Marode Statik mit Sprengkraft

Verstrebungen und Verschraubungen sorgen für zusätzliche Stabilität.
Lokales
Kulmain
23.10.2015
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Die Zimmererarbeiten sind abgeschlossen, der Dachdecker wartet noch auf die Lieferung der neuen Dachlatten. Dennoch geht es mit der fast 1,7 Millionen teuren Sanierung des Rathauses zügig voran.

Bei einer Baustellenbesprechung mit Zimmerermeister Hans Hecht aus Tirschenreuth wurden die letzten Details zum Abschluss der Instandsetzungsarbeiten am Dachstuhl des alten und neuen Verwaltungsgebäudes besprochen. "Wir liegen voll im Bauzeitenplan. Das Dach ist bis Ende November dicht", versicherte Peter Troppmann. Der für die Bauaufsicht und -leitung zuständige Architekt ist mit der sauberen und vor allem pünktlichen Arbeit des Tirschenreuther Betriebs zufrieden.

Verformte Konstruktion

In Zusammenarbeit mit dem Statikbüro ALS aus Amberg wurde für den maroden und instabilen Dachstuhl sowie die Balkendecken ein Sanierungsplan erstellt. In den vergangenen vier Monaten wurde der Dachstuhl im Auflagerbereich aufgefangen und verstärkt. Die Zimmerer erneuerten verfaulte Holzteile und beseitigten Feuchtigkeitsschäden. Die Schub- und Druckkräfte des Daches hatten die Balkenkonstruktion massiv verformt. Sie drohten die bereits mit Rissen durchzogenen Außenwände aufzusprengen und irreparable Schäden zu hinterlassen. Neue Kehlbalken, Schwellen, Stützen und Streben fangen diese statischen Kräfte ab. Metallplatten und Verschraubungen sorgen für zusätzliche Stabilität und senkrechtes Ableiten der Dachlasten auf die Mauern. Am Traufgesims waren zudem Steinmetzarbeiten an herausgedrückten Natursteinen erforderlich.

Die Sanierung des bis Herbst 2011 als Rathaus genutzten Alten Schlosses ist einer der Kernpunkte des vom Regensburger Architektenbüro Ost3 erarbeiteten Entwicklungskonzepts. Dieses war Voraussetzung für Mittel aus dem bayerischen Städtebauprogramm. Zusätzlich erhält die Gemeinde Zuschüsse vom Bezirk, Landkreis und von der Bayerischen Landesstiftung. Im Vorgriff wurde 2011 die Ostseite des Gebäudes unter finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalschutz, des Bezirks und der Landesstiftung trockengelegt.

Im März 2015 erließ die Regierung der Oberpfalz den Förderbescheid zur "Modernisierung des Alten Schlosses" mit Gesamtkosten in Höhe von 1 665 449 Euro. Davon förderfähig sind eine Million Euro; der Fördersatz beträgt voraussichtlich 80 Prozent. Der Eigenanteil der Gemeinde wird bis zu 700 000 Euro betragen. Erklärtes Ziel sei, mit der Sanierung dieses historischen Gebäudes ein Zeichen zu setzen und der Vorbildfunktion als Gemeinde gerecht zu werden. "Damit wollen wir den Ortskern aufwerten und stärken sowie Verwaltungsräume für eine moderne Gemeindeverwaltung schaffen", verdeutlichte Bürgermeister Günter Kopp.

Zimmerermeister Kurt Kraus vom gleichnamigen Dachdeckerbetrieb aus Großkonreuth übernimmt den Baustellenschlüssel. In den nächsten fünf Wochen werden die bereits großteils eingeschalten und mit einer wasser- und winddichten Dachbahn belegten Dachflächen eingelattet und mit Biberschwänzen eingedeckt.

Im Winter isolieren

Vorher erledigt die Firma von Werner Brunner die Spenglerarbeiten. Der Kulmainer Betrieb installiert auch die neuen Dachrinnen. Zudem sind mehrere Dachgauben noch aufzubauen. Für den Winter sind die Isolierung des Walmdaches und der Ausbau des großteils entkernten Gebäudes vorgesehen. Die Baumeisterarbeiten sind vergeben, so dass die Firmen über den Jahreswechsel weiterarbeiten können. Kurz notiert
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