Gefährliche Aggressionen

Schweres Gerät ist erforderlich, wenn ein Lastwagen - wie hier bei München - verunglückt. Der Fahrer wurde am Samstag schwer verletzt. Unfälle wie diese können jederzeit passieren - auch in der Oberpfalz. Bild: dpa
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Lauterhofen
14.04.2015
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Ein Toter auf der A 6 bei Nabburg im April. Ende Januar ein schwerer Unfall mit drei Lastwagen auf der A 93 bei Schwandorf - ebenfalls mit einem Toten. Dabei hat das Jahr erst begonnen - und der Verkehr nimmt zu.

(räd) Die zwei Autobahnen, die durch die mittlere und nördliche Oberpfalz führen, gehören zu den wichtigsten Magistralen Europas. Vor allem die A 6 zwischen Nürnberg und Prag hat europäische Bedeutung. Dicht an dicht fahren Lastwagen. Und es werden immer mehr. "Die Tendenz ist insgesamt steigend", sagt Hans Schwemmer, Leiter der Autobahnmeisterei Lauterhofen/Schwandorf, zuständig für 125 Kilometer zwischen Luhe und Ponholz sowie zwischen dem Kreuz Oberpfälzer Wald und Nürnberg. Vor allem auf der A 93 sei der Lkw-Anteil überproportional gestiegen. An der Zählstelle Schwandorf-Nord wurden im vergangenen Jahr 5 Prozent mehr Lastwagen gezählt als noch 2013.

Magistrale nach Osten

Prozentual und absolut ist der Schwerverkehrsanteil aber auf der A 6 am höchsten: Im Schnitt mehr als 7100 Lkws sind dort täglich unterwegs - die meisten kommen oder fahren nach Osteuropa. "Die A 6 ist eine optimale Anbindung zu den Märkten in Mittel- und Osteuropa", unterstreicht Schwemmer. Immer wieder sind Lastwagen in schwere Unfälle verwickelt.

Beunruhigt ist der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Amberg, Friedrich Böhm, über die Entwicklung bei den Unfalltoten. Seit Jahresbeginn kamen in seinem Zuständigkeitsbereich, den Kreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf, auf Autobahnen bereits drei Menschen ums Leben. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 verunglückten auf allen Oberpfälzer Autobahnen zusammen insgesamt sieben Menschen tödlich. Insgesamt seien die Zahlen aber rückläufig. Allerdings gestaltet sich die Interpretation der Statistik generell schwierig.

Zahlen hin oder her: Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen von Polizei, Rettungskräften und Autobahnmeisterei die zunehmend aggressivere Fahrweise. "Blau- oder Gelblicht sind leider keine abschreckenden Symbole mehr", bedauert Böhm. "Es gibt Menschen, die fahren mit 150 Kilometern pro Stunde an einer Unfallstelle vorbei" - wenn nebenan Schwerverletzte versorgt werden. In Gefahr sind dann auch die Rettungskräfte. Feuerwehr und Autobahnmeisterei übernehmen gemeinsam die Verkehrsregelung. Für sie, wie auch Rotes Kreuz, Abschleppdienste oder Polizei ist die Autobahn ein Arbeitsplatz. "Und der ist brandgefährlich", sagt Böhm.

Wertvolle Minuten

Aus einem anfänglich kleinen Unfall kann schnell eine Massenkarambolage werden. Wie Mitte Januar auf der A 93 bei Weiden. Bei einem Serienunfall mit mehreren Fahrzeugen entstand ein Schaden von 44 000 Euro. Die Autobahn war zwei Stunden gesperrt. Die Ursachen dafür sind oft vielfältig: Drängeln, Rasen, Unaufmerksamkeit oder nur ein kleiner Fahrfehler.

In jedem Fall werben Böhm und Schwemmer intensiv dafür, dass Verkehrsteilnehmer im Stau nach einem Unfall die vorgeschriebene Rettungsgasse bilden - und dauerhaft offen lassen. "Wenn sich jeder so verhalten würde, würde sich die Zeit der Beeinträchtigung deutlich reduzieren." Oft vergehen wertvolle Minuten, die Feuerwehr und Sanitäter verlieren, wenn sie warten müssen, bis ein Fahrzeug die Gasse wieder frei gemacht hat.

Gut möglich, dass solche Situationen bald öfter auftreten. Denn insgesamt verzeichnet die Autobahnmeisterei sowohl auf der A 6 als auch auf der A 93 zunehmenden Verkehr.
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