Retter Kulmainer Stausee
Flutabwehr

Der Kulmainer Stausee ist Anziehungspunkt für Badefreunde, Austragungsort des jährlichen Fischerstechens und im Winter ein "Stadion" für Eistockerer. Doch hauptsächlich bewahrt er den Ort und auch Kemnath bei Unwettern vorm "Absaufen". Bild: ak
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Kulmain
09.06.2016
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Die Gewitterfront am Mittwoch ließ die Bäche im Kemnather Land bedrohlich anschwellen. An manchen Stellen waren Straßen überschwemmt, in einigen Kellern stand Wasser. Doch nach einigen Stunden war der Spuk vorbei - auch dank des Kulmainer Stausees.

/Kemnath/Immenreuth. Davon ist Arnold Koch überzeugt: Ohne den Stausee wären Kulmain und Kemnath "schon mehrmals abgesoffen". Der Bauamtsmitarbeiter erinnert sich an die Zeit vor dessen Fertigstellung 1990. "Bis dahin sind die Erdäpfel öfters Richtung Kemnath geschwommen, weil Keller unter Wasser standen." Auch durch die vier Jahre später erfolgte Hochwasserfreilegung im Bereich des Bremen- und Schirnitzbaches sieht er die Gemeinde zumindest für ein 50-jährliches Hochwasser gerüstet.

Rund 8 Millionen Mark hat die Kommune damals in diese Hochwasserschutzmaßnahmen investiert, wofür es laut Koch eine 70-prozentige Förderung gegeben hat. Ebenso ließ die Kommune vor rund 12 Jahren das Regenrückhaltebecken oberhalb von Zinst ausbaggern und dessen Volumen vergrößern, um Wasser des Engbachs aufzunehmen. Die Ausgaben haben sich offensichtlich gelohnt: In den vergangenen 26 Jahren habe es keine Schäden an Gebäuden und Grundstücken mehr gegeben, betont der Kämmerer. "Auch Kemnath war immer unter Wasser, solange Kulmain keine Regenrückhaltung hatte."

Erlbach: Geringe Gefahr


Einzige Schwachstelle der bisherigen Vorkehrungen ist der Erlbach aus Richtung Lenau. "Wenn der Wasser bringt, wäre die Ortsmitte von Kulmain gefährdet." Doch das war auch diesmal nicht der Fall. Da die potenzielle Hochwassergefahr gering sei, plane die Gemeinde keine weiteren Maßnahmen bei der Umsetzung der Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie nach EU-Vorgaben.

Ob die Kemnather nasse Füße bekommen, hängt mit vom Stadtweiherwehr ab. Entscheidend sei, dass dieses rechtzeitig gezogen werde, erklärt Bürgermeister Werner Nickl. "Aber das beherrschen unsere Bauhofmitarbeiter sehr gut." Zwar seien aufgrund neuer Hochwassergefahren- und -risikokarten noch keine "weiteren Handlungsanleitungen erfolgt", jedoch gäben sie Anlass, die Ausweisung von Baugebieten zu überdenken. So sei eine dafür angedachte Fläche in einem HQ100-Gebiet (100-jährliches Hochwasser) wieder verworfen worden.

Für Heinz Lorenz sind dies "Szenarien, die wahrscheinlich nie eintreten werden". Immenreuth sieht das Gemeindeoberhaupt zum einen durch den Bergrücken des Fichtelgebirges geschützt. "Die Bergkette von Pappenberg und Ahornberg schickt Gewitter an uns vorbei." Oft sei beim Rathaus kein Tropfen gefallen, während es beim Naturerlebnisbad geregnet habe. Zum anderen stauten sich Flötz- und Bremenbach erst nach dem Ort an.

Seit 5 Jahren habe es keine Überflutung mehr gegeben. Der letzte Keller sei vor 15 Jahren ausgepumpt worden, berichtet Lorenz. Sehr viele Ausgleichsflächen könnten Wasser aufnehmen. Probleme könnte der Flötzbach lediglich im Bereich des Kindergartens - aber nur bei großer Schneeschmelze - machen. Dort stünden Gebäude auf 501 Höhenmetern, auf Grundwasser stoße man schon bei etwa 499 Höhenmetern.

Ganz ungeschoren kamen einige Immenreuther in den vergangenen Tagen aber doch nicht davon. Am Sonntag hat ein Blitz in ein Nachbargebäude des Rathauses eingeschlagen. Bei einigen Anwohnern "hat's dabei kleinere Geräte erwischt".

Bis 1990 sind die Erdäpfel öfters Richtung Kemnath geschwommen, weil Keller unter Wasser standen.Arnold Koch
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