Georg Pilhofer informiert Seniorenbeauftragte über Ursachen von Demenz und Umgang mit Patienten
In Welt der Erkrankten versetzen

Georg Pilhofer. Bild: bkr
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Kulmain
04.06.2016
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"Honig im Kopf": Die Tragikkomödie mit Dieter Hallervorden beschreibt, was 1,5 Millionen Menschen in Deutschland erleben: Demenz. Die krankheitsbedingte Störung des Gehirns hat viele Ursachen und kommt schleichend. Das Wissen darüber stellten die 27 Seniorenbeauftragten aus dem Landkreis in den Mittelpunkt ihres Treffens.

Im Feuerwehrgerätehaus ging es am Donnerstag vor allem um den Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Auch besprachen die Teilnehmer Möglichkeiten, dem geistigen Verfall entgegenzuwirken. Die Verhaltensweise der Betroffenen mit Humor ertragen und lernen, mit der Krankheit umzugehen, so überschrieb Georg Pilhofer sein Referat.

Gerade für den Landkreis Tirschenreuth sah er aufgrund der zunehmenden Veralterung eine besondere Herausforderung und die Notwendigkeit, eine zielgerichtete Versorgung aufzubauen. "Die Angehörigen eines Demenzerkrankten leiden mehr als der Betroffene selbst", betonte der Diplom-Sozialpädagoge (FH) und Gerontotherapeut aus Amberg.

Auch Jugendliche betroffen


Er beleuchtete Demenz in seinen verschiedenen Erscheinungsformen sowie dem zeitlich und örtlichen Gedächtnisverlust. "Betroffene können sich nicht mehr auf die Welt der Gegenwart einstellen", hob er hervor und auch, dass Demenz nicht mit Medikamenten geheilt, sondern nur aufgehalten werden kann. Selbst Jugendliche könnten von dieser Krankheit betroffen sein.

Drogenkonsum und Alkohol führten durch den hirnorganischen Abbau zu noch mehr Demenzerkrankungen. Langsam fortschreitend sei der Vorgang. 20 bis 30 Jahre könne er dauern, bis er erkannt wird. Demenz könne durch Vererbung erworben werden, aber auch in Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln ihre Ursachen haben, erklärte Pilhofer. Kritisch stand der Referent auch Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat und den Weichmachern in Getränkeflaschen aus Kunststoff gegenüber.

Vorbeugen ist ein Mittel und es heißt: "Wer rastet, der rostet.": Jeden Tag jeweils eine halbe Stunde bewegen, schwitzen und Gehirnjogging betreiben sowie soziale Kontakte pflegen.

Ernährung ist ein anderes Feld, um der Demenz entgegenzuwirken. Viel Obst, Vitamine aus natürlichen Quellen, fett- und cholesterinarm ernähren, Gemüse und Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, empfahl der Redner. Bei Letzterem blickte der Referent auf die Küche des Mittelmeerraums. Und noch eines legte er nahe: Spiritualität. Besuche des Gottesdienstes täten ebenso gut, wie Joga und Entspannung.

Demenz beeinträchtigt das Gedächtnis, die Orientierung, das Denkvermögen, die Sprache, die Aufmerksamkeit und das Urteilsvermögen. Erkrankte überschätzen sich. Ein typisches Beispiel ist die Befragung durch den Medizinischen Dienst bei der Feststellung der Pflegestufe. Demenzkranke geben an, alles zu können - mit den entsprechenden negativen Folgen bei der Zuteilung der Pflegestufe.

Pilhofer riet zur Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung für die Zukunftsplanung sowie die Einleitung einer medizinischen Behandlung. Er forderte eine wertschätzenden Umgang mit Demenzerkrankten: sich auf ihre Welt einlassen und die Sprache anpassen, Ruhe und Sicherheit vermitteln, nicht auf Defizite hinweisen, den Betroffenen ernst nehmen sowie Anschuldigungen nicht persönlich nehmen.

Bei der Unterhaltung langsam sprechen, einfache Sätze bilden, keine "Wieso-Weshalb-Warum-Fragen" stellen, aufmerksam zuhören, waren weitere Ratschläge des Referenten. Im Bedarfsfall stehen Gerontopsychiatrische Beratungsstellen zur Verfügung. In Tirschenreuth ist sie unter Telefon 0 96 31-79 89 50 erreichbar. (Hintergrund)
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