Das Jahr ohne Sommer

Lokales
Leuchtenberg
10.08.2015
1
0

Wie ein Märchen mutet in diesen Tagen mit sengender Hitze ein fast 200 Jahre alter Bericht aus der einstigen Landgrafschaft. Die Leute hatten damals mit einem ganz anderen Wetter zu kämpfen.

"1817 begann es am 1. Juni zu regnen und erst am 1. November hörte dieser Dauerregen wieder auf." Als "Jahr ohne Sommer" werden diese fünf Monate heute in der Literatur bezeichnet. Längst weiß man, dass jener Dauerregen durch den Ausbruch des Vulkans Tambora im heutigen Indonesien im Jahr zuvor verursacht worden war. Dadurch veränderte sich damals die gesamte Klimasituation in Europa.

Geringere Ernteerträge und daraus folgende Lebensmittelknappheit führten in weiten Teilen Europas zu Hungersnöten. In den Leuchtenberger Pfarrbüchern heißt es hierzu: "Die gesamte Ernte war verdorben. Hungersnot entstand im ganzen Lande. Der Schwarzmarkt, besonders mit Brotgetreide, begann höchste Ausmaße zu erreichen." Auch für die Jahre von 1844 bis 1849 werden sehr kalte Sommer und Winter genannt, in denen es zu einem Ausfall der Kartoffelernte durch Kartoffelfäule kam.

Die überlieferten Akten liefern keine Hinweise für richtige Hitzewellen in früheren Jahrhunderten. Selbst für das Jahr 1733 mit seiner "ungewöhnlichen Trockenheit" wird nicht zusätzlich von großer Hitze gesprochen, sondern lediglich von "noch nie dagewesenen Missernten".

Bei einem Blick noch weiter zurück wird der kälteste Winter Europas - vermutlich seit 763/764 - in überregionalen Aufzeichnungen für ganz Europa für den Jahreswechsel von 1607 auf 1608 genannt, und deshalb bis heute als "der große Winter" bezeichnet. Als "härtesten Winter Europas im 2. Jahrtausend" bezeichnen die Historiker die Kältewelle, welche bereits im Oktober 1739 begann und bis Juni 1740 andauerte. Hierzu vermerkte der Leuchtenberger Pfarrer Prantl: "So seynd viel Leut an der Not verzagt. Als "einer der schrecklichsten Winter" wird auch jener des Jahres 1784 betitelt: "Die 4 Weiher beim Markte froren bis auf den Grund ein. Auch die wenigen Brunnen im Orte waren zugefroren. Wegen des vielen Schnees konnten die Leute nur mit stärkstem Willen und ihrer Hände Kraft das Trinkwasser aus der 500 Meter tiefer gelegenen Luhe herbeischleppen."

Eine enorme Trockenheit muss 1842 geherrscht haben. Seit dem Frühjahr sei der Regen ausgeblieben. Der böhmische Wind habe hingegen ununterbrochen geweht und die ganze Natur ausgetrocknet: "Die Weiher in der Umgebung waren ohne Wasser und die Brunnen waren leer. Es herrschte Wassermangel wie seit Jahren nicht mehr." Dennoch ist wieder nicht von einer Hitze die Rede.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.