Sportlerwahl 2015
"Der Stier von Kulmain"

Unwiderstehliche Fahrt durch die Stangen. Gerd Schönfelder rast im Januar 2008 einem seiner vielen Siege entgegen. In der langen Karriere sammelte der Kulmainer 16 paralympische Goldmedaillen und 11 WM-Titel. Bild: hfz
Sport
Kulmain
12.01.2016
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Für mich ist Skifahren die schönste Sportart. Faszination sind Geschwindigkeit, Fliehkräfte und eine gigantische Natur.

Zu seinen aktiven Zeiten machte er immer wieder große Sprünge, privat hat er aber nie abgehoben. Der erfolgreichste deutsche Behindertensportler, Gerd Schönfelder, weiß seine sportlichen Erfolge richtig einzuschätzen.

Das Attribut "Stier von Kulmain" hat sich Gerd Schönfelder in über 20 Jahren als aktiver Skifahrer in der deutschen Behinderten-Nationalmannschaft erarbeitet. 16 Goldmedaillen bei fünf Winter-Paralympics sowie 11 WM-Titel deuten auf eine Erfolgsserie hin, die ihresgleichen sucht. Aber trotz aller Präsenz in den Medien ist der Kulmainer seinen Wurzeln treu geblieben und hat Vorbildfunktion für die ganze Region übernommen.

Erst mit 40 beendete er seine Karriere als Skirennfahrer, gerade rechtzeitig, um sich um seine Familie kümmern zu können. Inzwischen pendelt Gerd Schönfelder trotzdem noch von Termin zu Termin, weil er sich mehrere Standbeine aufgebaut hat. Diese reichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Trainertätigkeiten über Vortragsreihen bis hin zu Tätigkeiten in verschiedenen Verbänden sowie als Fachkommentator im Fernsehen. Ehrenamtlich mischt Schönfelder als Kreis- und Gemeinderat mit. Stolz ist der Kulmainer neben der Flut von Medaillen auch über die Auszeichnungen zum Behindertensportler des Jahres 2010 und 2011, zum Weltbehindertensportler des Jahres und zum Sportchampion 2012 der Deutschen Sporthilfe.

Gerd Schönfelder fühlt sich wohl mit seiner Familie in Kulmain und ist mit seiner derzeitigen Situation glücklich. Das war nicht immer so, vor allem nach dem schrecklichen Unfall 1989, als er unter einen anfahrenden Zug geriet und danach den rechten Arm und drei Finger der linken Hand verlor. Aber die Mentalität eines Gerd Schönfelder ließ den jetzt Behinderten nicht verzweifeln. Schnell erkannte er, dass der Sport eine große Chance für ihn ist. Und diese Chance nutzte er, stürzte sich in die Trainingsmöglichkeiten und arbeitete sich Stück um Stück in den Vordergrund.

Für mich ist Skifahren die schönste Sportart. Faszination sind Geschwindigkeit, Fliehkräfte und eine gigantische Natur.Gerd Schönfelder

Nachgefragt

Welche Ihrer vielen Goldmedaillen ist für Sie die wertvollste?

Schönfelder: Obwohl ich so viele Titel gewonnen habe, hat jeder seine Wertstellung. Außergewöhnlich war auf jeden Fall mein Slalom-Sieg 1998 in Nagano mit gerissenem Kreuzband. Besonders gerne erinnere ich mich an die Abfahrtssiege in Turin 2006 und Vancouver 2010. Denn wer die Königsdisziplin gewinnt, ist der Chef. Den Spitzenplatz nimmt mein letztes Paralympics-Gold ein, als während der Super-Kombi in Vancouver unser Sohn Leopold geboren wurde.

Würden Sie wieder alles so machen?

Schönfelder: Natürlich! Es hat ja alles wunderbar gepasst, warum sollte ich da etwas ändern. Bei der gleichen Chance könnte ich höchstens die eine oder andere Kleinigkeit anders machen.

Was raten Sie jungen Menschen, die so ein Schicksal wie Sie erleiden mussten?

Schönfelder: Es ist nicht einfach, einen schweren Unfall mit körperlichen Folgen psychisch zu verarbeiten. Wichtig ist, die Hoffnung nicht zu verlieren und durch Willen und Ehrgeiz Stück für Stück zurückzuholen. Rückschläge dürfen nicht zur Aufgabe führen, vielmehr sollten Fähigkeiten und Talente zu kleinen Erfolgserlebnissen genutzt werden.

Was bedeutet der alpine Skisport heute für Sie?

Schönfelder: Ich bin als Trainer ja direkt dabei. Für mich ist Skifahren die schönste Sportart. Faszination sind Geschwindigkeit, Fliehkräfte und eine gigantische Natur. Vor allem das letzte genieße ich mit Tourenskiern, mit denen ich immer öfter unterwegs bin. Unsere Kinder, Emilia (8) und Leopold (6), sind gute Skifahrer und tummeln sich mit mir gerne in Mehlmeisel oder auf dem Ochsenkopf.

Welchen Stellenwert hatte die mehrfache Wahl zum NT-Sportler des Jahres?

Schönfelder: Das war immer eine Supersache, weil ich damit eine Anerkennung aus der Region erfahren habe. Diese gefühlte Unterstützung war ein angenehmes Gefühl.

Seine Erfolge

Medaillen bei Paralympics

1992 Albertville: Gold in Abfahrt, Riesenslalom und Super-G

1994 Lillehammer: Gold in Abfahrt und Slalom; Silber in Super-G und Riesenslalom

1998 Nagano: Gold im Slalom; Bronze im Riesenslalom

2002 Salt Lake City: Gold in Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom

2006 Turin: Gold in Abfahrt und Riesenslalom; Silber im Super-G; Bronze im Slalom

2010 Vancouver: Gold in Abfahrt, Riesenslalom Super-G und Super-Kombination; Silber im Slalom

WM-Medaillen

1996: Gold in Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom

2000: Gold in Abfahrt, Super-G und Slalom;

2004: Gold in Abfahrt; Silber im Riesenslalom

2009: Gold in Abfahrt, Super-Kombi und Teamwettbewerb, Silber im Super-G

NT-Sportlerwahl

Siege: 1992, 1996, 1998, 1999, 2000, 2002, 2004, 2005, 2006, 2009 und 2010
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