Reaktion der Bürgermeister von Kulmain, Brand und Ebnath auf Bankenschließungen
Kein positiver Effekt erkennbar

Kulmainer Raiffeisenbank-Kunden, die Geld abheben oder ihren Kontostand ausdrucken wollen, sind ab Mai bei der Sparkasse richtig. Beides lässt sich noch in dem Pavillon in der Hauptstraße erledigen. Wer aber zum Beispiel eine persönlich Beratung benötigt, muss den Weg nach Kemnath antreten. Bild: ak
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Kulmain
10.03.2016
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Die Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG schließt zum 1. Mai ihre Geschäftsstellen in Kulmain und Brand. Die Sparkasse Oberpfalz Nord macht das gleiche in Ebnath. Klar, dass die Bürgermeister darüber nicht jubeln. Der Kulmainer Rathauschef Günter Kopp moniert aber vor allem die Vorgehensweise der Banker.

Kulmain/Ebnath/Brand. Ihn und seinen Stellvertreter Albert Sollfrank hatten die Verantwortlichen beider Kreditinstitute am Freitag zu einem Gesprächstermin gebeten. Da war die Entscheidung, in ihrer Gemeinde eine Selbstbedienungs-Gemeinschaft (SB) einzurichten aber schon längst gefallen. Diese erklärten laut Kopp den Schritt mit einem rückläufigen Geschäftsvolumen und Kundenaufkommen.

Der Bürgermeister, dessen Kommune dadurch die letzte Geschäftsstelle mit Beratung verliert, kritisiert, dass sich die Banken im Vorfeld nicht mit den betroffenen Gemeinden zusammengesetzt und mit ihnen über mögliche Lösungsvorschläge gesprochen haben. "Die Gemeinde vor vollendete Tatsachen zu stellen, ohne einen Dialog zuzulassen, gibt zu denken", meint Kopp. Die Entscheidung diene einzig dazu, "Betriebskosten zu optimieren und gewinnorientiert in die Zukunft zu marschieren".

Er könne den "angepriesenen positiven Effekt" durch einen gemeinsamen Auszahlungsautomaten nicht nachvollziehen. Der Politiker sieht "die Bemühungen zur Stärkung der Ortskerne und Sicherstellung der Versorgung" seitens der Kommunen gefährdet. Es finde "hier eine Kehrtwendung statt, die uns alle im Kern trifft". Die verantwortlichen Banker seien sich ihrer großen Verantwortung nicht bewusst.

Moderatere Töne schlägt Kopps Ebnather Amtskollege Manfred Kratzer an, auch wenn bei ihm "Begeisterung anders aussieht". Er und das Brander Gemeindeoberhaupt Ludwig König hatten von den Schließungen am Dienstagvormittag erfahren. Beide seien zu einem Gespräch eingeladen gewesen, ohne vorab den Grund zu kennen. Allerdings hatte Kratzer schon eine gewisse Vorahnung. Man kriege ja so auch einiges mit.

Dass die in Brand und Ebnath jeweils verbleibende Bank künftig den Geldautomaten und Kontoauszugdrucker der anderen mit beherbergt, soll laut den Bankvertretern ein Modell sein, das es so wohl nur in Oberbayern gebe, berichtet Kratzer. "Ebnath hat somit eine gewisse Vorreiterrolle."

Als gelernter Bankkaufmann könne er den Schritt aus betriebswirtschaftlichen Gründen durchaus nachvollziehen. Zudem seien Banken von Entscheidungen auf europäischer Ebene und der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank abhängig. Aber die Schließung eines Betriebs bedeute zunächst immer einen Leerstand. In kleinen Gemeinden sei die flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen vor allem für die älteren Bürger sehr wichtig. Die Betreuung - dazu gehören auch Beratungsgespräche zu Hause bei den Kunden - übernehme künftig zwar die Niederlassung in Neusorg, "aber da muss man auch erst mal hinkommen".

Sowohl Raiffeisenbank als auch Sparkasse müssten "dafür Sorge tragen, dass das Modell funktioniert". Wenn es die Kunden nicht so wie gedacht annehmen, dann werde es wohl zur endgültigen Schließung kommen, befürchtet Kratzer.

Nicht genug Kunden


"Von der Wirtschaftlichkeit her ist den Banken nichts anderes übrig geblieben", zeigt auch Ludwig König Verständnis: "Vom Draufzahlen kann keiner leben." Bei 1165 Brander Bürgern gebe es für zwei Kreditinstitute eben nicht genügend Kunden, zumal ein Teil seine Geldgeschäfte in Nagel regle. Es sei ja nicht so, dass die Raiffeisenbank den Ort ganz verlässt, gewinnt der Bürgermeister dem Modell einen positiven Aspekt ab. Wie bei den Hausärzten dünne jedoch auch hier das flache Land immer mehr aus.
Die Gemeinde vor vollendete Tatsachen zu stellen, ohne einen Dialog zuzulassen, gibt zu denken.Kulmains Bürgermeister Günter Kopp
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