Manfred Bayer und (41 Jahre) mit seinem Beifahrer Marco Wiesent behalten Orientierung
Mit der 13 zur Meisterschaft

Marco Wiesent und Manfred Bayer (von links) haben mit ihrem Subaru Impreza Allrad, Baujahr 1996, schon einige Pokale eingefahren. Mit dem von der Firma Autoteile Pöllath gesponserten Wagen feierten sie jetzt mit der bayerischen Meisterschaft im Orientierungsfahren ihren größten Erfolg. Bild: jsa
Sport
Kulmain
30.03.2016
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Im Prinzip ist der Subaru Impreza von Manfred Bayer aus Aign und Marco Wiesent aus Kulmain ein ganz normales Auto. Nur die Zusatzscheinwerfer und die Lackierung heben es von der serienmäßigen Ausstattung ab. Dennoch gelang beiden mit dem 115-PS-Wagen ein außergewöhnlicher Erfolg.

Pilot Manfred Bayer (41 Jahre) und Beifahrer Marco Wiesent (40) errangen damit die bayerische Meisterschaft im Orientierungsfahren in der Amateur-Klasse - und das mit der Startnummer 13. Durch diesen Erfolg startet das Duo künftig in der Profi-Klasse. Doch dafür mussten die beiden Oberpfälzer, die 2011 mit dieser Sportart anfingen, zunächst Lehrgeld zahlen, wie sie NT-Berichterstatter Jürgen Rauch im Interview verrieten.

Was muss man sich unter einer "Orientierungsfahrt" vorstellen?

Manfred Bayer: Im Wesentlichen geht es um die Wegfindung auf Karten. Dabei spielen Leistung des Fahrzeugs und Geschwindigkeit kaum eine Rolle. Am Start bekommt man einen Fahrauftrag, der überwiegend aus topografischen Karten besteht. Aufgezeichnet sind Start und Ziel sowie einige Kontrollpunkte. Daraus muss der Beifahrer eine logische Fahrtstrecke ausarbeiten, wobei einige grundsätzliche Regeln zu beachten sind. Als Beispiel: Eine Straße, die du in einer Richtung befahren hast, darf nicht in die entgegengesetzte Richtung befahren werden.

Und die Schnellsten sind Sieger?

Marco Wiesent: Nee, so einfach ist das nun auch wieder nicht. Entlang der Strecke sind Schilder mit Zahlenkombinationen, sogenannte "stumme Kontrollen" aufgestellt. Die muss man sich notieren, natürlich in der richtigen Reihenfolge. Auch sind Markierungen im Streckenplan eingezeichnet, die von der korrekten Richtung angefahren werden müssen. Dort stehen meist Streckenposten, bei denen man zur Kontrolle die Bordkarte abstempeln lassen muss. Für jedes Fehlverhalten, Auslassen einer Kontrolle, Vergessen einer Streckenmarkierung, Überschreiten des Zeitlimits, gibt es bis zu 10 Strafpunkte. Am Ende siegt die Mannschaft mit den wenigsten Punkten.

Aber für was braucht man einen Beifahrer? Ich kann doch das Ziel einfach ins Navi eingeben...

Navis und andere elektronische Hilfsmittel sind nicht erlaubt, sonst wäre das ja einfach. Wird jemand bei einer solchen Unsportlichkeit erwischt, wird er disqualifiziert. Es gibt aber einen Ehrenkodex unter den Fahrern, bei uns ist das jedenfalls noch nicht vorgekommen. Als Beifahrer suche ich die kürzeste Strecke heraus und lotse den ,Manne' durch die Straßen und Wege. Nebenbei muss ich noch die stummen Kontrollen notieren. Das ist schon nicht ohne. Im Prinzip wie bei einer Rallye.

Kann man Orientierungsfahren und Rallye irgendwie vergleichen?

Bayer: Eine Orientierungsfahrt ist eine Veranstaltung ohne Renncharakter. Primär geht es darum, den richtigen Weg ins Ziel zu finden. Zudem sind bei den Kosten gravierende Unterschiede. Bei einer Rallye kann die Startgebühr weit über 100 Euro betragen, wir kommen im Schnitt mit 30 Euro aus. Ganz zu schweigen von der Summe, die ein wettbewerbsfähiges Rallyeauto verschlingen würde. Für eine Orientierungsfahrt reicht ein serienmäßiger Pkw. Gerade deswegen ist das Orientierungsfahren attraktiv für Motorsportneulinge, ein verkehrstüchtiges Auto hat doch jeder, und mehr braucht man nicht.

Wenn ich Samstag Lust verspüre, melde ich mich einfach zum Rennen an und ab geht's?

Wer an einer Meisterschaft teilnehmen möchte, muss für einen Automobilclub antreten. Wir fahren für den AC Waldershof. Aber am Anfang zahlt man einiges an Lehrgeld, es hört sich schon etwas leichter an als es dann am Ende ist.

Wie war bei euch am Anfang?

Wiesent (lacht): Ganz bitter! Bei unserem ersten Rennen waren am Ziel nur noch zwei Aufsichten, die uns erwartet haben, der Rest war schon bei der Siegerehrung. Bis wir das erste Mal im Zeitlimit geblieben sind, hat es schon etwas gedauert.

Und dann kamen die Erfolge?

Man spielt sich ein, gewisse Automatismen stellen sich ein. Dann kamen die ersten Siege, wir wurden Sieger des Nordostoberfrankenpokals, Landkreismeister 2015 und haben nun mit der bayrischen Meisterschaft den größten Erfolg geschafft.

Seid ihr nun Profis, weil ihr in die Profi-Klasse aufgestiegen seid?

Bayer: Schön wär's! In der Profi-Klasse sind einfach die Strecken anspruchsvoller und die Aufgabenstellung schwieriger. Übrigens, als Fahrer dürfte ich mit neuem Beifahrer noch einmal in der Amateur-Klasse beginnen, ein Beifahrer, der es bis in die Profi-Klasse geschafft hat, darf das nicht. Als Team können wir also nicht mehr absteigen.

Wie sind eure Zukunftspläne?

Wir wollen uns erst einmal in der Profi-Klasse etablieren. Die Saison hat schon begonnen und wir haben mit drei achten Plätzen und einem elften Platz für uns passable Resultate erzielt.

Wiesent: Mehr wollen wir gar nicht. Man könnte schon auf Landesebene weiter machen, aber dazu fehlen uns die Zeit und Lust. Wichtig für uns ist der Spaß an der Sache. Zu ernst sollte man das Ganze eh nicht nehmen.

Wenn jemand neugierig geworden ist, an wen kann er sich wenden?

Bayer: Interessierte können sich im Internet unter www.boc-ori.com schlau machen. Es gibt auch jeder ADAC-Orts-Club Auskunft. Bei uns wären der AC Waldershof oder der MSC Wiesau Ansprechpartner. (Hintergrund)
Bei unserem ersten Rennen waren am Ziel nur noch zwei Aufsichten, die uns erwartet haben, der Rest war schon bei der Siegerehrung.Marco Wiesent
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