Geduld und Sitzfleisch sind gefragt

Vermischtes
Kulmain
19.06.2015
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Geduld, Geduld und nochmals Geduld: Wer diese Eigenschaft nicht mitbringt, steht schon auf verlorenem Posten. Einen seriösen Goldschmied, der "schnell-schnell" oder "zack-zack" arbeitet, wird man nicht finden.

"Die Geduld muss sich auch in viel Sitzfleisch niederschlagen", sagt Willi Moller. Der 63-jährige Goldschmied betreibt seit über 30 Jahren eine eigene Goldschmiede in Kulmain, seine professionelle Arbeit - und hier sind wir wieder bei den Themen Geduld und viel Sitzfleisch - wird weit über die unmittelbare Region hinaus geschätzt.

"Irgendwie ist man Handwerker und Künstler zugleich", erzählt Moller. Er selbst sieht den echten handwerklichen Anteil an seiner täglichen Arbeit bei fast 100 Prozent. Moller hat den klassischen Weg zu seinem Beruf durchlaufen: Erst hat er eine dreieinhalbjährige Lehre absolviert, anschließend eine viersemestrige Ausbildung zum staatlich geprüften Schmuckdesigner gemacht und schließlich auch noch die Meisterprüfung abgelegt. Der Schritt in die Selbstständigkeit folgte dann 1984. "Erst in kleinen Räumen, ab 1989 dann mit einer großen Werkstatt und einem Verkaufsladen", erzählt Moller, dessen Lebensgefährtin Inge Kastner dieselbe Ausbildung durchlaufen hat und mit der er sich deshalb auch beruflich perfekt ergänzt.

Gold, Silber, Platin, Stahl

Gold ist natürlich ein wesentlicher Werkstoff Mollers - aber nicht der einzige: "Dadurch, dass sich der Goldpreis enorm verändert hat, muss man natürlich auch besser kalkulieren." Silber, Platin und Stahl gehören genauso dazu. Die Wünsche nach Materialkombinationen würden immer mehr zunehmen, Gold werde oftmals nur noch akzentuiert eingesetzt. Manches sei natürlich auch eine Geldfrage, aber mindestens genauso viel richte sich nach dem Design und der Verwendung von Edelsteinen. "Ganz einfach gesagt: Es ist eine Geschmackssache, manches wirkt in Silber besser, anderes in Gold", so Moller.

Wer will, kann bei Willi Moller natürlich viel Geld investieren - und bekommt dafür hochwertige und individuelle Schmuckstücke wie Ringe, Armbänder, Ketten oder Ohrringe. Das heißt natürlich nicht, dass es ausschließlich "teure Dinge" gibt: Denn wer mit dem "kleinen Geldbeutel" zu Willi Moller kommt, dürfte in der Regel auch fündig werden. "Die Massenprodukte und Serien, die im Ausland hergestellt werden und übers Internet vertrieben werden, sind aber eine andere Liga", so der Kulmainer.

Moderner, vielseitiger und kreativer ist der Beruf geworden, erzählt Moller im Rückblick auf die eigenen ersten Schritte im Berufsleben. Gleichzeitig gibt Moller aber auch zu bedenken: "Als Goldschmied ist es nicht leicht, in der Region unterzukommen: Hier müsse man auch flexibel sein und eine "Luftveränderung" nicht scheuen - so wie es auch viele seiner bisherigen Azubis nicht getan haben, die es weit verstreut hat. Auch wenn Moller selbst noch nicht unmittelbar ans Aufhören denkt, macht ihm das allgemeine "Sterben" von Goldschmieden schon Sorge. Mittelfristig hofft er deswegen, einen Nachfolger für seinen Betrieb in Kulmain zu finden.

Ehrlich sein

Neben Geduld gehörten auch gute Augen und handwerkliches Geschick zu den grundlegenden Voraussetzungen: "Feilen ist das A und O des Berufs." Filigran ist die tägliche Arbeit mit Feile, Zange, Säge, Walze und Fräser, auch Löten und Biegen gehören dazu. "Vieles gleicht der Arbeit des Zahntechnikers", meint der 63-Jährige. Unabdingbar ist für Moller auch ein wesentlicher Charakterzug - nämlich Ehrlichkeit. "Man geht mit Materialien um, die teuer und wertvoll sind. Da darf es keinen Zweifel geben."
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