Ein Haus mit Geheimnissen

Ein eingemauertes Fenster aus dem 19. Jahrhundert im Erdgeschoss: Es soll im Zuge der Sanierung wieder geöffnet werden.
Lokales
Kulmain
20.06.2015
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Vier Jahre dauerten die Vorbereitungen zur Generalsanierung des Rathauses. Nun ist die Baustelle eingerichtet. Doch das unter Denkmalschutz stehende Gebäude birgt trotz intensiver Voruntersuchungen noch manche Überraschung.

Mit dem Aufstellen des Baugerüstes begannen die Arbeiten zur Komplettsanierung des bis Herbst 2011 als Rathaus genutzten "Alten Schlosses". Diese trägt sowohl den Anforderungen des Baudenkmals, der Barrierefreiheit für öffentliche Gebäude, als auch den künftigen Bedürfnissen einer funktionierenden Gemeindeverwaltung Rechnung. Die Gemeinde möchte mit der Sanierung ein Zeichen zur Auswertung der Ortsmitte setzen und ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, erklärte Bürgermeister Günter Kopp bei einer Begehung.

Das Gemeindearchiv ist in ein leerstehendes ehemaliges Wohngebäude in der Ortsmitte umgezogen. Der Bauhof hat begonnen, die Fußböden herauszureißen sowie Deckenverschalungen und Abmauerungen an den Auflagern des Dachstuhls im Obergeschoss zu entfernen. Im Erdgeschoss ist bei der Trockenlegung der Ost-Außenmauer der Putz in der ehemaligen Bürgeranlaufstelle abgeschlagen und eine neue Betonzugplatte mit verstärkter Armierung eingezogen worden. Damit soll das Fundament gegen Abdriften Richtung Ortsdurchfahrt gesichert werden. Im nächsten Schritt entfernt die Firma Hecht aus Tirschenreuth die Biberschwanzeindeckung, richtet die Holzkonstruktion aus und beseitigt Feuchtigkeitsschäden an Sparren, Kehlbalken, Schwellen sowie Stützen.

Die Dachstatik wird nach historischem Vorbild durch Einbau von Diagonalen unterhalb der Sparrenebene zur Aufnahme der Schubkräfte aus der Walmdachkonstruktion grundlegend verbessert. Am Traufgesims sind zudem Steinmetzarbeiten erforderlich. Die Dachflächen werden wärmegedämmt und mit einer diffusionsoffenen Folie versehen. Die Firma Krauß aus Mähring verschalt und lattet im Anschluss die Dachflächen für ein neues Biberschwanzdach. Die Spenglerarbeiten übernimmt die heimische Firma Brunner.

Anschließend werden auf einer Fläche von rund 480 Quadratmeter der Außenputz abgeschlagen, Schadflächen saniert, armiert und eine neue Putzfassade aufgezogen. Die Innenausbauarbeiten werden im Herbst ausgeschrieben und vergeben.

Substanz erhalten

"Wir wollen alle historischen Gebäudeteile so weit wie möglich nach den Vorgaben des Denkmalschutzes erhalten und sanieren. Dabei legen wir Wert auf Detailgenauigkeit und Substanzerhaltung", erläutert Architekt Josef Weber. Dazu gehören die im Obergeschoss freigelegten Gewölbe der darunter liegenden Bürgeranlaufstelle.

Beim Entfernen des Fußbodens und der Gewölbeschüttung gab's gleich eine dicke Überraschung. Die alte, schräg auf die Kirche zulaufende Außenmauer des Alten Schlosses kam zum Vorschein. Die heutige Außenmauer wurde wahrscheinlich davor aufgesetzt, um die Fassade zu begradigen und mehr Raum zu schaffen. "Die alte Außenmauer zeigt zudem Schwärze und deutliche Russ-Spuren. Dies ist ein Hinweis auf den Brand der Pfarrkirche im Jahre 1834", meinte Peter Troppmann.

Aber auch im Erdgeschoss stießen die Restauratoren auf Verborgenes. Nach Abschlagen des Putzes und einer Vormauerung entdeckten die Denkmalschützer ein komplett zugemauertes Fenster samt Stockrahmen und eingeglasten Fensterflügeln, vermutlich aus den 19. Jahrhundert. Geplant ist daher, die Fensteröffnung wieder herzustellen.

Heizung in der Mauer

Das Gebäude erhält neue Fenster, großteils neue Türen und eine moderne Wasser-, Abwasser-, Strom- und EDV-Installation. Für Wärme sorgt eine Pellet-Warmwasser-Zentralheizung, die auch eine direkte Mauerbeheizung gegen Feuchteschäden beinhaltet. Die Außenanlagen im Bereich des Erdgeschosseinganges werden so angepasst, dass dieser behindertengerecht erreicht werden kann.

Kopp spricht Baudirektorin Regina Harrer von der Regierung ein Lob aus. Ohne sie wäre die Maßnahme umsetzbar gewesen. Ebenso dankt er Raimund Karl vom Denkmalschutz, der Landesstiftung, dem Landratsamt Tirschenreuth sowie dem Architekten Josef Weber und Statiker Anton Landgraf für die kooperative Zusammenarbeit.
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