Kirche gibt Friedhof ab

Der Friedhof in Leuchtenberg wird seit Bestehen von der Kirchenverwaltung betrieben. Das soll sich ändern. Die Kirche will ihn der Marktgemeinde übertragen. Bild: fz
Lokales
Leuchtenberg
17.09.2015
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Überrascht zogen die Markträte die Augenbrauen hoch, als ihnen Bürgermeister Anton Kappl mitteilte, dass die Kirchenverwaltung der Marktgemeinde das Messer auf die Brust setzt und der Kommune den Friedhof übertragen will. Sterben könnte dann teuer werden in Leuchtenberg.

In der Marktgemeinde gibt es drei kirchliche Friedhöfe: Michldorf, Döllnitz und Leuchtenberg. Diese werden seit ihrem Bestehen von den drei Kirchenverwaltungen betrieben. Eigentlich ist das Bestattungswesen eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Darauf bezieht sich nun der Antrag der Kirchenverwaltung Leuchtenberg. Was Bürgermeister Kappl und den Marktgemeinderäten sauer aufstößt, ist die Vorgehensweise der Kirchenverwaltung. "Im September flattert da ein Brief herein", sagte der Bürgermeister, "in dem die Kirchenverwaltung von Leuchtenberg der Gemeinde ihren Beschluss mitteilt, dass der kirchliche Friedhof zum 1. Januar 2016 an den Markt Leuchtenberg übertragen wird." Die Formalitäten seien in einem Vertrag zu regeln.

Jede Menge Auflagen

"Ich bin nicht bereit, einen in die Jahre gekommenen Friedhof zu übernehmen", sagte Bürgermeister Kappl. "Da müssten schon die Wege und weitere Sachen am Friedhof und am Leichenhaus gemacht werden." Außerdem gilt es zu bedenken, dass der Grund der Kirche gehöre und die Gemeinde diesen ebenfalls anpachten müsste. Bisher verlangte die Kirchenverwaltung 160 Euro für ein Familiengrab für 15 Jahre.

Wie Kappl weiter ausführte, könne die Kirchenverwaltung jemanden mit der Pflege des Friedhofs beauftragen. Dies koste sicher Geld und sei umzulegen, "aber im Entferntesten nicht das, wenn es die Kommune machen muss", weil für diese ganz andere Auflagen gelten würden wie etwa im Winter Schnee zu räumen. Die Gemeinde befindet sich in der Konsolidierungsphase. Alle Einrichtungen seien kostendeckend abzurechnen. Das träfe dann auch für den Friedhof zu. "Wenn wir dann auch die Sanierungen vornehmen müssen, dann wird es teuer."

Gerlinde Janker fand es nicht gut, dass die Bischöfliche Finanzkammer einen Vertrag vorlegt und "wir dazu ja sagen sollen". Sie gab weiter zu bedenken, dass viele Angehörige die Gräber der Verstorbenen nach den vorgeschriebenen 15 Jahren weiter behalten haben, weil es günstig war. Wenn sie nun das Vielfache der 160 Euro zahlen müssen, werde das wohl nicht mehr der Fall sein, dann entstünden etliche Lücken. Weniger Gräber bedeuteten nochmals höhere Kosten für den Rest.

Mängelliste erstellen

Zweiter Bürgermeister Karl Liegl stellte fest, dass sich viele Punkte bis Januar gar nicht klären lassen. Die Kirchenverwaltung müsse schon mit einer Bestandsaufnahme Fakten vorlegen. Kappl plädierte vor einer Entscheidung für eine Aussprache mit der Kirchenverwaltung. Zugleich forderte er die Marktgemeinderäte auf, sich den Friedhof genau anzusehen und eine Art Mängelliste zu erstellen.
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