Manuela Sommer schnitzt Obst und Gemüse
Geschnitzt statt geschält

Manchmal stellt sich Manuela Sommer eine Blumenschale der besonderen Art auf den Tisch. Bild: esm (3)
Vermischtes
Kulmain
05.10.2016
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"Da hätte ich manchmal am liebsten das Gemüse gegen die Wand geworfen." Zitat: Manuela Sommer über ihre ersten Schnitzversuche

Ständig Gemüse? Ja bitte! Manuela Sommer kann von Kürbissen und Karotten nicht genug bekommen. Aus denen zaubert sie jeden Tag kleine Kunstwerke.

Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Bevor die 53-Jährige ihrem Lebensgefährten Suppen und Salate auftischt, schnitzt sie aus Radieschen Blumen, schneidet aus Zucchinis die dazugehörigen Blätter aus und funktioniert Melonen einfach zur Blumenvase um.

Was nach einem Handwerk aussieht, dass den Künstler schnell an seine Geduldgrenze bringen kann, empfindet Sommer als Entspannung. "Wenn ich in meiner Küche sitze und schnitze, kann ich voll abschalten." Am Anfang habe das noch anders ausgesehen, gibt sie zu. "Da hätte ich manchmal am liebsten das Gemüse gegen die Wand geworfen", lacht die Frau.

Der Oma sei Dank


Dass sie zu diesem ungewöhnlichen und "irgendwie meditativen" Hobby gekommen ist, verdankt die Kulmainerin ihrer Oma. Der wollte sie nämlich zu ihrem 80. Geburtstag etwas Besonderes schenken. "Dafür habe ich im Internet nach einer Idee gesucht und bin auf einen Schnitzkurs für Obst und Gemüse gestoßen." Um die Großmutter mit einem individuellen Geschenk zu überraschen, meldete sich Sommer kurzerhand für das zweitägige Seminar in Bad Hofgastein (Österreich) an. "Bei uns in der Umgebung gibt es solche Kurse nämlich leider nicht", bedauert die Hausfrau.

Mit einem Zertifikat und um viele Schneide- und Schnitztechniken reicher kam die Kulmainerin von dem Kurs zurück. Der Unterricht bei der Thailänderin Angkana Neumayer hat sie beeindruckt. "Es ist unglaublich, wie schnell diese Frau aus Melonen eine Rose zuschneidet oder Gesichter hinein ritzt."

Kein Spielzeug


Acht Techniken - dazu gehören verschiedene Schnitt-Arten oder auch Ausstechen - gibt es, um aus Obst und Gemüse kleine Kunstwerke zu zaubern. "Die beherrsche ich aber noch lange nicht alle", erklärt die 53-Jährige. Vor allem Tierfiguren bereiten ihr noch Schwierigkeiten. "Wegen der 3D-Ansicht."

Das Messer legt Sommer selten aus der Hand. "Ich schnitze jeden Tag, das brauch' ich einfach." Sie ist dennoch der Meinung, dass man mit Essen nicht spielt. Ob ihre Machwerke oder die Überreste, das meiste kommt bei Sommer anschließend auf den Tisch. "Klar schaue ich mir eine Arbeiten gerne an, aber bevor ich sie verderben lasse, esse ich sie lieber."

Ihr ist es außerdem wichtig, nur saisonelle Sorten zu verwenden. "Dann gibt es im Herbst eben öfters Kürbissuppe und im Sommer Obstsalate." Von Wassermelonen habe sie aber erst einmal genug, denn mit denen hat sie die letzten Monate überwiegend gearbeitet. "Standartgemüse wie Karotten pflanze ich aber selber an."

Alles zu gebrauchen


Wie viel Kilogramm Obst und Gemüse sie seit letztem Jahr verarbeitet hat, weiß die Frau nicht. "Aber seitdem leben wir definitiv gesünder", lacht sie. Eine Lieblingsorte hat sie nicht, zumindest nicht beim Schnitzen: Von Rettich, Auberginen und Sellerie bis hin zu Avocados eignet sich alles. "Wobei Wassermelonen und Gurken für den Anfang recht schwer sind."

Bisher kreiert Sommer Melonen-Zucchini-Blumenschalen und Ananas-Tiere nur für sich selbst. "Ab und zu habe ich schon was für Familie und Freunde gemacht." Geschafft habe sie es noch nicht, jemanden mit ihrer Leidenschaft anzustecken. "Dazu fehlt ihnen einfach genügend Geduld."

Da hätte ich manchmal am liebsten das Gemüse gegen die Wand geworfen.Manuela Sommer über ihre ersten Schnitzversuche


Was braucht man zum Gemüseschnitzen?Wer aus Obst und Gemüse einen Hingucker machen möchte, kommt mit einem normalen Küchenmesser nicht weit. "Ich habe mir spezielle Geräte im Internet bestellt", erklärt Manuela Sommer. Wie viele Messer sie besitzt, weiß sie nicht, aber ihre Sammlung ist groß. In einer schwarzen Nylontasche bewahrt sie scharfe Kerbmesser, Thaimesser, Meißel und Kugelformer auf.

Für Blüten oder gezackte Blätter hat sie eigene Ausstecher. "Die Faserung ritze ich dann wieder selbst hinein." Anregungen holt sich Sommer zum Teil aus dem Internet, zum Teil aus einem Buch von Angkana Neumayer. Manchmal lässt sie ihrer Kreativität auch einfach freien Lauf und experimentiert herum. "Irgendwann hat man auch eigene Ideen und Vorstellungen , was gut aussehen könnte." (esm)
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