Vorhang auf für neue Gönner

Lokales
Leuchtenberg
14.02.2015
1
0

Das Herz des Landestheaters Oberpfalz (LTO) schlägt im Landkreis Neustadt. Der sähe es gern, wenn sich Nachbarn stärker an der Finanzierung beteiligten. LTO-Geschäftsführer Frank Kasch verspricht, seine Fühler auszustrecken. Er selbst hat aber auch einen Wunsch.

Aus dem Kreistag war deutliches Murren zu vernehmen, nachdem Kasch den Fraktionen in nichtöffentlicher Sitzung eröffnet hatte, dass er noch einmal 65 000 Euro bräuchte, damit das LTO in der jetzigen Form überleben könne. Diese Summe hatte der Kreistag schon 2014 genehmigt, allerdings als einmalige Spritze. Von 2010 bis 2012 hatte das jüngste Landestheater Bayerns jeweils 30 000 Euro vom Kreis erhalten, später hat er auf 50 000 Euro aufgestockt.

"Wir sind schon überzeugt vom LTO, aber erst einmal haben wir geschluckt", gesteht SPD-Fraktionssprecher Günter Stich. Wie andere hofft er, dass diese Förderung 2016 wieder auf 50 000 Euro zurückgefahren werden kann.

Kasch sagt zu, sein Möglichstes zu tun und neue Geldquellen anzuzapfen. Eine davon könnte der Landkreis Schwandorf sein. "Dort kommen rund 30 Prozent unserer Besucher her", sagt LTO-Pressesprecherin Marlene Wagner-Müller. Zudem hat das Landestheater erst vor kurzem mit der Stripper-Komödie "Ladies Night" Erfolge in der Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald gefeiert. Dort engagiert sich die Truppe, deren Geschäftstelle in Leuchtenberg ist, auch in Sachen Theaterpädagogik. "Ich kann nur Sachen verlangen, wenn ich auch Leistung bringe", ist Kasch überzeugt. Das heißt, dass er am Konzept von zehn Produktionen pro Jahr - je fünf in der Sommerspielzeit, je fünf im Winter - festhalten will. Diese Stücke möchte er dann exportieren, demnächst zum Beispiel "Bonnie und Clyde" oder die Heinz-Erhardt-Revue nach Neumarkt. "Wir wollen stärker zeigen, dass es uns gibt."

Freistaat zahlt mehr

Das ist ganz im Sinne des Wissenschaftsministeriums in München. Der Freistaat ist Hauptgeldgeber des LTO. Vertraglich ist die finanzielle Beteiligung zwischen München auf der einen sowie den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth, der Stadt Weiden, dem Bezirk und privaten Sponsoren auf der anderen Seite mit 50:50 vorgesehen. Zurzeit buttert der Freistaat aber 65 Prozent der Gesamtförderung von 330 000 Euro zu.

Sollte München dies runterfahren und der Kreis Neustadt noch kräftiger in die Bresche springen müssen, bekäme das LTO massive Probleme, befürchtet ein Kreisrat: "Dann wird es eng. Dann muss man sich die Frage stellen, ob man mit Profis weitermacht, oder so wie vor zehn Jahren."

Das will eigentlich keiner. Am wenigsten Kasch: "Ich habe deswegen auch im Ministerium gesagt, dass man an die Oberpfalz nicht Maßstäbe wie in München oder Nürnberg anlegen kann." Zumal das LTO bereits effizient arbeite. Die vorgeschriebenen professionellen Strukturen seien sehr schlank. Das Landestheater beschäftigt fünf fest angestellte Schauspieler, drei Verwaltungskräfte, drei Azubis, Geschäftsführer Kasch und künstlerischen Leiter Till Rickelt. Dazu kommen etliche freie Mitarbeiter.

"Wir liegen im Branchenvergleich damit weit unten", versichert Kasch. Das gelte auch für den Zuschuss pro Ticket. Der liege beim LTO bei 9 bis 11 Euro. 15 bis 16 Euro seien andernorts die Regel. Dazu komme eine Einspielquote von 50 Prozent. "Manche Staatstheater haben gerade mal 20 Prozent."

Effektiver produzieren

Der Kreis zahlt etwa 50 Prozent der regionalen Förderung, die Stadt Weiden 20. Nun heißt es, die Förderlast breiter zu verteilen - und möglichst Flops zu vermeiden. Als solcher gilt die Rocky-Horror-Show, eine aufwendige Produktion. Die fiel allerdings in die Zeit vor Kaschs Antritt im Mai 2014. "Da war die Finanzierung nicht sauber aufgestellt", gibt er zu. Daher achtet er verstärkt darauf, Einsatz und Ertrag bei Produktionen besser in Einklang zu bringen.

So wie bei der schwarzen Boulevardkomödie "Fisch zu viert" in der Regionalbibliothek Weiden, die eher schlank inszeniert ist. Premiere ist am 14. März. Doch auch dies könnte Theaterdonner auslösen, falls Weiden für die Nutzung der Spielstätte Regionalbibliothek künftig Miete verlangt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.