Eröffnung der Burgfestspiele Leuchtenberg mit Gogols "Revisor"
Der Größte aller Betrüger

Punktsieg in Duell der Gauner: Dem "Revisor" (Florian Wein) fällt das Geld von allen Seiten in die Hände. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur
Leuchtenberg
20.05.2016
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Der Bürgermeister (Gerhard Wölfel) taumelt von einem Nervenzusammenbruch in den nächsten. Bild: Tobias Schwarzmeier

Der Filz ist enorm dick. Seit Jahrzehnten haben sich Korruption, Verschwendung und Inkompetenz in dem kleinen Städtchen breit gemacht. Doch plötzlich gerät der Sumpf aus großen und kleinen Gaunern in Bewegung. Ein Revisor soll sich um die skandalösen Zustände kümmern.

Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen reagieren die Honoratioren, als sie erfahren, dass ein junger Mann, der in das Schema passen könnte, eingetroffen ist. Nikolai Gogols Komödie "Der Revisor", mit dem das Landestheater Oberpfalz (LTO) am Donnerstag die Burgfestspiele Leuchtenberg eröffnete, sorgt schon zum Beginn für helle Aufregung und ausgiebige Lacher.

Wenn die armen Provinzler wüssten: Der Mann (Florian Wein), der pleite im Gasthaus abgestiegen ist, ist kein staatlicher Kontrolleur, sondern nur ein kleiner Beamter. Einer mit einem ausschweifenden Lebensstil, übergroßem Ego und großspuriger Klappe. Ein Blender vor dem Herrn.

"Kleine Sünden"


Die ehrenhaften Herrschaften um Bürgermeister Anton Antonowitsch (Gerhard Wölfel) haben allen Grund, beunruhigt zu sein: Der Richter (Hans-Jürgen Gmeiner) lässt sich hie und da einen Jagdhund schenken und betreibt eine Kleintierzucht im Gericht. Der Postmeister (Bernhard Neumann) entpuppt sich als passionierter Literaturkritiker der ihm anvertrauten Briefe. Die Pädagogen, die die Schuldirektorin (Waltraud Janner-Stahl) beschäftigt, sind psychisch ziemlich angeschlagen.

In der verrauchten Klinik "gesunden die Kranken wie die Fliegen" - nicht durch Behandlung, sondern allein durch "Ordnung", meint jedenfalls der Spitalverwalter (Daniel Retzer). Und das vom Staat bezahlte Feuerwehrhaus wurde erst gar nicht gebaut. Bürgermeister Anton Antonowitsch (Gerhard Wölfel) weiß aber wie immer Rat. Binnen Minuten zieht er eine "Gesundheits-, Justiz- und Schulreform" durch, und spricht anschließend im Gasthaus vor.

Nikolai Gogols Satire mutet zunächst wie ein Volksstück an - mit typischen Elementen wie einer Verwechslungsgeschichte, schlitzohrigen Großkopferten, knorrigen Dorfbewohnern und diversen Wendungen. Zur Groteske wird das witzige Stück aber durch die überzogene Sozialkritik nach dem Motto "ein jeder ist käuflich", die auch 200 Jahre nach Erscheinen aktuell ist - herbe Politiker- und Beamtenschelte inklusive.

Nach einer Aufwärmphase erreicht die kurzweilige Inszenierung Betriebstemperatur. Die stringente Bearbeitung von Till Rickelt und die starken Protagonisten spitzen die aberwitzige Handlung zu. Wein brilliert als schmieriger Opportunist, der gleichzeitig Antonowitschs Frau und Tochter (Waltraud Janner-Stahl und Anna Kunz) Anträge macht, während ein Schein nach dem anderen in seine aufgehaltenen Hände fällt. Wölfel gibt mit überwältigender Bühnenpräsenz den Bürgermeister am Randes des Nervenzusammenbruchs.

Revisor der bessere Gauner


Ein köstlicher Spaß ist das erste Aufeinandertreffen des Bürgermeisters und des Revisors. In einem skurrilen Wort-Duell zweier - sich ertappt glaubender- Angsthasen schaffen es die beiden, dermaßen aneinander vorbeizureden, dass sie kurz vor der Ohnmacht stehen. Schließlich umreißt der Profi-Gauner aus St. Petersburg die Situation, nimmt alle aus und verschwindet wieder. Das Mitleid mit den Betrogenen hält sich beim glänzend unterhaltenen Publikum aber sichtlich in Grenzen.
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