Vortrag über das Fichtelgebirge
Einst fast so hoch wie der Mount Everest

Christa Roth. Bild: ak
Vermischtes
Kulmain
29.01.2016
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Einen bebilderten Streifzug durch die Erdgeschichte und Entstehung der Region gab's beim Vortrag der Landfrauen. Dabei beantwortete Christa Roth vom Geopark Bayern-Böhmen auch die Frage über das Alter des Fichtelgebirges.

Ortsbäuerin Ella Kastner hatte zum Thema "Erdgeschichtliche Entwicklung - Wie alt ist unser Fichtelgebirge?" ins Sportheim eingeladen. Christa Roth stellte zunächst den Geopark vor, der sich auf eine Fläche von 7500 Quadratkilometer, davon 4500 in Bayern, erstreckt. Vor rund 70 Millionen Jahren entstand in der Oberkreidezeit die heutige Form der Kontinente. Erdbewegungen wölbten die Berge auf, und durch Erosion und Wollsackverwitterung blieben Felsenberge und die im Steinwald und dem Fichtelgebirge zu findenden Felsformationen übrig.

Mit der bisher tiefsten Kontinentalbohrung auf 9101 Meter bei Windischeschenbach blickten Geologen erstmals tief ins Erdinnere. Die Bohrung setzte an zwei Verwerfungen der Erdkruste, der Fränkischen Linie und in der Nähe des Eger-Grabens, an. Die beiden Bruchstellen waren für die Bildung des Fichtelgebirges mit dem Schneeberg als höchste Erhebung mit 1053 Meter ursächlich. Selbst die beiden Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe und Alexander Humboldt waren im Fichtelgebirge auf geologischer Entdeckungstour.

Die Erhebungen im Kemnather Land zeugen noch vom frühen Vulkanismus. In den Vulkanschloten erkaltete die Lava, das weiche Umgebungsmaterial wurde über Jahrmillionen abgetragen. Erosion formte die Basaltkegel wie den Rauhen Kulm oder den Parkstein. Es entstanden magmatische und metamorphe Gesteine. Die Gesteinsbildung erfolgte durch Verdichtung. Es wird vermutet, dass das Fichtelgebirge in Urzeiten bis zu 8000 Meter hoch war, also fast so hoch wie heute der Mount Everest.

Im Fichtelgebirge finden sich große Marmorvorkommen, so in Unterwappenöst oder bei Wunsiedel. Das Gebirge zählt zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns. 40 Prozent der Gesteinsvorkommen im Fichtelgebirge sind Granite, die vor 350 Millionen Jahren entstanden und das hufeisenförmige Fichtelgebirge bildeten. Marmor, zum Beispiel für die Befreiungshalle in Kelheim, und Granit waren begehrte Baumaterialien. Die Porzellanindustrie nutzte die großen Kaolinvorkommen, die aus verwittertem Feldspat entstanden. Eisenerz bei Arzberg, Zinn und Silber um Fichtelberg wurden abgebaut und zahlreiche Eisenhämmer an Bächen betrieben. Die Gesteinsformationen und Blockmeere im Luisenburg-Felsenlabyrinth oder die drei Brüder bei Weißenstadt entstanden durch Wasser, Frost und starke Verwitterung im mit 24 Grad warmen Tertiär.

Durch die Verwerfung des Egergrabens treten durch Risse Heilwässer in den tschechischen Bädern und dem Sibyllenbad aus. Das Fichtelgebirge ist zudem entlang der Bundesstraße 303 Teil der Europäischen Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Das Alter des Fichtelgebirges datierte die Referentin zum Abschluss auf rund 350 Millionen Jahre.
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