Gewerbegebiet: Die Zeit drängt

Bürgermeister Anton Kappl fühlt sich in seinem neuen Amt sehr wohl. Er ist zuversichtlich, durch Bau- und Gewerbegebiet die Auswirkungen des demografischen Wandels zu dämpfen. Bild: rti
Lokales
Leuchtenberg
29.04.2015
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Souverän setzte sich Anton Kappl (CSU) im vergangenem Jahr bei der Bürgermeisterwahl in Leuchtenberg durch. Er holte 509 von 800 gültigen Stimmen (63,63 Prozent). Nun ist der 44-Jährige seit einem Jahr im Amt. Vier Frauen müssen seitdem ein wenig zurückstecken.

So extrem hat es sich der Rathauschef dann doch nicht vorgestellt. Die Zeit für seine Ehefrau und drei Töchter ist weniger geworden. Aber die vier nehmen es noch gelassen. Schließlich muss das Gemeindeoberhaupt einige Herausforderungen meistern. Dazu zählen unter anderem das Gewerbegebiet in Wieselrieth und das Baugebiet "Am Pfarrhäusl".

Wie hat sich das Leben für Ihre Familie seit der Wahl verändert?

Anton Kappl: Ich war früher schon ehrenamtlich und wegen meiner Arbeit bei der Bundeswehr viel unterwegs, aber jetzt habe ich für meine Familie noch weniger Zeit. Ich versuche zwar, mir extra Zeit zu nehmen, aber das ist extrem schwierig. Ich denke, nach zwei Jahren im Amt sollte sich alles eingespielt haben. Meine Familie trägt es momentan zum Glück mit Fassung und hält mir zu Hause den Rücken frei.

Haben Sie bei Ihrer Kandidatur damit gerechnet, dass das Bürgermeisteramt Sie so sehr einspannt?

Kappl: Ich wusste, was auf mich zukommt. Die Verwaltungssachen sind alle machbar. Allerdings habe ich die vielen kleinen Angelegenheiten unterschätzt. Denn die Bürger kommen bei Problemen immer direkt zu mir, obwohl beispielsweise der Wasserwart besser weiterhelfen könnte. Zudem will ich den Bürgern immer erklären, warum ich bestimmte Dinge genau so mache. Ob ich das durchhalte, weiß ich nicht. Daher habe ich auch angekündigt, dass ich in zwei Jahren mein Amt als Vorsitzender der Feuerwehr Lerau niederlege.

Was bereitet Ihnen am meisten Freude in Ihrem neuen Amt?

Kappl: Positiv finde ich, zum einen wie schnell und offen man mit den Bürgern ins Gespräch kommt und ihnen helfen kann. Zum anderen wenn man mit seinen Entscheidungen kleine Projekte zum Erfolg führen kann. Besonders gefällt mir, wenn ich als Standesbeamter fungiere, um Paare zu vermählen. Das ist die schönste Aufgabe.

Haben Sie jemals bereut, dass Sie zur Wahl angetreten sind?

Kappl: Auf keinen Fall. Es macht Spaß, die Gemeinde zu lenken. Unbestritten gibt es Tage, die sehr fordernd sind. Trotzdem würde ich mich jederzeit wieder zur Wahl stellen.

Was sind die größten Herausforderungen für die nächsten Jahre?

Kappl: Die Umsetzung des Gewerbegebiets in Wieselrieth steht sicher ganz vorne. Zudem gilt es, den Bevölkerungsrückgang einzudämmen. Die erste Maßnahme ist das neue Baugebiet "Am Pfarrhäusl" mit 16 Bauparzellen. Das ist für Leuchtenberg ein riesiger Schritt. Wir haben schon drei Interessenten, die dort sofort bauen würden. Und ich bin mir sicher, dass wir alle Plätze relativ schnell verkaufen werden. Die Vorteile sind die Natur und der Preis (Erbpacht).

Schauen Sie in diesem Zusammenhang öfters neidisch auf die Nachbargemeinde Irchenrieth, die von Jahr zu Jahr wächst?

Kappl: Neid ist der falsche Ausdruck. Unter Kollegen hat man keinen Neid, sondern großen Respekt von jeder Leistung eines anderen. Irchenrieth ist eine Musterkommune, die aber bauplatztechnisch ganz andere Voraussetzung hat als wir. Bürgermeister Josef Hammer liefert dort hervorragende Arbeit. Aber ich glaube, dass es langfristig nicht gesund ist, so schnell zu wachsen.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat vor einigen Wochen den Bebauungsplan des Gewerbegebiets in Wieselrieth für unwirksam erklärt. Wie schaut das weitere Vorgehen der Gemeinde aus? Gibt es einen neuen Zeitplan?

Kappl: Wegen des Urteils müssen wir komplett von vorne beginnen. Wir haben ein kleines Konzept erarbeitet und dies müssen wir jetzt mit den Behörden durchgehen. Es wird bis zum Ende des Jahres dauern, bis der neue Bebauungsplan steht. Allerdings müssen wir wegen der Fördergelder schnell sein.

Haben Sie spezielle Pläne für die Entwicklung des Ortskerns?

Kappl: Die Leerstände dort sind überschaubar. Aber es ist mein Ziel, die "Schandflecke" zu entfernen, denn dort bringt man auch kein Leben mehr hinein. Zudem stellen sie durch herabfallende Ziegel eine Gefahr dar.

Früher gab es in Leuchtenberg öfters hitzige Diskussionen im Gemeinderat. Wie hat sich das entwickelt?

Kappl: Da waren auch einige persönliche Angriffe dabei. Das hat sich aber gelegt. Ich informiere immer alle Markträte gleich, egal von welcher Partei. Die Stimmung hat sich komplett beruhigt, aber das will ich mir nicht alleine auf die Fahne schreiben. Man kann mit allen Markträten offen reden. Zudem habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis zu meinem Bürgermeister-Gegenkandidaten Martin Reil von der SPD, der ja auch in Wieselrieth mein Nachbar ist. Außerdem lassen sich unsere Probleme am besten miteinander lösen, da hat Streit keinen Platz und darum lasse ich ihn gar nicht erst zu.

Vollenden Sie bitte zum Abschluss den Satz "Ich bin ein guter Bürgermeister, weil. . ."

Kappl: ". . .ich ganz offen mit den Leuten über ihre Probleme rede und die Bürger dieses Angebot auch gut nutzen. Zudem nehme ich deren Argumente, Anliegen und Ratschläge ernst."
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