Bayerwald-Linie vor dem Aus
Fernbus von Berlin nach Freyung stellt Verkehr ein

Zahlreiche Haltestellen wie hier in Marktredwitz bediente der Fernbus zwischen Berlin und Freyung im Bayerischen Wald. Bild: fph
Freizeit
Landkreis Tirschenreuth
22.03.2016
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Seit über drei Jahrzehnten gibt es eine Buslinie, die Berlin mit dem Bayerischen Wald verbindet. Unzählige Gäste nutzten das Angebot auch für einen Urlaub hier in der Region. Doch nach Ostern ist damit Schluss.

Tirschenreuth. (pbls/fph) Am Wochenende 2. und 3. April wird die "Busverkehr Berlin KG" die Bayerwald-Linie letztmals befahren. Es rechnet sich nicht mehr. 1985, als die Wiedervereinigung mehr Vision als greifbar nahe Realität war, gelang es einem West-Berliner Busunternehmen, eine Sondergenehmigung für einen Fernbus nach Bayern zu bekommen.

"Da gab es ja nichts, dreimal am Tag einen Zug und einen Flieger, der aus West-Berlin rausging", erklärt der Berliner Lars von der Burg. Er betreut die Strecke von Berlin in den Bayerischen Wald seit vielen Jahren. Er wird ein bisschen wehmütig. "Das ist schon traurig. Aber es ging nicht mehr", erklärt er. Von der Burg ist schon öfter mit diesem Bus unterwegs gewesen, denn seine Mutter stammt aus dem Bayerischen Wald. "In den Jahren vor und nach der Wende gab es nicht nur eine Hin- und Rückfahrt pro Woche, sondern zwei", erinnert er sich an die guten Zeiten.

Abfahrt in Berlin am Zentralen Omnibusbahnhof am Funkturm um 7 Uhr, fünf Stunden später Ankunft in Fuchsmühl, zehn Minuten später in Friedenfels. Über Erbendorf, Tännesberg und Oberviechtach ging es dann auf der Ostmarkstraße weiter bis nach Freyung. Jeden Samstag. Und sonntags dann in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück.

"Seit 2001 verkaufen wir in der Weißenstädter Touristeninformation auch die Karten für den Bus nach Berlin", erklärt Sofia Pirner und bestätigt, was von der Burg beklagt. "Es gab zwar immer eine Nachfrage, aber nur einzelne Buchungen."

"Es ist immer bedauerlich, wenn wir eine Verbindung im öffentlichen Verkehr verlieren", kommentiert Ferdinand Reb, der Leiter der Tourismus zentrale im Fichtelgebirge. Er schätzt, dass weniger als zehn Prozent der Urlauber mit dem Bus anreisen. "Doch das ist natürlich auch eine Frage des Angebots."

Der Landkreis Tirschenreuth wird mit dem ersten April-Wochenende die einzigen Fernbus-Haltestellen verlieren. Für Fahrgäste aus Fuchsmühl, Friedenfels oder Erbendorf war die Linie eine günstige und schnelle Alternative zu Bahn oder Auto. "Dabei sind Fernbusse eigentlich stark im Kommen", findet Stephanie Wenisch von der Tourismuszentrale im Landratsamt die Einstellung der Linie schade. Freilich könne man im ländlichen Raum nicht überall Haltestellen haben, aber im größeren Umkreis wären sie schon wichtig. Milena König von der Steinwald-Allianz bedauert die Entwicklung ebenfalls. Direkt in Erbendorf sei der Bus "eine super Möglichkeit für Gäste und Einheimische" gewesen. Die Buchungen seien zwar zurückgegangen, doch hätten viele Stammkunden den Bus von Erbendorf nach Berlin genutzt.

Traurig ist auch der Fuchsmühler Bürgermeister Wolfgang Braun. "Das war ein zusätzlicher Anreiz für Leute, die bei uns Urlaub machen." Außerdem sei der Bus auch von Pendlern genutzt worden. Bürgermeister Gottfried Härtl aus Friedenfels war zunächst einmal verärgert, weil er vom Verkehrsunternehmen nicht informiert worden war. "Direkt anreisbar sind wir nicht mehr. Das ist schon ein Nachteil." Vor allem ältere Bürger hätten die Linie genutzt. Allerdings weiß auch der Bürgermeister, dass die Fahrgastzahlen rückläufig sind. "Vor ein paar Jahren wäre der Wegfall der Linie schlimmer gewesen."

Allerdings gibt es noch eine Alternative. "Berlin-Linienbus" fährt entlang der Autobahn von der Bundeshauptstadt über Hof, Marktredwitz, Weiden, Schwandorf, Regensburg und Deggendorf bis nach Passau und dann weiter in die Bäderregion Füssing, Birnbach und Griesbach.
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