Richard Wittmann erläutert Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus
Natur vor Interessen des Marktes

Betriebsseelsorgereferent Richard Wittmann (stehend) ging auf die Kernthesen von Papst Franziskus ein, die dieser in seiner Enzyklika "Laudato si" niedergeschrieben hat. Bild: hfz
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Kulmain
26.09.2016
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Einblick in die Enzyklika "Laudato si" erhielten die Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung. Richard Wittmann aus Weiden verwies in seinem Vortrag darauf, dass der Text weit mehr als eine "Umweltenzyklika" sei.

Dieser thematisiere vielmehr auch sehr stark wirtschaftspolitische Aspekte und Fragen des menschlichen Zusammenlebens, betonte der Betriebsseelsorgereferent. Der Text sei das jüngste Dokument einer mit der Enzyklika "Rerum novarum" begonnenen und inzwischen 125-jährigen Tradition kirchlicher Sozialverkündigung. Der Papst sorge sich darin um die Zukunft des "gemeinsamen Hauses" - unserer Erde. Mit einer schonungslosen Darstellung der aktuellen ökologischen und gesellschaftlichen Krise wolle er wachrütteln und für einen neuen Lebensstil werben. Dabei nehme er alle Akteure in den Blick: Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kirche und letztlich jeden einzelnen Menschen.

Der Papst schreibe nicht so sehr in seiner Eigenschaft als oberster Lehrer oder Hüter des Glaubens, sondern eher als "besorgter Hirte", dem es um das Wohl aller Menschen gehe, erklärte Wittmann. Bei aller Dramatik der aktuellen Situation würdigte der Papst auch positive Ansätze und kleine Erfolge bei der Umweltverbesserung in einigen Ländern. Diese geben Hoffnung und zeigen, dass "der Mensch noch fähig ist, positiv einzuschreiten", meint er.

Zugleich kritisiert das Kirchenoberhaupt die Dominanz der Wirtschaft, durch die "alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des Marktes" werde. Mit Hinweisen auf die biblische Schöpfungsgeschichte und den heiligen Franziskus erinnere der Papst auf die im christlichen Glauben liegende "Motivation für die Pflege der Natur und die Sorge für die schwächsten Brüder und Schwestern".

Laut Wittmann gehe der Papst mit seinen Empfehlungen und Forderungen sogar ans "Eingemachte" unserer vorherrschenden Wirtschaftsform. Man wisse, "dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist", schreibt der Papst. Es sei die Stunde gekommen, "in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann".

Franziskus sei klar, dass die Frage der Ökologie nicht losgelöst werden könne von der Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Problematik unterschiedlicher Machtverteilung. In der Frage der sozialen Gerechtigkeit habe die KAB schon immer ihr vorrangiges Aufgabenfeld gesehen, erinnerte der Betriebsseelsorger. Die Enzyklika des Papstes ermutige, mit diesem Einsatz für Gerechtigkeit und die Sorge um die "kleinen Leute" fortzufahren.
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