"Glücksfall für das Erzbistum"

Lokales
Kulmain
10.01.2015
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"Ein Mann des Volkes", "ein fleißiger und eifriger Priester", "ein Glücksfall für das Erzbistum Bamberg": So schreibt Domkapitular Hans Schieber über Martin Wiesend. Fast 19 Jahre wirkte der Kulmainer (1910 bis 2003) als Weihbischof an der Regnitz.

Trotz dieser langen Zeit und vieler überdiözesaner Aufgaben, trotz Ehrendoktorwürde, Bayerischem Verdienstorden und Bundesverdienstkreuz - es gibt auch noch über zehn Jahre nach seinem Tod kaum Literatur über Wiesend. Diese Lücke schließt das Buch "Die Weihbischöfe in Bamberg". Auf 20 Seiten schildert Domkapitular Hans Schieber darin kurzweilig und aufschlussreich Lebenslauf, Funktionen und Engagement des Oberpfälzers, der in der Nachbardiözese zum "ersten und vorrangigen Mitarbeiter" des Bischofs aufstieg und damit quasi "zweiter Mann im Staat" war.

Fußball, Berge, Schafkopf

Die neun Kapitel sind sehr persönlich gehalten. Die Fußballbegeisterung des Kulmainer Ehrenbürgers - Wiesend war Fan des 1. FC Nürnberg - wird ebenso erwähnt wie sein Spitzname "Hermes", den er als Präfekt im Knabenseminar bekam, oder seine Leidenschaft für das Bergwandern und Bergsteigen, das Schafkopfspiel, aber auch für Zigaretten.

Der langjährige Weihbischof (1967 bis 1985) wird als ein "ganz normaler" Mensch gezeichnet, bescheiden und liebenswürdig, mit viel Gespür und Einfühlungsvermögen, als "väterlicher Typ", gleichzeitig direkt und geradlinig, "mit klarer Orientierung" und großem Durchhaltevermögen. Und: Martin Wiesend war "durch und durch gläubig".

Der Wunsch, Priester zu werden, war beim Jurastudium in München gereift. Seine Zugehörigkeit zur Katholischen Deutschen Studentenverbindung und Begegnungen mit beeindruckenden kirchlichen Persönlichkeiten - wie des 1987 seliggesprochenen Pater Rupert Mayer - spielten dabei laut Schieber eine Rolle.

Die Absage aus dem Regensburger Priesterseminar kommt in dem Buch ebenso zur Sprache wie die Aufnahme in Bamberg und die nationalsozialistische Verfolgung als Kaplan - Wiesend wurde von der Gestapo überwacht und verhört, erhielt Hausarrest und Redeverbot - sowie seine erste und einzige Pfarrstelle, St. Theresia in Nürnberg. In der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit stand der junge Geistliche in der zerstörten Stadt den Gläubigen bei, baute die Pfarrgemeinde wieder auf und führte sie zu neuer Blüte.

Für Mission und Weltkirche

1962 wechselte er als Domkapitular nach Bamberg, fünf Jahre später wurde er zum Weihbischof ernannt. Zugleich fungierte Wiesend als Dompropst und Bischöflicher Vikar, womit "zentrale Bereiche bischöflichen Handelns" einhergingen: unter anderem Priesteraus- und -fortbildung, Pfarrvisitationen sowie Personal-, Immobilien- und Grundstücksangelegenheiten. Bei der Neugestaltung des Doms Anfang der 1970er Jahre habe Wiesend die zentrale Führungsrolle innegehabt, macht der Autor zudem deutlich.

Daneben habe er sich mit großem Einsatz als Referent für geistliche Berufe sowie die Anliegen von Mission und Weltkirche eingebracht. Nicht zu vergessen die Seelsorge: Denn "Weihbischof Wiesend suchte die Menschen". Einmal feierte er innerhalb von vier Monaten 53 Firmgottesdienste - neben zahlreichen anderen Terminen.

Fünf Kraftquellen

"Persönliche Kraftquellen" halfen, die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Fünf an der Zahl hat Domkapitular Hans Schieber bei seinen Recherchen für das beeindruckende Lebensbild ausgemacht: seine enge Heimat- und Familienbindung, die Pfarrei St. Theresia, der "mitbrüderliche Kontakt zu vielen Priestern", die Berge und die katholischen Studentenverbindungen.

Martin Wiesend bleibe in Erinnerung als Weihbischof, der "die menschliche Seite der Diözesanleitung verkörpert" habe, zitiert der Autor einen Ruhestandspriester. Als "Mann des Zweiten Vatikanischen Konzils" habe er sich "immer wieder von Klerikalismus und von allen überflüssigen Hierarchien" distanziert, stellt Schieber eine Verbindung zu Papst Franziskus her.

"Die Weihbischöfe in Bamberg" von Andreas Hölscher und Norbert Jung (Hrsg.); erhältlich für 29,80 Euro im Bamberger Diözesanmuseum sowie im Buchhandel (ISBN 978-3-7319-0025-2).
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