Stecker bleibt drin

Lokales
Kulmain
06.11.2014
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Im neuen Netzentwicklungsplan gibt es keine Gleichstromtrasse mehr quer durch den Steinwald. Ein Verdienst, das sich die örtlichen Bürgerinitiativen anheften. Erledigt sehen deren Vertreter ihre Arbeit aber noch lange nicht.

Markus König von der Bürgerinitiative "Kulmain/Immenreuth sagt nein" bleibt skeptisch. "Wir sind noch nicht zufrieden, denn der Betreiber Amprion hält weiter an den Trassenplänen durch den Steinwald fest." Die Arbeit und den Protest der BI sieht er aber schon jetzt bestätigt.

Prozess angestoßen

"Wir haben einen Prozess in Gang gesetzt, der nun einen Teilerfolg verbucht: Es wird über einen alternativen Trassenverlauf diskutiert wird." Allerdings hätten es sich alle Bürgerinitiativen auf die Fahne geschrieben, nicht den Verlauf, sondern die Trassen zu verhindern. "Deren Notwendigkeit ist weiterhin nicht nachgewiesen." Die Trasse sei weiter in Planung, weil der Netzbetreiber nicht klein bei gebe und Geld verdienen will. "Und solange sich dieser Zustand nicht ändert, geben wir keine Ruhe."

Die Bemühungen um einen alternativen Verlauf nehme die BI zur Kenntnis. König verlangt aber "Fakten schwarz auf weiß". Vorher wolle er nicht von einem Erfolg sprechen. Sollte die Trasse tatsächlich nicht durch den Steinwald verlaufen, hätte die BI einen Teilerfolg erzielt, werde sich danach aber nicht auflösen. "Das ist nicht geplant, wir werden im Aktionsbündnis die weiterhin betroffenen BIs unterstützen, bis die Trassenpläne komplett ad acta gelegt werden.

Kein Braunkohlestrom

Ins gleiche Horn stößt Annke Gräbner von der BI Speichersdorf. "Wir handeln nicht nach dem St-Florians-Prinzip. Die Gleichstromtrasse braucht es nicht. Es handelt sich nur um eine Geldwaschanlage und puren Profitwahn des Betreibers." Zudem schenke sie den Aussagen keinen Glauben, dass kein Braunkohlestrom transportiert werden soll, viele Bemerkungen seien Augenwischerei.

Aber auch Gräbner ist der Meinung, dass der "laute Aufschrei" der Bürgerinitiativen für Bewegung gesorgt hat: "Erdverkabelung, Abstandsregelung oder der Energiedialog gehen auf das Bemühen der mehr als 70 BIs zurück." Solange sich die Trasse nur verschiebt, bewegten sich die Gegner parallel dazu mit. "Wenn wir nicht gehört werden, sollte der Protest ähnliche Ausmaße annehmen wie damals in Wackersdorf."

Für Martin Wittmann von der BI "Steinwald sagt nein" ist die Verschiebung der Gleichstromtrasse im neuen Netzentwicklungsplan "nichts weiter als ein übler Taschenspielertrick". Die Region könne nicht sicher sein, dass die Trassen nicht doch einst durch die Gegend verläuft. "Die Passage ist nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich." 26 000 Einwände besorgter Bürger seien einfach übergangen worden. "Da sieht man, wie mit unseren Meinungen umgegangen wird." Die Veröffentlichung des neuen Netzentwicklungsplans exakt zum Auftakt des Energiedialogs der Bayerischen Staatsregierung bezeichnet Wittmann als "medialen Schachzug". "Wir geben nicht auf und setzen uns weiter für eine gesellschaftlich breiter aufgestellte Diskussion sowie eine unabhängige Netzplanung ein."
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