Max-Joseph Wagenbauer
Oberpfalz-Maler

Da bislang unveröffentlicht, ist die Existenz dieses unvollendeten Aquarells von Parkstein aus dem Jahre 1805 auch sonst kaum bekannt. Repro: fjo
Vermischtes
Leuchtenberg
17.05.2016
79
0

Wer vor 200 Jahren in München malen lernen wollte, war mit der "Anleitung zur Landschaftszeichnung" gut bedient. Noch heute ist das Büchlein eine Kostbarkeit erster Güte, zumal dessen Verfasser mit den Jahren eine richtige Berühmtheit wurde.

Ruhig waren die Zeiten sicher nicht - hat es die je gegeben - als der erwachsen gewordene Max Joseph Wagenburg zu seinen Abenteuer-Reisen in die Obere Pfalz aufbrach. Die jähen Auswirkungen der Säkularisation von 1803 ließen nicht mehr länger auf sich warten. Napoleon war noch immer im Lande. Ringsum marschierten die Österreicher auf, Russen und Preußen obendrein. Doch die kriegerischen Jahre konnten einen begabten Maler nicht davon abhalten, die Schönheiten seines Landes gerade dort zu suchen, wo kaum ein anderer jemals zuvor nach ihnen Ausschau hielt. München oder Salzburg, der Bodensee und die Alpen standen hoch im Kurs bei einer neuen Künstlergilde.

Aber Leuchtenberg, Treffelstein oder Unterwildenau? Einen eingefleischten Handwerksburschen alter Manier zieht es auf die Walz. Der 30-jährige Wagenbauer tat es ihnen gleich, auch wenn die junge Braut zurückbleiben musste. Erst an Josefi fiel das Jawort im Münchner Liebfrauendom. Am 5. Juli malte Max Joseph den Parkstein - alleine. Das Jahr 1805 ist im Lebenslauf des Kunstmalers untrennbar mit der Oberpfalz verbunden. Über 200 Jahre sind seitdem in diesen bayerischen Landstrich gezogen.

Vieles hat sich verändert, was vor Jahrzehnten niemals für möglich gehalten wurde. Und doch hinterließ Wagenbauer geniale Landschaftsbilder, die durch ihr Alleinstellungsmerkmal umso kostbarer ins Bewusstsein dieser Region rücken. Freilich fand auch er den Großteil seiner Motive in Oberbayern, was ihm die Zuordnung zu den "Münchner Landschaftsmalern" einbrachte.

Manche Fachkreise messen dieser Künstlergruppe in ihrem Einfallsreichtum ähnliche Bedeutung bei, wie den Romantikern, Expressionisten oder Vertretern der Naiven Malerei. Für die Oberpfalz markiert Wagenbauer jenen Strohhalm, der zumindest einige Einblicke mit lichtdurchfluteter Farbigkeit in seit langem vergangene Zeiten ermöglicht. Längst verschwundene Details der Burg Leuchtenberg etwa wären ohne seine Bilder kaum vorstellbar.

Er lieferte aufgrund seines scharfen Auges und einer genialen Optik bei der bildlichen Wiedergabe quasi die ersten Farbfotos nicht nur von dieser Burg mit ihrer reichen Vergangenheit. Auch zur damaligen dörflichen Struktur mit dem Aussehen der Bürger- und Bauernhäuser jener Zeit ist Wagenbauers Werk eine unschätzbare Quelle. Wer jemals von der Hofstatt auf Burg Leuchtenberg hinübersah, kann jede Felsgruppe und jedes Detail der Burgmauern Wagenbauers Bild zuordnen.

Gleiches gilt für Flossenbürg, Schwarzenfeld, Ettmannsdorf, Aign bei Eschlkam oder Neuhaus bei Cham. Ansichten derer also genug, um dem in Gräfelfing Geborenen den Rang eines Oberpfalz-Malers zu verleihen. Zumal auch Lithografien von der Schwarzenburg bei Rötz und die von ihm selbst so betitelten Ansichten "An der Waldnaab" und "An der Haidenaab" überliefert sind. Den größten Teil dieses Schatzes bewahrt die Staatliche Graphische Sammlung in München auf. Dort finden sich die meisten Originale seiner rund 700 erhaltenden Aquarelle, Ölbilder und Skizzen. Obwohl Wagenbauer in den meisten Lexika und Künstlerbiografien verzeichnet ist, nimmt sich die Literatur zu seinem Schaffen bislang eher rar aus. Da macht die Oberpfalz keine Ausnahme.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.