen für Wagner dennoch. "Jeder, der einen Computer hat und 100 Euro für Software ausgibt, kann heute Techno machen. Die Plattenfirmen werden mit Tracks überschüttet", erklärt er. Deshalb sei es eine Auszeichnung, wenn sich die Firmen für seine Musik entscheiden. "Meine Stücke werden nochmals bearbeitet, damit sie auch laut richtig gut klingen. Die investieren also Geld in meine Musik", erklärt Wagner. Das zeige außerdem, dass sich Qualität durchsetzt, gegen Stücke, die in fünf Minuten gebastelt wurden.





Solche Minuten-Ware gibt es bei Wagner nicht. Mindestens 40 Stunden sitze er an einem Stück, bevor es fertig ist. "Genau kann man das nicht sagen." Manchmal läuft es wie von selbst, oft fehlen aber die Ideen und manchmal verliere er sich im Spiel mit Tönen und Effekten. Dabei arbeite er mit einem Computer, nutze aber auch zwei analoge Synthesizer, um Töne zu erzeugen. Die sieben Jahre Klavierunterricht aus der Kindheit und Jugendzeit helfen dabei.

Jeder, der einen Computer hat und 100 Euro für Software ausgibt, kann heute Techno machen. Die Plattenfirmen werden mit Tracks überschüttet.Michael Wagner

Am Anfang stehe der Beat, alles, was in einer Band das Schlagzeug übernimmt. Danach komme der Bass und dann der Rest. Inzwischen habe er sich ein Repertoire an Tönen und Sounds geschaffen, das die Arbeit etwas leichter mache. Außerdem ist ein eigener "Renga Weh"-Sound das Ziel. Wenn Wagner diesen eigenen Sound beschreiben soll, muss er überlegen. Für Techno sei es melodisch und harmonisch. "Ich würde es Techhouse oder Melodic-Techno nennen." Einflüsse seien Jonas Saalbach und Julian Wassermann.

Ganz am Anfang stand ein anderer Name: Paul Kalkbrenner. Der DJ und Produzent steht nicht nur hinter dem Hit "Sky an Sand". Er spielte auch die Hauptrolle in "Berlin Calling". Der Film aus dem Jahr 2008 porträtiert die Berliner Techno-Szene. Bei Wagner schlug der Streifen ein wie Techno-Bass. "Seither begeistert mich die Musik." Zwei Jahre später habe er als DJ mit dem Mixen und Auflegen begonnen.

Das macht er heute noch, gehört zum Villa-Varia-Kollektiv und damit zu den Machern des Kindheitstraums-Festivals. Regelmäßig legt er im WS-Club in Kulmain aber auch in der "Suite" in Bayreuth oder der "Rakete" in Nürnberg auf.

Von Anfang an habe er sich auch fürs Selbstproduzieren interessiert. "Ich hab aber bald gemerkt, dass das für mich zu früh kommt und bin beim Auflegen geblieben." Seit etwa drei Jahren macht er nun selbst Musik. "Aber erst seit diesem Jahr bin ich soweit, meine Musik auch in der Öffentlichkeit zu spielen." Mit den beiden Veröffentlichungen ist ihm das gut gelungen.

Weil die Firmen nur quartalsweise abrechnen, kann er noch nicht sagen, wie gut sich seine Stücke verkaufen. "Sie werden auf über 300 Musikbörsen im Internet angeboten. Ich hoffe, dass sie 1000 mal und öfter gekauft wurden." Der nächste Schritt ist ein Liveauftritt. "Ich möchte mir ein Repertoire von Stücken schaffen, das ich dann live im Club arrangieren kann." Die Ausbildung zum Produkt-Technologen endet nächstes Frühjahr. Bis zur Meisterprüfung als Techno-Produzent dauert es noch etwas.

Weitere Informationen:

www.facebook.com/rengaweh
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