CSU-Generalsekretär in neuer Rolle
Talkmaster Scheuer

Generalsekretär Andreas Scheuer (Mitte) hatte Bild-Chefin Tanit Koch und Österreichs Außenminister Sebastian Kurz in seine "Talkshow" nach Lappersdorf eingeladen. Bild: Gibbs
Politik
Lappersdorf
12.10.2016
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In politischen Talksendungen ist Andreas Scheuer ein gern gesehener Gast, weil er deftigen Diskussionen nicht aus dem Weg geht. Am Dienstagabend moderierte der CSU-Generalsekretär seine eigenen Talkshow.

Regensburg. Mit zwei hochkarätigen Gäste diskutierte Scheuer im Lappersdorfer Aurelium - unweit von Regensburg, wo er vor kurzem für Schlagzeilen gesorgt hatte. Sein umstrittener Spruch über den "fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen" im Regensburger Presseclub wirkte bei dem Generalsekretär noch nach. "In Regensburg muss man plakative Sätze ja deutlich kennzeichnen", merkte er an. In Lappersdorf wollte er lieber von seinen Gästen "Klartext" hören, und zwar zum Thema "Krisen und Terror - was macht unsere Welt wieder sicherer?".

Zwei junge Durchstarter hatte er sich dafür aufs Podium geholt: Sebastian Kurz (30), Außenminister Österreichs, und Tanit Koch (39), Chefredakteurin der Bild-Zeitung. Die Veranstaltung der Reihe "Andreas Scheuer - Guests & Friends" entpuppte sich als Publikumsmagnet. Mehr als 500 Zuhörer kamen ins im April neu eröffnete Veranstaltungshaus "Aurelium" mit seiner markanten goldenen Fassade. Im Inneren hatte sich das Team von Scheuer alle Mühe gemacht, den Saal einer professionellen TV-Talkshow ähneln zu lassen: Moderne Sitzmöbel, Backstein-Hintergrund, "AS", die Initialen des Generalsekretärs, schwungvoll als Logo ins Szene gesetzt.

Immer wieder Applaus


Der Krieg in Syrien, die Flüchtlingsströme, der Brexit, die Präsidentschaftswahl in den USA, innere Sicherheit und Integration gehörten zu den Themen des Abends. Immer wieder gab es Szenenapplaus aus dem Publikum. Etwa, als Bild-Chefin Koch anprangerte, "dass wir zu lange in einer hypersensiblen Konsensgesellschaft gelebt haben". Als Beispiel führte sie die Attacken auf Frauen in der Silvesternacht in Köln an.

"Statt zur Kenntnis zu nehmen, dass wir ein akutes Problem mit Menschen aus einem Kulturkreis haben, die unsere Werte nicht teilen", seien die Vorfälle mit Übergriffen auf dem Oktoberfest verglichen worden. Dabei habe es sich in Köln um nie dagewesene Exzesse gehandelt. So ein Vergleich bestätige die "Menschen außerhalb der Blase Berlins" darin, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen, warnte Koch.

Ähnlich äußerte sich Österreichs Außenminister. "Es ist eine große Gefahr, wenn die Eliten Dinge schön reden. Dann muss man sich nicht wundern, wenn die Protestparteien stärker werden", meinte Kurz. Deutlich sprach er sich dafür aus, die europäischen Außengrenzen besser zu schützen, um wieder mehr Stabilität bei der Zuwanderung zu erreichen. "Ich bin nicht dafür, dass wir bei den Flüchtlingen den Eindruck erwecken, nehm' dir einen Schlepper, fahr nach Italien und dann hast du es fast geschafft." Eher düster sieht Bild-Chefin Tanit, die nach eigener Aussage in ihrem persönlichen Leben und in ihrer Ausbildung stark von der EU profitiert hat, die Zukunft der Europäischen Union nach dem Brexit. "Ich kann mir eine EU mit Rumänien, aber ohne Großbritannien noch nicht so recht vorstellen."

Uneinig waren sich die Podiumsgäste bei der Verantwortlichkeit der osteuropäischen Staaten in der Flüchtlingskrise. Außenminister Kurz schlug eine Lanze für die osteuropäischen Nachbarn, die die Flüchtlingspolitik "einiger mitteleuropäische Staaten" von Anfang an nicht mitgetragen wollten. "Sie sind bei ihrer Haltung geblieben, und dann wurde ihnen vorgehalten, sie sind nicht solidarisch."

Wenigstens ein Streitpunkt


Hier widersprach Koch scharf. Der Flüchtlingsstrom sei die seit langem größte Herausforderung für den europäischen Kontinent insgesamt. "Das Verhalten dieser Staaten war unsolidarisch." Nach viel Konsens fand die Runde damit auch einen Streitpunkt. Talkmaster Scheuer war vollends zufrieden.

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