Herbert Alert von der IG Bau erläutert Forderungen für laufende Tarifrunde
Am Bauboom teilhaben

Herbert Alert. Bild: ak
Wirtschaft
Kulmain
09.04.2016
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Die Auftragsbücher der Unternehmen im Bauhauptgewerbe sind voll. Die in der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) organisierten Arbeitnehmer wollen in der aktuellen Tarifrunde am Boom durch deutliche Lohnerhöhungen teilhaben.

In der Ortsversammlung der IG Bau informierte Bezirkssekretär Herbert Alert über die angelaufene Tarifrunde für das nächste Lohnjahr. "Das Jahr 2015 war bei sehr vielen Firmen das Beste seit vielen Jahren." Auch aktuell seien die Auftragsbücher voll, besonders im Wohnungsbau.

Doch der Satz der Arbeitgeber bei der ersten Verhandlungsrunde: "Es gibt nichts zu verteilen", stößt bei den Gewerkschaftlern auf Unverständnis. Das Bauhauptgewerbe zählt derzeit rund 750 000 bis 780 000 Tätige bei stetig abnehmendem Nachwuchs.

Kein Geld für Fahrzeit


Ein großes Manko ist laut Alerts Worten die Auswärtsarbeit. Die oft stundenlange Wegezeit werde im Gegensatz zum Metallbereich nicht vergütet. "Unsere klare Forderung ist auch, dass der Arbeitgeber die Auswärtsunterkunft zu stellen und zu bezahlen hat." Auch die Frage ob Doppel- und Einzelzimmer sei noch nicht zufriedenstellend gelöst. Die Ausbildungsvergütungen seien mit 1374 Euro im dritten Lehrjahr jedoch gut, meinte der Gewerkschaftler.

Die IG Bau fordere zudem den 24. und 31. Dezember als bezahlte Freitage, für Azubis eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro. Zudem sollte nach 26 Jahren Wiedervereinigung der unterschiedliche Tariflohn in Ost- und Westdeutschland der Vergangenheit angehören. Gerade dies führe zu starken Verwerfungen bei Bieterfirmen, die Ableger in Ostdeutschland und Baustellen im Westen haben, obwohl der Tarifvertrag klare Regelungen dafür hat. Die größte Hemmschwelle sieht der Redner jedoch darin, dass der Tarifvertrag nicht allgemeinverbindlich ist. Dieser gelte nur, wenn der Arbeitgeber im Arbeitgeberverband und der -nehmer in der Gewerkschaft sind. Ansonsten besteht nur Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Die Gewerkschaft verlange nun 5,9 Prozent Lohnerhöhung. Die vorgenannten Forderungen sind laut Alert jedoch schwierig durchzusetzen, da der bestehende Manteltarifvertrag bisher nicht gekündigt ist. Er sprach zudem die Schlechtwettergeldregelung für die Monate Dezember bis März an, die überarbeitet und bis Ende April ausgeweitet werden müsste.

Vermehrt Probleme gebe es mit dem Termindruck bei Autobahnbaustellen. Dort solle 24 Stunden und sieben Tage die Woche in zwei Schichten gearbeitet werden, obwohl die Fünftagewoche Gesetz ist.

"Ab 1. Januar gilt die neue Tarifrente Bau. Sie ist ein tarifpolitischer Meilenstein", verdeutlichte der Referent. Die bisher nur im Tarifgebiet West geltende umlagefinanzierte Rentenbeihilfe werde für Arbeiter und Angestellte auf ein kapitalgedecktes System in Ost und West umgestellt. Die Summe der Einzelzahlungen ergebe später die Rentenhöhe. Damit verlieren Demografie und Entwicklung der Beschäftigungszahlen an Einfluss.

Die Tarifrente gilt für alle, die ab 2016 neu in der Bauwirtschaft und im Osten tätig sind sowie für Arbeitnehmer die vor 2016 in Baubetrieben beschäftigt waren und am 31. Dezember noch nicht das 50. Lebensjahr erreicht haben. In den alten Bundesländern steigt der Beitrag für Arbeitnehmer vorübergehend in 2016 und 2017 von 3,2 auf 3,8 Prozent, bei den Angestellten von 67 auf 79,50 Euro. Der höhere Beitrag werde durch geringere Urlaubskosten kompensiert, erklärte Alert. Das zusätzliche Urlaubsgeld verringert sich beim Arbeitnehmer von 25 auf 20 Prozent, bei Angestellten von 24 auf 19 Euro.

Abschließend erläuterte Alert die steigenden Altersgrenzen bei der Rente mit 63. Diese erhöht sich jeweils um zwei Monate ab dem Geburtsjahr 1953.
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