Selbstverliebt und doch sympathisch

Die Hörner beziehungsweise das Geweih setzt sich Sir John Falstaff (Ruppert Grünbauer) letztlich selbst auf, die beiden "lustigen Weiber von Windsor" Frau Page (Carmen Puhane, rechts) und Frau Fluth (Martina Meier) krönen damit ihren Schlachtplan gegen den edlen Maulhelden. Bild: Stiegler
Kultur
Leuchtenberg
22.06.2015
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Ritter Falstaffs Werben um die holde Weiblichkeit wird auch auf Burg Leuchtenberg nicht belohnt. Dafür erleben die Zuschauer eine flotte Inszenierung der Shakespeare-Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor".

Man muss ihn einfach mögen: So selbstverliebt, so egoistisch und so rücksichtslos er auch ist. Und dass er zur grenzenlosen Selbstüberschätzung seiner Qualitäten als Casanova und Liebhaber neigt, löst sogar ein kleines mitleidvolles Lächeln aus. Sir John Falstaff, der sympathische "Schweinehund" und Maulheld, treibt seit Freitagabend bei den Burgfestspielen Leuchtenberg sein Anwesen. Mit Shakespeares Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor" feierte das dritte Stück der diesjährigen Festspiel-Saison eine gelungene Premiere.

Der Ritter Falstaff hat ein Problem - und zwar ein ziemlich großes: Er ist pleite. Jedoch so dick und ausgeprägt wie sein Bauch ist auch sein Selbstvertrauen. So beschließt die Frohnatur nämlich, zwei Damen gleichzeitig zu verführen. Über sie will er ans Geld der Ehemänner kommen, aber auch seiner überbordenden Libido Abhilfe schaffen. Gutes Essen, gutes Trinken, Geld und die holde Weiblichkeit - dafür kann man den Falstaff in Till Rickelts flotter Inszenierung (Bühne: Pascal Seibicke, Kostüme: Eva Schwab, Technik: Michael Arnold, Maske: Monika Höllerer) jederzeit haben. Mit Ruppert Grünbauer steht ein "Parade-Falstaff" auf der Bühne, dem die Rolle auf den Leib geschrieben ist. Genauso stellt man sich den Falstaff vor, den auch Shakespeare vor Augen hatte.

Objekte der Begierde

Ausgesucht als Objekte seiner Begierde hat er sich Margret Page und Alice Fluth, doch - es kommt natürlich anders als sich der feine Herr das ausgedacht hat - die treuen Ehefrauen, die beste Freundinnen sind, kommen hinter Falstaffs Ansinnen und beschließen, ihm eine Falle zu stellen. Carmen Puhane und Martina Meier ergänzen sich ideal zu diesen "lustigen Weibern von Windsor", die mit viel Spielwitz die cleveren Ehefrauen darstellen. Noch brisanter wird die Angelegenheit durch Falstaffs abtrünnige Diener Bardolph (Christoph Widmann) und Pistol (Johanna Gradl), die die Ehemänner der beiden Damen von Anfang an über Sir Johns unlautere Absichten informieren.

Es sind die Schauspieler, die das Stück tragen: Es bedarf keiner opulenter Bühnenbilder, wenn die Akteure in ihren Rollen aufgehen. Die komische Wirkung des Stückes entfaltet sich neben einigen Parallelhandlungen auch in der Sprache der Figuren, die munter über Fremdworte und so manche Grammatik hinweg stolpern. Das Stück steht und fällt natürlich mit der Besetzung des Falstaff - in Leuchtenberg, wie gesagt, ideal gelöst. Und doch hat der vor allem mit Uli Scherr in der Rolle des - vermeintlich gehörnten - Herrn Fluth einen Partner auf der Bühne, der die gemeinsamen Szenen zu den Höhepunkten des Stückes macht. So sieht wirkungsvolle Situationskomik Shakespeare'scher Prägung aus - das Lachen des Publikums lügt nicht.

Das Ensemble wird in hervorragender Weise komplettiert durch Herbert Kreutzer in der Rolle des reichen Gutsbesitzers und Friedensrichters Seichtl, der seinen trottelig-dämlichen, aber nicht weniger eingebildeten Neffen Dr. Alfred Schmächtig (authentisch: Adrian Stuhlfelner) gerne unter die Haube bringen möchte - assistiert vom alles andere als oberpfälzisch sprechenden Pfarrer Evans (Sonja Hammer-Kölbl). Die Rolle von Frau Quirlig, der geldaffinen "Liebesbrief-Botin", hat Waltraud Janner-Stahl übernommen. Bemerkenswert, dass gleich drei Akteure auf der Bühne - Carmen Puhane, Johanna Gradl und Christoph Widmann - Doppelrollen mit "fliegendem Kostümwechsel" übernommen haben: Respekt!

Grandios gescheitert

Für Falstaff geht die ganz Geschichte natürlich so richtig in die Hose, sein Plan scheitert auf geradezu grandiose Weise - nicht er legt die Damen aufs Kreuz, sondern Falstaff wird nach Strich und Faden vorgeführt. Und doch sind es genauso solche Typen wie der edle Ritter die nicht nur das Theater, sondern auch das reale Leben bunt machen. Langer Applaus für Ensemble und Regisseur!

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Weitere Informationen und Karten im Internet:

http://www.landestheater-oberpfalz.de http://www.nt-ticket.de
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