Mit dem Rollator im Hamsterrad

Lokales
Kulmain
15.10.2014
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Ein paar Männer hätten schon noch Platz gefunden. Doch ein Frauenkabarett - das schreckte wohl viele ab. Dabei gingen die vier Damen von Intakt ganz sanft mit dem starken Geschlecht um.

(bkr) Immer mehr, immer toller, immer größere Häuser, aber immer kleinere Familien. Die vier oberfränkischen Amazonen aus Hof durchleuchteten bei ihrem Auftritt im Kultursaal im Haus des Gastes die unersättliche Wohlstandsgesellschaft.

Schonungslos zerpflügten sie ironisch und kritisch den Zeitgeist einer von der Wiege bis zum Rollator auf Leistung getrimmten Gesellschaft, die sich mit ihrem Bürokratismus oft selbst im Weg steht und Sinnvolles verhindert. Mit ihren verbalen und musikalischen Attacken, oft eingehüllt in possenhafte Sprachbilder, blieben sie aber fair und stets über der Gürtellinie.

Eingeladen zu dem hören- und sehenswerten Abend hatten die Kulmainer Pfadfinderfreunde. Ihr Vorsitzender Dietmar Scherer blickte in einen fast vollen Saal. Wer fehlte, waren Männer. Sie blieben bei dem dritten Auftritt des Hofer Frauenkabaretts in der Gemeinde in der Minderheit. Umso herzlicher begrüßte das Quartett die wenigen Vertreter des starken Geschlechts, die den Weg zu ihnen gefunden hatten, statt bequem zu Hause auf der Couch zu sitzen. Diejenigen, die zu Hause geblieben waren, verpassten ein intensives Lachmuskeltraining.

Männer denken anders

Männer denken halt anders als Frauen. Männerfeindlich waren die vier Damen aber auf keinen Fall. Vielmehr malten sie das bunte Bild, des mit Sehnsucht nach der Sünde ausgezeichneten, perfekten Rastermenschen, der manipuliert und von sozialen Zwängen gedrängt sein Leben dahin fristet.

Der Bürokratismus, der selbst den Bau einer neuen Arche Noah verhindert, war ein Lieblingsthema. Als Retter Deutschlands vor dem Hochwasser hätten sie in Kulmain auch das zum Abbruch vorgesehene Daddy-Haus und die Gemeinde vor der Monstertrasse bewahrt. Heike Vogel, Liz Wilczek, Helen Diaz und Kathrin Bötsch meinten, das Ende sei der Anfang von der anderen Seite, und vieles müsste in der schnellen Zeit und angesichts der Sprachlosigkeit neu beginnen. Deshalb stand das Programm unter dem Titel: Vorwärts Leut', wir müssen zurück!"
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