Beherzte Pferde-Rettung

Julia B. mit den drei geretteten Stuten Callie, Sarita und Mui. In ihrer neuen Heimat können sich die Pferde von ihren gesundheitlichen Strapazen erholen. Bild: szl
Vermischtes
Leuchtenberg
17.09.2016
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Pleite, Pech und Pannen: Pleite ist der Eigentümer, Pech haben die Pferde, und die Panne beheben drei beherzte und engagierte Tierliebhaber aus dem Weidener Umland.

Neustadt/WN. Julia B. ist eine echte Tierfreundin und völlig vernarrt in Pferde. Anfang Juli stößt die 24-jährige Elektrikerin auf Facebook auf eine ausgelassene Diskussion über fünf Pferde auf einem Hof in Leuchtenberg. Unter all die widersprüchlichen Nachrichten schreibt sie: "Ich möchte mir selbst ein Bild davon machen." Das lesen auch ihre Freunde Tanja S. und Thomas E.. Gemeinsam besprechen sich die drei und fahren zum Besitzer.

"An diesem Abend brauchte ich gar nichts mehr. Mir war richtig schlecht", erinnert sich Julia. Der Zustand der Tiere war ein Schock für die Pferdeliebhaberin. "Die Tiere standen tief im Mist, hatten verwachsene Hufe, waren abgemagert und verwahrlost", sagt auch Thomas. "Die drei Stuten auf der Koppel wirkten völlig teilnahmslos", ergänzt Julia.

Miserable Haltung


Die drei wollten sich der Sache annehmen, mussten aber erst das Vertrauen des skeptischen Besitzers gewinnen. Sie boten ihm ihre Hilfe in einer Pflegebeteiligung an. Schlaflose Nächte folgten. Nach drei Tagen erhielten sie die Antwort. Der Weidener Besitzer war einverstanden.

"Er hat seine Pferde nie absichtlich vernachlässigt", beteuert Julia. Der frühere Eigentümer aus Weiden geriet in eine finanzielle Schieflage. "Das entschuldigt sein Verhalten natürlich nicht", meint Tanja. Das Veterinäramt hatte ihn schon auf dem Schirm, immer wieder Bußgelder verhängt, die notgedrungen gezahlt wurden. Zwischen 10 und 12 Jahre standen die Pferde auf dem Leuchtenberger Hof. Seit etwa acht Jahren gibt es Auffälligkeiten. "Irgendwann hat er den Überblick verloren und sich nicht mehr zu helfen gewusst", erklärt Julia. Nur die Gesundheit der Pferde litt darunter.

Abgemagert und krank


Dann begann die Arbeit: Schritt für Schritt halfen sie jede freie Minute auf dem Hof. Sie informierten das Veterinäramt und den Tierschutzverein "Pferdeklappe" von Petra Teegen aus Schleswig Holstein. "Die 'Pferdeklappe' hat uns sofort finanziell unterstützt. Ohne sie wären wir mit den ersten Tierarztkosten überfordert gewesen", ist Tanja dankbar. Das Haltungsrecht für die Pferde wurde vom Eigentümer auf die drei Retter übertragen. Sie packten mit an, misteten aus, bestellten Hufschmied und Tierarzt. "Huf- und Zahnprobleme haben alle durch die Bank", wusste Thomas. Anderen gesundheitlichen Beschwerden seien zwar keine Langzeitfolgen der schlechten Haltung, allerdings hätten sie frühzeitiger erkannt werden können. Aufgrund seiner Verletzungen an den Hufen musste ein Painthengst eingeschläfert werden.

Hengst Harley ist 13 Jahre und der Jüngste. Er hat die Strapazen der miserablen Haltung mit am besten überstanden. Beim Umzug in die neue Stallung hat er sich am Bein verletzt. Der Hengst steht in einer Box. Er ist vieles nicht gewohnt und unruhig. Thomas kümmert sich um Harley. "Er kann gar nichts, er ist nicht zugeritten oder kann Hufe geben", erklärt er. Weil der Harley noch nicht "gelegt" ist, hat er enorme Energie. Deswegen kommt er bis zur Kastration auf eine eigene Koppel.

Bei den drei Stuten sieht es anders aus: Sarita ist 17 Jahre, sie erwischte es am schlimmsten. Sie ist dämpfig, das bedeutet, sie hat chronischen Husten und Atembeschwerden. Dazu kommt eine Fehlstellung der Beine, so dass spezielle Eisen nötig sind, damit sie laufen kann. Stute Callie (24 Jahre) ist ziemlich abgemagert. Sie hat Stoffwechselprobleme, aber spezielles Futter soll helfen. Außerdem sind ihre Hufe stark entzündet. Diese lässt das Pferd lahmen. Stute Mui ist mit 25 Jahren die Älteste. Auch sie hat leichte Atembeschwerden und Huf-rehe, Entzündungen an der Huflederhaut. Sie geht vorne sehr steif. Die Helfer hoffen, dass sich das in der neuen Umgebung legt. Sie wurde bereits in die bestehende Herden integriert. "Mittlerweile geht es ihnen jeden Tag besser", freut sich Julia.

Der beachtliche Stammbaum der ehemaligen Zuchtpferde wurde schnell öffentlich, der Hof in Leuchtenberg regelrecht zum Publikumsmagneten. Gegner unterstellen den Helfern Geldgier und sich nur wegen der Zucht für die Pferde zu interessieren. "Von dem Stammbaum wussten wir nichts, als wir mit angepackt haben. Und sieht man den Gesundheitszustand der Pferde, ist der Gedanke an Zucht weit entfernt", sind Tanja und Julia empört. Gemeinsam mit dem ehemaligen Eigentümer entschieden sie, die Tiere in neue Stallungen umzusiedeln. "Der Vorbesitzer kommt fast jeden Tag und sieht nach den Pferden", sagt Julia.

Pferde sollen bleiben


Bereut haben die Helfer ihren Einsatz nicht. Aber: "Das ist eine riesige Baustelle. Wir haben es uns einfacher vorgestellt", bekennt die 24-Jährige. Der Hengst und die Stuten sollen langfristig auf den neuen Höfen bleiben. Die Pferde sind nicht nur mit viel Arbeit, sondern auch mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden. Stallkosten, Futter, Hufschmied, Tierarzt und Medikamente müssen bezahlt werden. "Ich kann die Tiere nicht leiden sehen", erklärt Thomas seinen Einsatz.

Eine Verbesserung kann Jahre dauern. Julia, Tanja und Thomas versuchen, die Pferde schmerzfrei zu bekommen und in eine Herde zu integrieren. Vielleicht kann man sie irgendwann wieder reiten.

MithelfenDamit die Pferde umsorgt und gepflegt werden können, ist das Retter-Trio auf Spenden und finanzielle Unterstützung angewiesen.

Spendenkonto: Pferdeklappe e.V., Nord-Ostsee-Sparkasse, IBAN DE 59217500000164407272, BIC NOLADE21NOS, Betreff "Pferde Leuchtenberg".
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