16-Jähriger Unterwildenauer fällt in dne letzten Kriegstagen fern der Heimat
Tod im Eichenwäldchen

Das Sterbebild des gefallenen Unterwildenauers wurde am 16. Oktober 1945 in der Kirche verteilt. Erstaunlich ist, dass ein Druck so kurz nach Kriegsende möglich war.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
12.11.2016
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"Ach, es ist ja kaum zu fassen, daß du nie mehr kehrst zurück. So jung mußt du dein Leben lassen, zerstört ist unser ganzes Glück." So steht es unter einem Bubengesicht auf dem Sterbebild von Georg Birkmüller. Gefallen ist er im Krieg - einen Tag, nachdem in seiner Heimat Frieden eingekehrt war.

Georg kam am 8. Mai 1928 in Unterwildenau zur Welt und wurde wie damals üblich am gleichen Tag von Kooperator Vitus Lang in der zweieinhalb Kilometer entfernten Pfarrkirche St. Martin in Luhe getauft. Firmung war am 19. Mai 1938 in Weiden. Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs er im "Kutscher-Anwesen" beim Schloss auf.

Gefürchteter Befehl


Die Eltern Josef und Anna Birkmüller betrieben eine kleine Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Im Hauptberuf arbeitete der Vater als Reichsbahngehilfe. Nach der Volksschule begann Georg 1942 eine Schusterlehre, die er bald wieder abbrach. Er fühlte sich vom Meister ausgenutzt. Lieber arbeitete er zu Hause mit, zumal der Vater kriegsbedingt abwesend war.

Am 27. Juli 1941 starb Georgs 14-jähriger Bruder Josef an den Folgen eines schon länger zurückliegenden Sturzes. Deshalb hofften die Eltern inständig, dass wenigstens ihr drittjüngster Sohn Georg vom Dienst in der Wehrmacht verschont bliebe. Doch 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, überbrachte der Postbote auch ihm den gefürchteten Stellungsbefehl. Ungenügend ausgebildet, sollte der Junge helfen, den massiven Vormarsch der Roten Armee an der Elbe aufzuhalten.

Nach Monaten ohne Nachricht erhielt die Familie Birkmüller traurige Gewissheit: Ende September 1945 schrieb Soldatenkamerad Johann Reichenberger aus Hannesried bei Tiefenbach über die tragischen Ereignisse im Frühjahr:

"Am 23. April 1945 beim Mittagessen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Strehla in Sachsen wurden 30 Freiwillige zum Einsatz gesucht. Es meldete sich natürlich kein Mensch, weil jeder das sinnlose Sterben in den letzten Tagen kannte. Ein jüngerer Leutnant - er selbst wurde auch zu diesem Einsatz gezwungen - suchte meist jüngere Leute aus. Wir fuhren in einem völlig verschlossenen Wagen nach Strehla und mussten dort den Volkssturm verstärken.

Pläne für die Rückkehr


Nach einem kleinen Angriff, wobei wir einen Verwundeten hatten, besetzten wir ein Eichenwäldchen bei einem Vorort. Ungefähr zwei Stunden warteten wir im Graben und lernten einander kennen. Wir unterhielten uns über den ganzen Schwindel und schmiedeten Pläne nach dem Heimkommen.

Da schlug fünf Meter von mir entfernt eine Granate ein. Ein Unteroffizier und ein Grenadier waren sofort tot. Sie sagten kein Wort mehr und hatten viele Splitter im ganzen Körper. Man hörte kein einziges Jammern. Wir holten die beiden Toten sofort aus dem Graben und übergaben ihre Papiere (Soldbuch usw.) dem Leutnant.

Notizbuch in der Tasche


Am Abend setzten wir uns ab und nahmen die Gefallenen mit. Am anderen Morgen, dem 24. April, erreichten wir Ziegenhain bei Lommatzsch. Wir nahmen mit dem dortigen Pfarrer Kontakt auf und hoben zwei Gräber im Friedhof aus. Vor der Beerdigung durchsuchte der Leutnant nochmals die Taschen der Toten. Dabei fand er beim Grenadier ein Notizbuch, in dem weiter nichts als seine Heimatadresse stand: 'Grenadier Georg Birkmüller, Unterwildenau, Luhe-Wildenau bei Weiden (Opf.).

Ihr Sohn hat in der Mitte des Ziegenhainer Friedhofs neben einem großen Baum ein Einzelgrab. Er wurde mit militärischen Ehren beigesetzt. Sie werden mit Sehnsucht auf die Rückkehr Ihres Sohnes warten. Daher halte ich es für meine Pflicht, Ihnen diese traurige Mitteilung zu machen. Falls Sie Näheres wissen möchten, wenden Sie sich bitte an mich."

Einen Tag vor Georgs Tod war der Krieg im heimatlichen Unterwildenau zu Ende: Aus Weiden kommend, überquerten am 22. April 1945 amerikanische Panzer die vor der Sprengung bewahrte Steinerne Brücke, ratterten quietschend durch den Ort und strebten zielsicher nach Luhe. Den Markt beschossen sie, weil aus der Nähe noch Widerstand kam. Ein Großteil der Bewohner hatte in den nahen Wäldern Zuflucht gesucht.

Sarg als Attrappe


Am 6. Oktober 1945 ergab sich tatsächlich eine persönliche Begegnung der Familie Birkmüller mit Reichenberger. Bei dieser Gelegenheit suchte der Augenzeuge des Todes von Georg auch Bürgermeister Bernhard Bauer auf und versicherte ihm eidesstattlich die Richtigkeit seiner Angaben. Pfarrer Johann B. Stadler zelebrierte am 16. Oktober 1945 in der Pfarrkirche Luhe eine Seelenmesse mit anschließendem Libera, der absolutio super tumulum an einer Sargattrappe (Tumba) für den fern der Heimat ruhenden jugendlichen Gefallenen, erinnert sich Luise Kick, Georgs jüngste Schwester.

Ein Unteroffizier und ein Grenadier waren sofort tot. Sie sagten kein Wort mehr und hatten viele Splitter im ganzen Körper.Johann Reichenberger
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